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Nur 34% der Österreicherinnen sehen Chancengleichheit im Beruf

Wir schreiben das Jahr 2016. Eigentlich ein Zeitalter, in dem man annehmen könnte, dass Männer und Frauen im Berufsleben die gleichen Chancen eingeräumt werden. Aber das ist nicht einmal gefühlt so!

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Gleichberechtigung im Job?
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Wie sieht es deiner Ansicht nach mit der Gleichstellung von Männern und Frauen im Beruf aus? Diese Frage stellte das Linzer Meinungsforschungsinstitut IMAS den Österreicherinnen und Österreichern anlässlich des Weltfrauentages am 8. März. Abgesehen von diversen realen Statistiken zu Gehalt und Beschäftigung wurde hier also die gefühlte Gleichberechtigung erfragt. Und dabei zeigte sich, dass nicht einmal hier bessere Zahlen auftauchen.

Nur 34 Prozent der Österreicherinnen können Chancengleichheit ausmachen, zumindest 46 Prozent der Männer sehen es als gegeben, dass beide Geschlechter die gleichen Möglichkeiten in der beruflichen Laufbahn haben. Umgekehrt sieht nur ein Viertel der Männer, aber zwei Fünftel der Frauen, starken Nachholbedarf. Besonders junge Frauen spüren die Benachteiligung: Die 16- bis 44-Jährigen kritisieren allgemein zu 41 Prozent die schlechteren Chancen, weitere 17 Prozent in bestimmten Berufszweigen.

Babypause als Haupt-Karrierekiller

Der Hauptgrund, der genannt wird, warum Karriereaussichten für Frauen schlechter eingeschätzt werden, ist die Babypause. Drei Viertel aller männlichen und weiblichen Befragten, die die Ungleichheiten kritisierten, sehen die Familiengründung als massiven Stolperstein für das berufliche Weiterkommen.

Und das entspricht bedauerlicherweise auch der Realität: Die Unvereinbarkeitsfrage von Beruf und Karriere wird nur bei Frauen gestellt - Männer bleiben davon "unbehelligt". Und das sowohl im Berufsleben als auch in der Gesellschaft. Noch immer ist ein großer Teil der Bevölkerung der Meinung, die Frauen sollen sich um Kind und Haushalt kümmern und die Männer ums Geldverdienen.

Viele Firmen versuchen zwar bereits mit Programmen für Familien mehr Freiräume zu schaffen für berufstätige Eltern mittels Kinderbetreuung, Möglichkeit zum Home Office oder flexiblen Arbeitszeiten, aber trotz dieser Möglichkeiten stoßen Frauen am Karrierweg dennoch bald an die gläserne Decke. In Chefetagen landen fast nur Männer: So sind in den Vorständen der 200 größten heimischen Unternehmen nur 5,6 Prozent Frauen zu finden.

Weiters werden in der Umfrage mangelhafte Förderung durch die Arbeitgeber als Ursache für die Benachteiligung genannt mit 46 Prozent, die Pflege von Angehörigen, die ebenso vor allem an Frauen hängen bleibt, mit 35 Prozent und fehlendes Selbstbewusstsein mit 13 Prozent.

Gleiches Können - weniger Geld?

Dabei sind Frauen im Durchschnitt mittlerweile sogar besser ausgebildet als ihre Kollegen - vor allem ab Maturaniveau. Diese bessere Bildung spiegelt sich jedoch nicht in den Berufschancen wider, Frauen sind häufiger unter ihrem Qualifikationsniveau beschäftigt oder sind sogar im gleichen Beruf Opfer von Lohndiskriminierung und werden trotz gleicher Qualifikation schlechter bezahlt. Dazu kommt, dass sogenannte "frauentypische" Berufe, wie beispielsweise in der Pflege, im Einzelhandel oder als Friseurin - an sich schlechter bezahlt werden.

Und genau das ist der Grund, warum Feminismus - der sich für Gleichberechtigung der Geschlechter und nicht für Bevorzugung einsetzt - immer noch extrem wichtig ist. Denn selbst wenn sich schon viel in unserer Gesellschaft getan hat - von realer Gleichberechtigung sind wir leider weit entfernt.

Gleichberechtigung im Job?