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Österreichischer Frauenlauf 2017:
Wir feiern 30 Jahre!

Am 21. Mai 2017 steigt im Wiener Prater ein riesiges Fest: das Jubiläum des Österreichischen Frauenlaufs. Wie die Idee zum Event geboren wurde und warum dieser Sport für sie so wichtig ist, erzählt Gründerin Ilse Dippmann im Interview.

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Österreichischer Frauenlauf 2017:
Wir feiern 30 Jahre!
© istockphoto.com

Drei Jahrzehnte wachsende Laufbegeisterung – mit so einem Erfolg hatte 1988 wirklich niemand gerechnet. Als die Gründerin und Organisatorin des Österreichischen Frauenlaufs, Ilse Dippmann, am 12. Juni des Jahres in Laxenburg den ersten Startschuss abfeuerte, waren 440 Teilnehmerinnen dabei. Laufen war für Frauen absolut keine Selbstverständlichkeit. "Für mich ist jede einzelne von ihnen eine Pionierin des österreichischen Laufsports", betont Dippmann, und ihre Augen leuchten dabei.

Am Beginn des Projekts standen eine fixe Idee, viel persönliches Engagement und die Arbeit von ein paar wenigen. Mit handkopierten Zetteln machte man Frauen auf Spielplätzen, in Einkaufszentren und Kindergärten auf die sportliche Initiative aufmerksam. Ilse Dippmann steckt seither ihr Herzblut in dieses Event. Seine Geschichte ist untrennbar mit der Entdeckung ihrer eigenen Lauflust verbunden und damit, wie sie diese Passion auch anderen Frauen ermöglichen wollte. Dass daraus eines der größten Lauf-Events Europas mit 33.000 Teilnehmerinnen werden würde, hätte sie sich nie träumen lassen. Im Interview erzählt sie von ihren ersten Laufschritten, wie die Idee zum Sportereignis entstand und wie seine Weiterentwicklung zur Lebensaufgabe wurde.

WOMAN: Was bedeutet Laufen für Sie?

Dippmann: Das ist für mich so normal wie Zähneputzen. Zumindest drei bis vier Mal pro Woche bin ich unterwegs, gleich nach demAufstehen. So behalte ich meine innere Ausgeglichenheit. Es gibt ja immer wieder die Ausrede, dass man einfach keine Zeit dafürhabe. Aber mir hat Laufen immer viel mehr gegeben, als ich an Zeit und Energie dafür verwendet habe.

WOMAN: Und was hat ursprünglich den Lauffunken in Ihnen entzündet?

Dippmann: Ich habe einen Freund bei seinem Training für den Vienna City Marathon 1986 unterstützt. Da wollte ich das dann auch ausprobieren. Also habe ich mit einer Freundin ausgemacht, wir starten in New York, dem größten Marathon weltweit. Mein allererstes Training, im Prater in der Hauptallee, war ein Desaster. Nach 100 Metern habe ich schon keine Luft mehr bekommen. Aber der Funke war entzündet. Wir haben nicht aufgegeben und sechs Monate lang trainiert. Meine Laufzeit in New York war dann auch nicht schlecht: 3:41.

WOMAN: Und dort entstand die Idee zum Frauenlauf?

Dippmann: Ja. Wir waren unterwegs, haben uns umgesehen. Ich fand es großartig, dass laufende Frauen jeden Alters im Central Park und auch sonst im Stadtbild völlig normal waren. Bei uns wurde man blöd angeredet, den Frauen wurde nachgepfiffen, wenn sie durch die Stadt liefen. Da denkt heute Gott sei Dank niemand mehr darüber nach, aber das hat viele abgeschreckt. Bei der Startnummernausgabe des Marathons bekam ich dann einen Flyer über einen Lauf nur für Frauen. Diese Idee hat mich vom ersten Moment an begeistert.

WOMAN: Kaum zurück – gleich umgesetzt?

