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One-Night-Stand

Spontaner Sex macht meistens Spaß. Der Morgen danach oft weniger. Wir fragten Experten, wie sie den One-Night-Stand sehen.


One-Night-Stand

Die Situation ist typisch: eine wilde Party, antörnende Musik und ein Weinglas, das sich wie von selbst nachzufüllen scheint. Und der Typ da hinten! Richtig süß! Man sollte sich vielleicht noch ein bisschen mehr in den Blickpunkt rücken … Wenig später liegt man einander schon in den Armen. Heiße Küsse, Leidenschaft pur.

"Zu dir oder zu mir?“, ist die Frage fast nur mehr Formsache. "Zu mir“, wird nun die eine antworten, weil sie sich in ihrer Wohnung noch immer sicherer fühlt als in einer fremden. "Zu dir“, wird es eine andere bevorzugen, weil sie sich dann wieder "verziehen“ kann, wann sie will.

Wie auch immer: Aufwachen wird man neben einem Fremden. Und die Ernüchterung kann heavy sein. Schlecht im Magen, weh im Kopf und eine peinliche Fremdheit von einem Polster zum anderen.

One-Night-Stand: Nach dem Sex-Rausch

"Nach dem Rausch kommt die Sex-Flaute “, kommentiert es der klinische Psychologe und Sexualwissenschaftler DDr. Karl F. Stifter, "und jetzt weiß man nicht, was man miteinander anfangen soll. Verliebt ist man nicht, und Kuscheln bietet sich nicht wirklich an, wenn man nicht einmal den Namen des anderen weiß.“

Bevor man schnell in die verrauchten Klamotten springt, tauscht man vielleicht noch höflicherweise E-Mail-Adressen aus, verflucht das Tageslicht und sich selbst. "Das hast wieder nötig gehabt.“ Aber vielleicht war es ja auch total geil und den Kater allemal wert.

"Denn“, so Paartherapeutin Brigitte Moshammer-Peter, "die Zeiten, da rascher und unverbindlicher Sex nur Männern vorbehalten war, sind glücklicherweise vorbei. Immer mehr Frauen stehen zu ihrer Lust, und nicht alle Männer sind Machos.“ Wie ein One-Night-Stand letztlich ausgeht, ist allerdings immer ein Vabanque-Spiel.

Und doch gilt die Frau als "Schlampe"

Frauen stecken, da hat sich bis heute nicht viel geändert, die kurzen Seitensprünge mehrheitlich schlechter weg als Männer.

"Frauen sind doch personenbezogener“, erklärt es Karl F. Stifter, "während Männer sich rein an körperlichen Signalen orientieren können. Siehe Pornografie!“ Sex-Action ganz ohne Gefühl stößt vielen Liebhaberinnen bei Tagesanbruch sauer auf. Häufig kommen Scham und schlechtes Gewissen dazu. Was könnten die Nachbarn sagen, die Kollegen oder die eigene Mutter?

Gesellschaftlich gesehen gilt eine Frau, die öfters unverbindlichen Sex hat, noch immer als Schlampe, der Mann, der möglichst viele Partnerinnen in sein Bett bekommt, als Frauenheld. "Während Männer sich über ihre sexuelle Potenz definieren, gilt bei Frauen auch im 21. Jahrhundert noch immer Zurückhaltung als erstrebenswert“, so Moshammer-Peter.

Ein Erklärungsversuch geht zurück bis in die Steinzeit: Seit jeher wollten Männer das Sexualverhalten der Frauen kontrollieren, um ja nicht Gefahr zu laufen, das Kind eines anderen, sprich: ein Kuckucksei, ins Nest gelegt zu bekommen.

Pfeifen auf Konventionen

Doch wenn es frau gelingt, auf Konventionen und Nachbarn zu pfeifen, hält die Welt der Einmalaffären auch unvergessliche Abenteuer bereit. "Unverbindlicher Sex bietet die Chance, immer wieder etwas Neues auszuprobieren, das man sonst vielleicht nicht wagen würde“, weiß "Sexpertin“ Moshammer-Peter, "sexuelle Wünsche zu formulieren ist für viele in fixen Beziehungen aus Angst vor Zurückweisung und Peinlichkeit schwierig.“ Und auch DDr. Stifter mag die heißen Luststunden keineswegs verdammen: "Wer träumt nicht davon, Leidenschaft und Faszination, die sonst oft nur mehr am Flachbildschirm beobachtet werden, selbst einmal auszuleben?“

Vorsicht vor Stalking

"Man sollte, um einen One- Night-Stand nicht bereuen zu müssen, gewisse Regeln einhalten“, stellt die Therapeutin Moshammer-Peter klar, "Ich rate davon ab, ihn in die eigene Wohnung mitzunehmen. So ist es einfach, den Zeitpunkt des Gehens selbst zu wählen, und man muss nicht fürchten, später mit ungebetenem Besuch rechnen zu müssen!“

Auch mit der Weitergabe der Handynummer sollte man sparsam umgehen, damit der Mann für eine Nacht nicht viele Tage und Nächte Telefonterror ausüben kann.

Weitere Grundregel: Man muss jederzeit aufhören können, wenn es keinen Spaß mehr macht. "Lassen Sie Zweifel und Vernunft zumindest zu Wort kommen“, rät Karl Stifter, "und denken Sie an Konsequenzen!“ Besser ist, sich einen Lover auszuwählen, den irgendjemand in der Freundesrunde oder im Stammlokal kennt.

Von einem gänzlich Fremden lieber die Finger lassen oder zumindest der besten Freundin sagen, was man vorhat und wo genau man hinfährt. Wenn er seine Adresse nicht rausrücken will, dann sollten ohnehin die Alarmglocken läuten. Und: Niemals irgendwohin in die Pampa mitfahren!

Sex aus Rache bringt wenig

Weitere Sex-Regeln :

• Niemals ohne Kondom agieren! Der Preis, sich mit einer Krankheit anzustecken, wäre wahrlich zu hoch.

• Wenn Sie schon ziemlich beschwipst sind, hören Sie auf Ihre guten Freunde, und gehen Sie nachhause. Allein. Sie würden vom Sex sowieso nicht mehr viel mitkriegen, und das Erwachen wäre umso böser.

• Schlafen Sie nicht mit jemandem, nur um sich an Ihrem untreuen Freund zu rächen. Sie werden keinen wirklichen Spaß am Seitensprung und seiner Bedeutung für die Beziehung haben. Sonst müssen Sie hernach ihre Liebe retten.

• Lassen Sie sich nicht mit jemandem ein, dem Sie danach nicht über den Weg laufen wollen - es aber nicht vermeiden können. Das kann peinlich werden.

• Lassen Sie auch die Finger von Männern, die nachweislich vergeben sind. Das führt nur zu Komplikationen.

• Und: Wenn Sie sich auch noch so schnell verabschieden, lassen Sie nichts liegen. Außer Sie wollen den Lover wiedersehen. In Ausnahmefällen soll sich ja auch schon aus einem One-Night-Stand die große Liebe entwickelt haben …

Es kann nämlich auch sein, dass es gar kein Flop war. Dass man sich bei einem gemeinsamen Frühstück noch nett unterhalten kann. Man hat’s ja immerhin schön gehabt miteinander. Egal, ob nur für kurze Zeit. Und wenn er halbwegs witzig ist und auch tageslichttauglich, dann spricht ja nichts dagegen, dass man die Frage stellt: "Wie war noch gleich dein Name?“

Redaktion: Miriam Berger/Kathi Domiter

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