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Oida, das ist sexistisch! Auf dieser Instagram-Seite teilen Frauen ihre persönlichen Storys

Die Geschichten auf der Instagram-Seite #OIDAitssexism sind traurig, schockierend und machen ganz schön wütend. Denn da teilen Frauen ihre persönlichen Erfahrungen mit Sexismus im Alltag.

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oida its sexism
© iStock

"'Ich hab die perfekte Strategie zum Verkauf des Katalogs: Du posierst einfach in einem kurzen Minirock und präsentierst so die Produkte! Also ich würde dann auf jeden Fall den Katalog bestellen.' Ich war total perplex von der Aussage, sodass ich nur ein leises Lachen von mir geben konnte..."

"Als er die Creme in der Hand hält, sagt er: "Typisch Frau, typisch Frau! Immer gleich mal sagen, des hamma net, typisch Frau!'..."

"In einem Dienst hat er sich in einer Pause neben mich auf die Bank gesetzt und plötzlich seinen Kopf in meinen Schoß gelegt. Einfach so. Ich war dermaßen perplex, dass ich erst reagiert habe und aufgesprungen bin als ich gemerkt habe, dass er sein Gesicht in Richtung meines Schrittes drehen will..."

Diese drei Zitate stammen von Frauen, die im Alltag mit Sexismus in Berührung gekommen sind. In voller Länge liest man die Berichte auf der Instagram-Seite OIDAitssexism. Fünfmal die Woche posten die Freundinnen Miriam Steiner und Valerie Ott dort die anonymen Geschichten. Ihre Seite haben sie erst im August 2019 gegründet, aber schon über 200 Berichte erhalten. Laut eigener Einschätzung kommt jeden Tag eine neue Story in ihrem Postfach an.

"Es ist uns wichtig, dass jede Geschichte gehört wird und die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient. Jedes Erlebnis, dass uns geschickt wird, wird gepostet, außer es enthält rassistische, homophobe oder in sonstiger Weise diskriminierende Inhalte.", so Ott & Steiner auf Nachfrage von WOMAN. Die Reaktionen der UserInnen seien dabei durchwegs positiv, nur vereinzelt tauchen negative Kommentare auf.

Wie sie auf die Idee gekommen sind, #OIDAitssexism ins Leben zu rufen? "Wir haben angefangen, uns die unangenehmen Situationen, in die wir oft gebracht wurden, zu erzählen, um zu überlegen, wie wir in Zukunft reagieren könnten. Letztes Jahr war es dann ganz einfach eine sexistische Aussage zu viel - so sind wir auf die Idee gekommen, unsere Geschichten öffentlich zu machen und Bewusstsein für Sexismus zu schaffen.", berichten die Freundinnen. Mit ihren Postings wollen sie ihr Umfeld für sexistische Handlungen sensibilisieren. Und das klappt soweit auch gut: "Viele Menschen schreiben uns, dass sie nach dem Entdecken unserer Seite mehr auf Sexismus in ihrem Umfeld achten."

Sexismus ist die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Damit sind dann auch vermeintlich "lustige Sprüche" gemeint, die sexuell konnotiert sind. Zum Beispiel wenn ein Kollege sagt: "Es ist so schön dir zuzusehen wie du die Banane genießt. Ich glaub du hast das drauf, mit den Bananen. Nicht?" oder wenn der Chef in die Gruppe ruft: "Wenn du mir schwanger wirst, erschieße ich dich!".

Und was alle Frauen – auch die Gründerinnen der Seite – gemeinsam haben, ist die Scham, dass man in dem unangenehmen Moment keine passende Erwiderung parat hatte. In den Worten der Frauen klingt das dann so: "Ich wusste überhaupt nicht, was ich tun oder sagen sollte, ich war völlig geschockt." und "Ich war so perplex, dass ich nichts gesagt habe. Bis zum heutigen Tag bereue ich, dass ich das Thema nicht angesprochen habe." und "Ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte, lächelte nur verlegen und verließ den Raum."

Warum sich die Frauen nicht wehren? Laut ihren Berichten hat das viele Gründe. Einige fürchten vor einer gewalttätigen Reaktion des Mannes. Andere trauen sich nicht, in einer Gruppe laut zu werden – zumal auf die vermeintlich "lustigen" Sprüche fast immer ein Lachen der Gruppe folgt. Wieder andere befinden sich in einer unterlegenen Machtposition. Manche erstarren einfach und hoffen, dass die Situation so schnell wie möglich vorbei ist.

»An alle Frauen: Wenn wir sexistisch behandelt werden, ist es unser Recht uns zu wehren und dagegen aufzustehen - auf keinen Fall ist es unsere Aufgabe, zu lächeln, um nicht als ‘hysterisch’ zu gelten.«

Deshalb wollen Ott & Steiner den Betroffenen Folgendes auf den Weg mitgeben: "Bei vielen Geschichten schreiben die betroffenen Personen, dass sie wütend auf sich selbst sind, da sie nicht richtig reagiert haben - hier wollen wir ganz klar machen: Es ist nicht deine Schuld! Die Schuld liegt immer bei den Menschen, die die sexistischen Aussagen oder Übergriffe tätigen. Als Frau in unserer Gesellschaft wurden wir darauf sozialisiert, uns für das Verhalten anderer verantwortlich zu fühlen und unangenehme Situationen wegzulächeln."