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Ö3-Weckerlady Daniela Zeller verabschiedet sich vom Sender: "Ich gehe in Frieden!"

Daniela Zeller. Die Ö3-Weckerlady verlässt nach elf Jahren den Sender, um Erwachsene das richtige Sprechen zu lehren. Was dazu führte und warum sie dennoch nicht bereit für Ehe und Kinder ist, verrät sie hier.


Ö3-Weckerlady Daniela Zeller verabschiedet sich vom Sender: "Ich gehe in Frieden!"
© Susanne Spiel

WOMAN: Ihr Chef Georg Spatt hat mir im Vorfeld gesagt, dass er sich für die „Ära Zeller“ bedankt. Er meinte, Sie seien eine der ganz seltenen Glücksfälle in unserer seltsamen Branche, die auch nach vielen Jahren im Rampenlicht nichts an authentischer Liebenswürdigkeit eingebüßt hat. Und dass sie absolut echt seien! Hat er Ihnen nicht gleich eine fette Gehaltserhöhung angeboten oder eine eigene Sendung, um Sie zu halten?

Zeller: Er weiß zu genau, dass man Reisende nicht aufhalten soll. Ab dem Zeitpunkt, wo ich nur des Geldes wegen bliebe, aber keinen Spaß mehr an der Arbeit hätte, würde ich scheitern. Gerade bei so unchristlichen Arbeitszeiten braucht es mehr als eine tolle Gage, um sich zu motivieren und täglich um 4 Uhr früh das Bett zu verlassen. Ich habe bei Ö3 sehr viel gelernt, auch über mich selbst und dafür bin ich dankbar.

WOMAN: Was haben Sie bei ö3 gelernt?

Zeller: Ich bin bewusster geworden und auch selbstbewusster. Ich habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen, zu meinen Fehlern zu stehen undaufgehört mich zu rechtfertigen oder die Schuld anderen zuzuschieben. Das muss man sich bei Ö3 schnell abgewöhnen. Denn im Radio wird alles aufgezeichnet und dann kann man sich in einer Sendungsnachbesprechung nicht herauswinden und sagen: „Das war nicht so, das habe ich nie gesagt!“ Selbstkritik ist in diesem Job das Um und Auf! Aber jetzt möchte ich mich nicht mehr selbst kritisieren, sondern das leben, was ich für meine persönlichen Ziele gut kann.

WOMAN: Sind Sie bei Ö3 auf Unmut gestoßen?

Zeller: Nein, ich gehe in Frieden und Freundschaft, weil ich als Sprechtrainerin arbeiten möchte. Fühle mich wie ein reifer Apfel, der von allein vom Baumfällt, ohne dass man daran rütteln muss. Nach insgesamt 13 Jahren beim Radio möchte ich mir meinen langgehegten Wunsch erfüllen. Geschlummert hat das schon in mir seit ich 20 bin. Als ich dann meine Ausbildung absolvierte und merkte, wie mir meine Kunden ganz von allein zuflogen, wusste ich: nun bin ich bereit. So ist das immer mit den guten Dingen im Leben: sie gelingen einem ganz einfach! Die letzten Jahre habe ich parallel zu meinen Moderationen Schulungen in Mainz und Berlin besucht - und gearbeitet bis zum Anschlag. Da ist die Gefahr groß, dass man in beiden Aufgabengebieten müde wird.

WOMAN: Also haben Sie diese Entscheidung sehr bewusst getroffen?

Zeller: Genau, auch wenn sie mit Wehmut verbunden ist, aber ich fühle mich lebendig dabei, bin keine Hülle, die nur funktioniert. Das ist das beste Zeichen, dass es richtig ist. Würde ich keinen Abschiedsschmerz empfinden, würde mir nichts mehr an dem Sender liegen. Das würde mir zu denken geben und unter solchen Umständen wollte ich nie gehen. Gerade jetzt macht mir jede Sendung noch so viel Spaß, weil ich weiß: ich darf mich noch austoben! Ich fürchte ja, dass ich bei meinem letzten Auftritt on air weinen werde. Weil es ist, als ob man sich von der Familie abnabelt…

WOMAN: Und vom langjährigen Berufspartner Robert Kratky, der Sie in- und auswendig kennt!

Zeller: Kein Wunder: Robert ist der Mann, mit dem ich bisher am längsten zusammen war. Und sicher der einzige Ex, mit dem ich verbunden bleibe! Aber wenn man sich jeden Tag sieht, so intensiv zusammenarbeitet und weiß, wie der andere frühmorgens ausschaut, wann er schlechte Laune hat oder Kummer, dann ist das durchaus mit einer Beziehung vergleichbar. Wir fanden uns als Menschen immer gut, aber gefunkt hat es nie! Wir haben uns auch niemals geküsst. Zum Glück, denn wenn man sexuell verbandelt ist, kann man im Job nicht kompetent sein.

