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Was kostet deine Welt? Eine Office Managerin in einer Rechtsanwaltskanzlei über ihren Kontostand

Arbeiten, zahlen, leben: Wie viel verdient eigentlich eine Office Managerin in einer Rechtsanwaltskanzlei? Und wie viel bleibt am Ende des Monats übrig? Wir haben im Rahmen unserer Serie nachgefragt.

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Was kostet deine Welt? Eine Office Managerin in einer Rechtsanwaltskanzlei über ihren Kontostand
© Miriam Kaiys

"Über Geld spricht man nicht" - das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsl schon wieder geblieben? Wie soll ich die Reparatur des Autos bloß bezahlen? Wie schaffen es andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt diese unnötige Verschwiegenheit ins Sachen Einkommen trägt dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen: Schluss damit, über Geld spricht man! Deshalb fragen wir im Rahmen dieser Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen: Was kostet deine Welt? Wie viel verdienst du? Was bleibt am Monatsende übrig? Im 13. Teil der Serie, haben wir eine Kundendienstmitarbeiterin zum Interview gebeten.

Martina ist 37 Jahre alt, wurde in Niederösterreich geboren, wohnt aber nun seit mehr als 15 Jahren in Wien. Sie arbeitet Vollzeit als Office Managerin bei einem Rechtsanwalt, das heißt sie erledigt Assistenz-Arbeiten, Administratives, sowie die Buchhaltung, Organisatorisches und alles, was in ihrer Kanzlei an Büro-Tätigkeit anfällt. Vor einem knappen Jahr ging eine längere Beziehung in die Brüche. Martina lebt seither alleine in einer Wohnung im 2. Bezirk, genießt ihr Leben und liebt ihre Arbeit. Uns hat sie erzählt, wie viel sie verdient, wie viel ihr übrig bleibt und für welche Dinge sie ihr Geld ausgibt.

WOMAN: Welche Ausbildung hast du?
MARTINA: Nach der AHS-Matura habe ich ein Psychologie-Studium angefangen, habe aber nebenbei immer in mehreren Studentenjobs gearbeitet, unter anderem auch in einem Büro. Das hat mir dann eigentlich so viel Spaß gemacht, sodass ich das Studium abgebrochen und die HAK-Matura nachgemacht habe. Vor vier Jahren habe ich am WIFI noch zusätzlich die Buchhalter-Ausbildung gemacht. In meinem letzten Job hab ich im Controlling und in der Buchhaltung gearbeitet. In der Rechtsanwaltskanzlei bin ich seit Jänner letzten Jahres tätig.

Wie viel verdienst du?
Ich verdiene 3100 Euro brutto und netto sind es 2080 Euro.

Bemerkst du einen Unterschied bezüglich Finanzen, seit du von deinem Freund getrennt bist?
Ja. Als mein Freund noch bei mir gewohnt hat, liefen die Dinge natürlich anders. Am Anfang war es für mich ungewohnt, die Dinge anders zu planen, anders einzukaufen. Am Ende des Monats blieb dann weniger Geld übrig. Dinge wie Streaming-Dienste oder Internetkosten teilt man sich natürlich. Das sind zwar Kleinigkeiten, die dann aber am Ende des Monats viel ausmachen.

Wie hoch sind deine Fixausgaben?
Die belaufen sich auf ca. 1200 Euro insgesamt. Da meine Familie in Niederösterreich lebt und ich sie öfter besuche, ist es ganz praktisch ein Auto zu haben. Die Garage kostet im Monat 70 Euro. Daneben laufen noch Kreditraten auf meine Genossenschaftswohnung. Der beläuft sich auf 230 Euro. Die Mietkosten belaufen sich auf 420 Euro. Strom, Wärme, Handy und Internet kosten mich ca. 120 Euro im Monat. Dann kommt noch die private Krankenversicherung mit 150 Euro und eine Pensionsvorsorge mit 60 Euro dazu. Da ich eine Histamin-Intoleranz habe, brauche ich auch einige Medikamente. Und es ist deshalb wichtig, viel frische und teils auch spezielle Lebensmittel einzukaufen. Das geht natürlich auch ins Geld. Ich versuche aber, mich beim Shoppen etwas zurückzuhalten, kaufe bewusst und greife auch möglichst zu Second-Hand-Teilen.

