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Stillen: Lasst es uns einfach tun!

Eine Mutter durfte ihr Baby in einem niederösterreichischen Kaufhaus nicht öffentlich stillen. Mutter und Moderatorin Jeannine Mik antwortet mit einem offenen Brief.


Stillen: Lasst es uns einfach tun!

Jeannine Mik: "Wenn Eleni Hunger hat, dann füttere ich sie. Egal wo!"

© Julia Spicker

Am 3. September wollte die zweifache Mutter Bianca B. (27) in St. Pölten ihr Baby im Einkaufszentrum Traisenpark schnell stillen. Doch eine Security-Mitarbeiterin verwies die Frau aus dem Shopping-Tempel. Andere Menschen fühlten sich durch das öffentliche Stillen "belästigt".

Die Gratis-Zeitung "Heute" berichtete über den Vorfall

Ein Bericht über den Vorfall in der Gratis-Zeitung "Heute" brachte Jung-Mama und Moderatorin Jeannine Mik (www.jeanninemik.com) so auf die Palme, dass sie auf ihrem Blog einen offenen Brief an Gegner des öffentlichen Stillens verfasste:

Sehr geehrte Gegner des Stillens in der Öffentlichkeit,

meine Tochter ist 10 Wochen alt und ich stille sie nach wie vor "voll". Das bedeutet, dass Eleni keinerlei Tee oder Pulvermilch trinkt. Sie bekommt ausschließlich die Brust - weil das das Beste für unsere Kleinen ist.

Mein Kind kennt keine gesellschaftlich aufgedrückte Etikette und trägt keine Armbanduhr. Eleni ist es egal, ob ihre Mutter einen Termin hat, einkaufen geht, zum Zahnarzt muss... es wäre ihr sogar völlig wurscht, wenn ich pünktlich vor Gericht erscheinen müsste! Wenn der Magen knurrt, dann schreit sie um ihr Leben. Genau so lange, bis sie die Brust bekommt und genüsslich schmatzen kann. Vorher hört sie nicht auf. Völlig zurecht, wenn Sie mich fragen. Und da ich als Frau im 21. Jahrhundert nicht gedenke, mich daheim mit meiner Tochter einzusperren und nicht mehr am öffentlichen Leben teilzunehmen, bekommt sie die Brust. Egal, wo wir sind.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, warum ich mich mit ihr dafür nicht auf's WC zurückzuziehe? Ich stelle die Gegenfrage: Möchten Sie auf der Toilette essen? Dachte ich mir. Ein Kind zu stillen ist nichts, wofür wir Frauen uns schämen und verstecken müssten - ganz im Gegenteil. Wir sollten stolz auf diese Fähigkeit sein und sie zelebrieren, denn sie ist nicht selbstverständlich. Auch wenn die weibliche Brust über die Jahrhunderte sexualisiert wurde und "man" uns Frauen ihre Verhüllung nahelegt, dürfen wir nicht vergessen, wofür sie eigentlich da ist: Das Stillen ist die ursprünglichste Funktion, die so eine Brust erfüllen kann. Ihre Sexualisierung sollte dieser Tatsache keinen Abbruch tun.

Moderatorin Jeannine Mik und Tochter Eleni, fotografiert von Julia Spicker

In den USA ist das Stillen in der Öffentlichkeit zwar per Gesetz erlaubt, es stößt aber nach wie vor oftmals bestenfalls auf Ablehnung. Einige amerikanische Mütter haben daher beschlossen, der Verklemmtheit den Kampf anzusagen. Das "Public Breastfeeding Awareness Project" ist nur eine der daraus resultierenden, ambitionierten Initiativen. Unter dem Hashtag #PBAP2014 können Sie sehen, welche Ausmaße das Projekt bisher angenommen hat und wie "mutig" die teilnehmenden Mütter sind.

Irgendwie schade, dass man für's Ernähren seines Kindes "mutig" sein muss, oder? Öffentliches Stillen war sowohl in Österreich, als auch in Deutschland vor einigen Jahren schon unaufregender Usus. Mittlerweile scheint es, als würde das in Vergessenheit geraten. Hier müssen wir ganz entschieden gegensteuern! Die Freiheit, unsere Kinder zu stillen wie, wann und wo wir wollen, ist eine große Errungenschaft, die es unbedingt zu bewahren gilt.

Meine Tochter erwacht aus ihrem Mittagsschlaf und weil es für mich das Natürlichste auf der Welt ist, mein Kind zu füttern, wenn es hungrig ist, lasse ich diesen Brief nun Brief sein. Da Sie sich aber womöglich fragen, was ich mit meiner Schreiberei bezwecke, noch ein Appell zum Schluss: Vielleicht regen meine Ausführungen Sie ja zum Umdenken an - oder zumindest zum Nachdenken.

Was aber, wenn die Initiative, die stillende Mutter des Geschäfts zu verweisen, gar nicht von Ihnen kam? Was, wenn sich tatsächlich andere Kunden bei Ihnen beschwerten und durch das Stillen belästigt fühlten? Mein Vorschlag: Verweisen Sie jene Kunden des Geschäfts, deren Verhalten hier wirklich störend und fehl am Platz ist. Seien auch Sie mutig! Ich bin mir sicher, das stünde Ihnen gut zu Gesicht.

Mit der Hoffnung auf mehr Mut und gegenseitige Ermutigung oder zumindest die in letzter Zeit so oft gepredigte Toleranz!

Zur Autorin: Jeannine Mik, 25, ist Moderatorin und Sprecherin in Wien. Auf ihrem Blog "Gedankenstrich" bloggt sie über Persönliches.