WOMAN: Ist Kratky Ihr bester männlicher Freund?

Zeller: Ja, auch wenn er nach wie vor Frauen in Ballerinas ganz scheußlich findet! (blickt auf ihre) Wir haben sogar unsere Liebesproblemeimmer miteinander besprochen. Robert ist ein Alphamann und stellt das gerne zur Schau, aber auf der anderen Seite gehört er zu den tiefgründigsten Männern, die ich kenne. Er macht sich viel Gedanken und ist loyal. Selbst wenn wir uns mal genervt haben: es ist nie etwas nach außen gedrungen, was wir uns anvertraut haben. Das ist das stärkste Band zwischen uns. Wir haben uns gemeinsam entwickelt. Und sind oft gemeinsam gescheitert.

WOMAN: Gegen wen? Ex-Weckerfrontmann Harry Raithofer? Er hat Sie mit seinen chauvinistischen Sprüchen als frisch gefangene Kollegin ja öfter aufgeblattelt.

Zeller: Ja, auch gegen Harry manchmal (lacht) Seine Sprüche haben mich nie gekränkt, dafür weiß ich viel zu gut, was Show ist und was privat. Durch ihn wurde mir aber klar, dass man im Radio einfach ganz normal drauflos reden kann, weil das letztlich zur Authentizität beiträgt. Und wenn er oder auch Robert mal der ganzen Nation via Mikrofon intime Details über mich oder mein Liebesleben verkündet haben, nahm ich das immer locker. In meiner Heimatgemeinde Böheimkirchen wusste ja auch jeder, das ich mit 13 meinen ersten Freund hatte…

WOMAN: Da waren Sie aber sehr früh dran!

Zeller: (lacht) Das war eine keusche Beziehung. Wir haben uns maximal flüchtige Bussis zugehaucht. Der erste richtige Freund – also der, der dann auch bei einem übernachtet – kam erst mit 16. Wir waren drei Jahre ein Paar, als ich ins BORG ging.

WOMAN: Und wie läuft’s mit Ihrem jetzigen Freund Wolfgang Rainer? Ihm haben Sie ja nach nur einer Woche Kennen Ihren Wohnungsschüssel mit Schokoherz überreicht!

Zeller: Ja, das hatte vor allem praktische Gründe, weil wir sehr antizyklische Tagesabläufe haben. Ich liege meist schon um 20 Uhr im Bett und merke nicht einmal, wenn er sich später dazulegt. Wenn man zeitig in der Früh Sendung hat, braucht es eben sehr viel Selbstdisziplin. Da kann ich nicht den Abend durchfeiern, noch spät essen gehen oder zwei Glaserl Wein trinken, denn dann kann ich nicht schlafen. In den Tag hinein leben oder genießen ging nie! Die letzten zehn Jahre habe ich mein Privatleben absolut meinem Job untergeordnet, auf Vieles verzichtet. Aber zum Glück entspricht das meinem Wesen, sonst wäre es absolute Selbstgeißelung gewesen und dann hätte ich es auch nicht so lange ausgehalten.

WOMAN: Blieben soziale Kontakte auf der Strecke?

Zeller: Nein, meine Freunde haben sich dann eben zum Mittagessen mit mir getroffen. Auch Wolfgang beschwert sich nie über meinen Arbeitsrhythmus, denn er ist selbst vier Tage die Woche in Rumänien oder Frankfurt, wo er auch Firmen hat. Am Wochenende fliege ich meist zu ihm.

WOMAN: Hat er Sie darin bestärkt, sich selbstständig zu machen?

Zeller: Nein, er ist da überhaupt nicht pushy oder beeinflussend. Das ist mein alleiniger Entschluss. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, verfolge ich das Ziel vehement. Ich bin keine, die etwas ins Blaue hinein tut, spontan ist. Ich plane lieber und hab auch klare Vorstellungen, wie etwas sein muss.

WOMAN: Planen Sie zu heiraten?