Hast du eine private Pensionsvorsorge? Wenn ja – Warum und wie viel gibst du dafür monatlich aus?
Ja, schon seit ich Anfang 20 bin. Da zahle ich monatlich 50 bis 60 Euro ein. Das wird automatisch vom Konto abgebucht. Ich bin ein Sicherheitstyp – mir ist es wichtig, dass ich mein Geld gut und sicher anlege. Aktien wären mir zum Beispiel viel zu unsicher. Und man weiß ja nicht, wie das Pensionssystem in 30 Jahren ausschauen wird.

Sparst du Geld, wenn ja wie viel, wie legst du es an?
Ich spare monatlich einen fixen Betrag von 50 Euro, der an den Wohnungs-Kredit gekoppelt ist. Ist der Kredit abbezahlt, steht mir dieser Betrag dann wieder zur Verfügung. Ansonsten übertrage ich am Ende des Monats das Geld, das mir übrig bleibt auf ein Fixgeldkonto. Bei diesem Konto kann man online Beträge vom Girokonto auf das Fixgeldkonto überweisen, hat aber auch Zugriff auf das Geld.

Wie viel bleibt am Monatsende übrig?
Durchschnittlich bleiben mir ca. 200 Euro pro Monat übrig. Von November bis Februar ist es etwas weniger, da im Jänner alle Versicherungen abgebucht werden. Meistens buche ich meine Urlaube dann schon im Winter. Und im November / Dezember geht natürlich auch viel für Geschenke drauf. An manchen Monaten bleibt auch mehr übrig.

Bist du zufrieden mit deinem Gehalt?
Ich bin zufrieden. Natürlich könnt’s immer mehr sein. Aber ich finde es angemessen.

Weißt du, was deine Kolleginnen und Kollegen verdienen?
Ich weiß es natürlich aus den Lohnverrechnungen (lacht). Aber sonst ist es recht unterschiedlich. Mit einem Kollegen gehe ich regelmäßig Mittagessen, weil wir uns gut verstehen. Mit ihm spreche ich offen übers Gehalt. Ansonsten sind solche Gespräche eher kein Thema in der Kanzlei.

Wofür gibst du gern Geld aus?
Also große Laster sind bestimmt die Urlaube und Bücher – die stapeln sich bei mir zu Hause. Ich möchte eigentlich darauf achten, dass ich weniger Bücher kaufe und mir öfter welche leihe. Aber ich werde dann doch schwach. Auch fürs Mittagessen geht ein bisschen Geld drauf. Wir haben keine Kantine und holen uns meistens etwas aus den umliegenden Restaurants. Jeden Tag zehn bis 15 Euro auszugeben, geht ordentlich ins Geld.

Wofür würdest du gern mehr Geld haben?
Da mein Auto schon ziemlich alt ist, würde ich mir schon ein neues wünschen. Da muss ich noch ein bisschen dafür sparen. Allerdings habe ich immer im Hinterkopf, dass ich es eigentlich nicht unbedingt brauche. Deshalb wäre der Kauf eines neuen Autos eine Überwindung für mich. Ansonsten würde ich mir noch ein paar Sachen für die Wohnung anschaffen.

Redest du mit deinem Freundeskreis übers Geld?
Wir sprechen schon häufiger über Ausgaben, aber die wenigstens reden wirklich offen übers Gehalt. Einige sind auch noch jünger als ich und viele studieren noch. Die haben natürlich weniger Geld zur Verfügung.

Was ist dein größter Luxus?
Ab und zu gönne ich mir eine Taxifahrt. Wenn ich fortgehe oder tanzen gehe und den ganzen Abend auf den Füßen war, möchte ich meistens nicht mehr mit der U-Bahn fahren und leiste mir dann ein Taxi.

Würdest du von dir selbst behaupten, dass du gut mit Geld umgehen kannst?
Eigentlich schon. Außer, wenn es mir nicht so gut geht. Da kann es sein, dass ich auch mal richtig shoppen gehe und nicht aufs Geld schaue.

Kannst du dir die Dinge leisten, die du gerne haben möchtest oder musst oft auf was verzichten?
Eigentlich nicht. Ich denke, ich habe ein wirklich gutes Leben. Ich verdiene gut und kann mir die Dinge leisten, die nicht selbstverständlich sind wie z.B. das Auto oder eine private Krankenversicherung.

Und wie wichtig ist dir Arbeit generell? Welchen Stellenwert nimmt sie in deinem Leben ein?
Meine Arbeit ist mir schon sehr wichtig. Ich bin froh, dass ich mich so gut mit meinen Kollegen und mit meinem Chef verstehe.