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Obsorge Neu

Ab Februar 2013 kommt die Obsorge Neu. Was das für Familien genau bedeutet – und was zwei Mütter von der Veränderung halten.

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Obsorge Neu

Was die Obsorge neu für Frauen und Kinder bedeutet.

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Dass Vätern ab Februar 2013 im Fall einer Trennung das gemeinsame Sorgerecht zusteht, schlägt Wellen – denn ab dann entscheidet das Gericht über die gemeinsame Obsorge .

Das Kindeswohl hat Vorrang vor allen anderen Erwägungen, so steht es jedenfalls ab 1. 2. 2013 im Gesetz. Regelmäßiger Kontakt und eine sichere Bindung zu beiden Elternteilen sollen forciert werden. Die gemeinsame Obsorge gilt dann als Regelfall, auch ledige Väter sollen künftig ein Antragsrecht auf Obsorge haben. "Bis jetzt war der Vater nur mit der Obsorge betraut, wenn eine Gefährdung des, Kindeswohls‘ festgestellt wurde. Jetzt ist der verlässliche Kontakt zu beiden Eltern in dem nun gesetzlich verankerten, Kindeswohl‘ definiert“, erklärt Juristin Marie-Christine Pranter.

Obsorge Neu: Gegner laufen Sturm

Gegner laufen vor allem Sturm dagegen, dass auch bei strittigen Fällen in Zukunft - nach einer sechsmonatigen Abkühlphase, in der Psychologen und Sozialarbeiter die Familien besuchen - ein gemeinsames Sorgerecht gegen den Willen eines Elternteils gerichtlich durchgesetzt werden kann. Familienrechtsexpertin Pranter: "Im Gericht wird dann aufgrund der Einschätzungen, welche die Besuchsmittler treffen, entschieden. Die Gefahr dabei: In Gewaltbeziehungen stellt diese Regelung eine unzumutbare Belastung dar.“

Gemeinsame Obsorge: Kritiker und Befürworter

Ursula Kolm, Mutter zweier Söhne, sieht die Gesetzesnovelle kritisch: "Nur wenige pflegen nach einer Trennung ein gutes Verhältnis zueinander. Da finde ich es fraglich, ob eine gemeinsame Obsorge in jedem Fall erstrebenswert ist?“

Sie ist eine von österreichweit etwa 105.300 Müttern, die ihre Kinder allein großziehen. Mit ihrem Expartner hat sie sich im Oktober auf ein alleiniges Sorgerecht geeinigt: "Mein Ex nimmt nach wie vor am Leben unserer Kinder teil, aber wichtige Entscheidungen treffe ich allein.“ Barbara Heiligenmann hingegen freut sich über den Beschluss der Regierung: "Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Nur so kann die Familie auch in Krisenzeiten weiterbestehen.“

Ob die neue Regelung auch Einfluss auf bereits abgeschlossene Fälle haben wird? "Grundsätzlich kann jede Obsorgeregelung auf Antrag beim zuständigen Pflegschaftsgericht geändert werden.“

Wie Mütter über das neue Familienrecht denken:

• Barbara H., 43, Lehrerin : Teilt sich mit ihrem Exmann die Obsorge

"Seit ich mich vom Vater meiner Kinder (Simon, 11, & Larissa, 8) getrennt habe, teilen wir uns die Obsorge. Wir sind bestrebt, unseren Kindern - trotz räumlicher Trennung - gleichwertig und liebend gegenüberzutreten. Meinem neuen Mann, der sogar zwei Jahre in Karenz war, geht es da anders. Nach dem Aus der Beziehung zu seiner damaligen Partnerin zog diese mit den beiden Kindern weg und entzog ihm damit auch den Kontakt. Eine gemeinsame Obsorge war für sie kein Thema. Seit sieben Jahren kämpft er nun für jede gemeinsame Minute mit ihnen. So geht es vielen Vätern. Sie werden monatlich nur durch den Blick auf den Gehaltszettel daran erinnert, dass sie Kinder haben. Das neue Gesetz sehe ich daher als einen Schritt in die richtige Richtung. Nur so kann die Familie auch in schwierigen Zeiten weiterbestehen. Gleichzeitig stehe ich der neuen Regelung auch skeptisch gegenüber: Sie lässt noch zu viele, Hintertürchen‘ offen. Richter können Väter, die bei strittigen Fällen die gemeinsame Obsorge anstreben, auch nach der sechsmonatigen Abkühlphase und darüber hinaus durch zeit- und geldvernichtende Verfahren demoralisieren. Es heißt immer, es wird ‚zum Wohle der Kinder‘ entschieden, doch das sind nach meiner Erfahrung Worte, die vollkommen an Bedeutung verloren haben.“

• Ursula K., 40, Tierärztin: Hat das alleinige Sorgerecht für ihre beiden Söhne

"Ich habe mich vor einem Jahr von meinem damaligen Lebenspartner getrennt. Seither bin ich alleinerziehend. Zunächst hatten wir die gemeinsame Obsorge für unsere beiden Söhne Florentin, 3, und Maximilian, 7. Das ließ sich im Alltag allerdings nur mit Schwierigkeiten umsetzen. Nachdem meine beiden Kinder die meiste Zeit bei mir sind und ich mich hauptsächlich um sie kümmere, beantragte ich bald das alleinige Sorgerecht. Durch die Unterstützung meines Anwalts wurde mir dieses im Oktober auch zugesprochen. Prinzipiell bin ich dafür, dass jeder Fall individuell betrachtet wird. Ich lehne ein Globalurteil in Sachen Obsorge absolut ab. Unabhängig von jedem Gerichtsurteil finde ich außerdem, dass Elternteile sich auch nach einer Trennung respektieren sollten. Denn erst so ist auch eine neutrale Gesprächsbasis möglich, die für das Kindeswohl so wichtig ist. Allerdings denke ich, dass nur wenige nach einer Trennung ein gutes Verhältnis zueinander pflegen, was eine gemeinsame Obsorge nicht immer erstrebenswert erscheinen lässt.“