Zeller: Nein. Mir ist nicht wichtig zu heiraten. Ich war nie der Typ Frau, der von dem langen weißen Kleid träumt, auch wenn jetzt überall das Kate-&-William-Fieber grassiert. Auch in Sachen Kinderplanung muss ich gestehen, dass meine biologische Uhr immer leiser tickt. Meine älteste Schwester Silvana hat schon eine 13jährige Tochter und ist gerade wieder schwanger. Eine Freundin ebenso. Ich werde heuer 35, doch nimmt mein Wunsch, einmal Mutter zu sein nimmt immer mehr ab, obwohl ich Kinder wirklich gern habe. Auch wenn das auf den ersten Blick egoistisch klingt: beruflich meinen Weg zu gehen, und da mein Herzblut reinstecken, ist mir wichtiger. In meinem Leben ist jetzt kein Platz für ein Kind.

WOMAN: Hat Ihnen Ihre Mutter das so vorgelebt?

Zeller: Im Gegenteil: Ich wuchs mit meinen Schwestern auf. Silvana sie ist Pädagogin, Albina Altenpflegerin und Marietta Personalmanagerin. Meiner Mutter blieb damals nichts anderes übrig, als zuhause zu bleiben. Sie ist zwar vom Typ her ganz anders als ich, aber so habe ich auch erfahren, wie es ist, eine Mutter zu haben, die sich wirklich mit den Kindern beschäftigt und nicht nach einem zehnstündigen Arbeitstag erschöpft nachhause kommt, die Nanny ablöst, das Kind noch schnell ins Bett bringt. Und dann am Wochenende mit einer Freundin in der Therme entspannt. Das hat keine Qualität! Für Kinder muss man Zeit haben. Mit vollem Einsatz dahinter sein - dafür fehlt mir genauso die Zeit wie auch Wolfgang. Es abschieben finde ich nicht richtig. Was kann das arme Kind dafür, dass Mami auch noch andere Pläne hat.

WOMAN: Fühlen Sie sich in Ihrer Wohnung unter der Woche manchmal allein?

Zeller: Nein, ich bin nie einsam, liebe das Eremitendasein. Wenn Wolfgang nicht da ist, lese ich, schweige ich, gammle herum und tue gar nichts. Vor allem wenn ich müde bin, liebe ich den Rückzug und da wäre mir jede Gesellschaft sowieso zu anstrengend. Ich habe ganz klare Vorstellungen im Kopf, wie etwas sein muss.

WOMAN: Haben Sie eigentlich zuhause in Böheimkirchen Dialekt gesprochen?

Zeller: Auch wenn es ländlich ist: Nein. Meine Eltern sprachen Hochdeutsch mit uns. Und wenn wir bei Opa, der Bergbauer in Ybbs ist, waren, musste ich bei Oma immer nachfragen, was er meint. Ich finde Lokalkolorit zwar witzig, aber es gibt Menschen, die furchtbar darunter leiden, wenn es phonetisch falsch klingt. Kärntner beispielsweise können meist kein „ch“ aussprechen und bei den Tirolern ist das „k“ wiederum so dominant, dass man es zwar beim Wort „Speckknödel“ noch sympathisch findet, aber einen ganzen Vortrag schon nicht mehr aushält.

WOMAN: Wer sind demnach Ihre Kunden?

Zeller: Ich habe zwei Lehraufträge: an der WU Wien und der FH St. Pölten. Außerdem halte ich Vorträge und Seminare für Top-Manager, Ärzte, Techniker, Universitätsprofessoren – alles Menschen, die viel Kommunizieren müssen und lernen wollen, wie man ökonomisch spricht, ohne dass man am Ende des Tagesatemlos und heiser ist. Und weil Geist und Körper da besonders eng zusammenspielen, begleite ich meine „Schüler“ auch psychologisch bei diesem Prozess. Denn die meisten entdecken durch das richtige Sprechen auch neue Facetten an sich selbst.

WOMAN: Ging’s Ihnen da mal genauso?

Zeller: Ja, als ich mit 15 bei meiner Gesangslehrerin Dagmar Loosschmied Sprechunterricht nahm, hat sie in mir etwas zum Klingen gebracht. Durch die richtige Atemtechnik – nämlich aus dem Bauch heraus und nicht aus der Kehle – ist man wunderbar mit sich selbst verbunden. Man wird man ruhiger, entspannter, reflektierter und verfeinert seine Eigenwahrnehmung. Und plötzlich hört man auch seine innere Stimme viel klarer!

WOMAN: Worauf freuen Sie sich jetzt am allermeisten?

Zeller: Auf mehr Lebensqualität! Der „Wecker“-Job bei ö3 hat mich schon sehr gefordert. Ich war oft müde und krank, weil das Immunsystem durch den Stress geschwächt ist. Man muss schon sehr taff sein.

MEHR zu Daniela Zeller finden Sie in WOMAN 09/2011!

Interview: Petra Klikovits