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Öffentliches Stillen: Protest in England

Soll frau zum Stillen ihres Babys heimlich auf die Toilette? In England demonstrierten tausende Frauen für das Recht, ihrem Kind öffentlich die Brust zu geben.

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Öffentliches Stillen: Protest in England

Mütter protestieren in britischen Städten

© Reuters/Christinne Muschi

Eigentlich sei sie eher relaxt und käme nicht so schnell aus der Ruhe, erzählte die 27-jährige Emily Slough der BBC . Aber was an jenem Freitagmorgen in der britischen Grafschaft Staffordshire geschehen sei, habe sie so vor den Kopf gestoßen, dass Emily beschloss, ein Exempel zu statuieren.

An jenem Tag nämlich setzte sich die junge Frau mit ihrer Babytochter Matilda in einen Hauseingang, um sie zu stillen. "Öffentlich zwar, aber sehr diskret," wie Emily meint. Doch damit erregte sie den Unmut eines Unbekannten. Der fotografierte sie, stellte das Still-Bild auf Facebook und versah es mit der Unterschrift "Schlampe" (lest hierzu auch: Facebook - Sind Still-Bilder Pornographie?).

Eine Freundin informierte die junge Mutter, die sich zu einem ungewöhnlichen Vorgehen entschloss. Statt den beleidigenden Post löschen zu lassen, lud sie das Foto ebenfalls auf Facebook – allerdings versehen mit einem Protestaufruf: "Wir Frauen sollten das Recht haben, unser Baby auch in der Öffentlichkeit zu stillen!" Dazu forderte Emily andere Mütter auf, für dieses Anliegen auf die Straße zu gehen.

Stillender Protest in England

Binnen kürzester Zeit sei mit Mails und Zuschriften regelrecht bombardiert worden, so Slough gegenüber der BBC . Und auch wenn manche Menschen sie beschimpften und meinten, sie solle zum Stillen auf eine öffentliche Toilette gehen – das Gros der Zuschriften sei positiv gewesen. Letztes Wochenende dann versammelten sich tausende britischer Frauen in zahlreichen Städten im ganzen Land, um ihren Babys in einer stillen(den) Protestaktion demonstrativ öffentlich die Brust zu geben.

Der Protest wurde teilweise von staatlichen Behörden unterstützt, darunter dem National Childbirth Trust (NCT) . Deren Sprecherin: "Jede Mutter, die sich dafür entscheidet, ihr Baby selbst zu stillen, sollte das Recht haben, dies ohne Belästigung zu tun." England ist nicht das einzige westliche Land, in dem öffentliches Stillen einem kleinen Eklat gleichkommt. In Amerika musste sich Sängerin Beyoncè harter Kritik stellen, nachdem sie Baby Blue Ivy in einer Restaurant-Ecke fütterte.

Thema: Erziehung