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Obdachloser erzählt auf Facebook in Echtzeit von seinem Leben

Dank dem Projekt "Vinzi Gast" erfahren wir, wie das Leben auf der Straße wirklich ist und können die Gedanken und die Gefühle eines jungen Obdachlosen nachlesen.

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obdachlos
© Thinkstock

Kaum einer oder eine von uns kann sich vorstellen, wie es ist obdachlos zu sein. Dabei kann es so schnell geschehen. Wie bei diesem Beispiel: Mitte 20, spricht mehr als 5 Sprachen und selbstständig. Doch plötzlich verlor er alles. Schließlich fand er nun nach einem Jahr auf der Straße eine Notschlafstelle in der Privatinitiative VinziRast.

Und dessen Team bat ihn, das Unvorstellbare für uns vorstellbar zu machen: In Kooperation mit A1 erhielt er ein Handy, um sein Leben auf der Straße fest zu halten und auf Facebook zu teilen - in Echtzeit. Mit dem Projekt "Vinzi Gast" möchte man hinter das Klischee Obdachloser blicken, zeigen, dass denkende und fühlende Menschen derzeit auf unseren Straßen frieren und damit auch wieder mehr Menschlichkeit in uns selbst verfrachten, wenn wir eine obdachlose Person sehen. Um nicht nur den Blick abzuwenden, sondern den- oder diejenige als Mensch und mit Respekt zu behandeln.

Hier ein paar Worte, die der anonyme Vinzi Gast, der sich gerade bemüht, wieder in ein reguläres Leben mit Job und eigener Wohnung zurück zu finden, gestern hinterlassen hat:

"Die Ruhe, die in der Stadt herrscht, hat mich zum Überlegen gebracht... Ich nehme an, dass die meisten den ersten Tag des neuen Jahres zusammen mit der Familie im eigenen Heim, auf Besuch bei Freunden oder mit Freunden im Wirtshaus verbringen. Es ist schön und meiner Meinung nach soll es auch so sein. Als Obdachloser hat man leider nicht die Gemütlichkeit eines eigenen Heimes und aus den meisten Notschlafstellen musste man in der Früh (in der Vinzi darf man heute tagsüber bleiben) auch raus. Das Tageszentrum Haus St. Joseph ist heute zu, so wie auch andere Stellen (z.b. Büchereien), wo normalerweise Obdachlose Plätze zum unterschlüpfen haben.
Somit befinden sich derzeit sehr viele auf den Straßen. Ich kann nicht genau sagen, was im Herzen von anderen ist, aber sicher freut sich keiner allein, verlassen und auf der Straßen zu sein. Diese Momente, wenn über die Stadt diese entspannte und erholsame Atmosphäre herrscht, spürt man als Obdachloser, wie allein und unwichtig man für die umgebende Welt ist.
Es ist ein komisches Gefühl, das man jetzt erlebt. Nach einer Zeit, in der man mehr Geschenke (bei den vielen hintereinander folgenden Werbeaktionen) bekommen hat, als man wirklich in den Taschen oder kleinen Spinde lagern konnte, erlebt man jetzt diese tiefe Ruhe, die uns zeig,t dass die Aufmerksamkeit von uns weg gerichtet wird und wir vielleicht bis zu Ostern wieder vergessen werden...
Es ist eine Zeit, in der man nicht weiß, was ab jetzt sein wird. Es wird ab jetzt immer kälter, immer mehr Kranke geben und die Aufmerksamkeit eher weg gerichtet. Ich wollte eigentlich heute, am ersten Tag des Jahres, nicht klagen oder über negative Sachen sprechen, aber ich befürchte, dass es leider wieder so ist..."

Weitere Informationen auf der Facebookseite von Vinzi Gast.