Dippmann: Nicht sofort. Die Reaktionen waren eher skeptisch. "Das könnt ihr nicht machen", hat es geheißen, "so eine Emanzengeschichte ..." 1987 war ich wieder in New York. Und ich habe erfahren, dass es in der Schweiz schon so einen Lauf gab. Da stand mein Entschluss dann fest.

WOMAN: 440 Läuferinnen waren beim ersten Mal dabei. Wie hat sich dieser Lauf zu so einer Riesenveranstaltung entwickelt? 33.000,
Wahnsinn ...

Dippmann: Das hat eine Weile gedauert, obwohl wir stetig gewachsen sind. Am Anfang noch eher langsam, aber 1996 gab es dann das erste Mal den Plan, auch medial präsent zu sein. Und so haben wir eine Pressekonferenz gegeben. Kein einziger Medienvertreter ist gekommen. (lacht) Die große Stunde hat erst 1998 geschlagen. Der damalige Bundeskanzler Viktor Klima hat den Startgong für bereits 2.081 Läuferinnen geschlagen, und wir waren auf einmal auf den Titelseiten der größten österreichischen Tageszeitungen.

WOMAN: Laufveranstaltungen gibt es ja viele. Was macht Ihre so erfolgreich?

Dippmann: Unser gesamtes Team besteht aus passionierten Läufern. Das ist nicht einfach ein Job, da brennt die Begeisterung für das, was wir tun. Ich denke, das spürt man. Ich bin ja fest überzeugt: Du kannst in jemand anderem nur das entzünden, was in dir selbst brennt! Für uns muss die Qualität zu 100 Prozent stimmen. Jede einzelne Läuferin steht im Mittelpunkt und soll mit einem großartigen Gefühl nach Hause gehen. Deshalb haben wir 1996 erstmals Kinderbetreuung angeboten und das – mittlerweile legendäre – Warm-up vor dem Start. Inzwischen gibt es am Samstag Kinder-und Jugendläufe, der Österreichische Frauenlauf ist ein richtiges Familienevent geworden. Und wir machen noch unentschlossenen Frauen das Laufen schmackhaft.

WOMAN: Da hilft das Programm "Fit in 12 Wochen". Wie ist das entstanden?

Dippmann: Wir wollen zeigen, dass jede Frau laufen oder walken kann und in zwölf Wochen fit genug für die fünf Kilometer wird. Diese kostenlosen Lauftreffs mit Profi-Trainerinnen gibt es mittlerweile in ganz Österreich und für jedes Niveau.

WOMAN: Das diesjährige Motto des großen Festes lautet "Zeit zu feiern!" Was ist da so alles geplant?

Dippmann: Das Event soll einfach ein riesengroßes Fest des Laufens und der Freude daran sein. Und wir feiern jede einzelne Teilnehmerin, egal ob sie das erste oder das 30. Mal dabei ist.

Fit in 12 Wochen

Lauftreffs, Anmeldefristen und mehr – hier findest du alle Infos.

Termin. Das 30-jährige Jubiläum des Österreichischen Frauenlaufs findet am 21. Mai 2017 im Wiener Prater statt. Auch heuer sind wieder unglaubliche 33.000 Teilnehmerinnen am Start, die über 5 oder 10 km laufen oder 5 km walken. Am Vortag gibt es außerdem einen Kinderlauf und ein Teen Race.

Anmeldung. Am 4. März startet die Anmeldung auf oesterreichischer-frauenlauf.at. Warten Sie nicht zu lange, die Plätze sind immer bald vergeben.

Training. Jede Frau schafft die 5 km! Dafür sorgt das "Fit in 12 Wochen"-Programm. Wöchentlich treffen sich quer durch Österreich motivierte Frauen mit professionellen Lauftrainerinnen. Es gibt Gruppen für jedes Niveau. Alle Standorte und genauen Termine findest du auf oesterreichischer-frauenlauf.at. Übrigens: Dort gibt es auch umfassende Trainingspläne und jede Menge Tipps für die persönliche Laufpraxis.

#LaufenMitMoni

Redakteurin Moni gibt dir ab sofort praktische Lauftipps, hier Teil 1:

© Video: WOMAN