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Opernball-Chefin Desirée Treichl-Stürgkh im WOMAN-Interview: "Lächeln ist mein Schutz!"

Die Opernball-Chefin tritt leiser. Ein Burnout und ihr Mann haben sie gelassener gemacht. In WOMAN spricht sie ganz cool über Seitensprünge, Stinkefinger, ihre drei Söhne und einen Schwips.


Opernball-Chefin Desirée Treichl-Stürgkh im WOMAN-Interview: "Lächeln ist mein Schutz!"
© Christian Maricic

Wir staunen nicht schlecht, als Desirée Treichl-Stürgkh, 46, vor uns ganz lässig im Denim-Look posiert (siehe S. 58 in WOMAN 04/2011). Wie sie sich darin fühlte – öffentlich trägt sie ja immer adrette Kostüme? „Gut, normal! Privat laufe ich am liebsten in Jeans herum. Doch als Opernball-Lady muss ich repräsentieren. Das erfordert festliche Kleidung. Wenn ich in diese Rolle schlüpfe, ist auch meine Haltung prompt eine andere. Dann bin ich ‚die gut erzogene Tochter‘ – ein Bild, das mir meine ungarische Omama auch stets eintrichterte. Sie meinte: Nie ohne Ohrclips aus dem Haus gehen, du könntest dem Präsidenten begegnen“, erzählt die Verlegerin, dreifache Mutter und Ehefrau von Erste-Group-CEO Andreas Treichl. Uns zeigte die Grafentochter, die mit 14 Vollwaise war, noch mehr von ihrer ganz privaten Seite...

WOMAN Ich beobachte bei vielen Promis, die sich um Noblesse bemühen, dass ihre Bewegungen nicht natürlich fließen. Gestik und Mimik wirken oft verkrampft, gekünstelt...

Treichl: Ich weiß genau, was Sie meinen. Das passiert, wenn man sich beobachtet fühlt. Man ist nervös, gehemmt und versucht, Dinge in Zaum zu halten, die nicht so gut ankommen. Aber was hilft, auch wenn man sich nicht wohl fühlt, ist Lächeln! Dann nehmen einem die anderen einen Fauxpas nicht so übel. Das ist ein guter Schutz. Aber man kann auf keinen Fall ein Leben lang eine Maske aufsetzen. Wie unglücklich muss ein Mensch sein, der das versucht und nur in den eigenen vier Wänden so ist, wie er ist...

WOMAN Was würde man vorfinden, wenn Ihre Fassade bröckelt?

Treichl: Da bröckelt nichts. Wenn, dann findet man eine, so hoffe ich, weltoffene Mittvierzigerin vor.

WOMAN Man sollte sich nur nicht auf Gedeih und Verderb formen lassen! Gegen sein inneres Wesen zu arbeiten ist oft die Ursache für Krebs oder Depressionen.

Treichl: Da haben Sie wohl Recht! Meine Mutter hat die Dinge finanzieller Natur, die meinem Vater passiert sind, immer geschluckt. Sie bekam leider Brustkrebs. Ich bin zum Glück anders, lasse alles raus. Emotionen zeigen ist wichtig!

WOMAN Kennen Sie Stimmungstiefs und Lustlosigkeit?

Treichl: Ja. Im Vorjahr hatte ich ein Mini-Burnout, war vollkommen ausgepowert. Ich fühlte mich, als hätte man jede Energie aus mir rausgesaugt. Meine Kräfte waren am Schwinden, meine Beine, meine Arme, meine Zunge schwer wie Blei. Mein Körper schrie: Bis hierher und nicht weiter! Ich musste mich zu jeder Sache zwingen. Dieser Zustand der totalen Erschöpfung war schrecklich, weil es mir den Boden unter den Füßen wegriss! Deshalb habe ich mich nach dem Opernball für Wochen zurückgezogen, eine Metabolic-Balance- Kur gemacht, mich ganz auf mich konzentriert und mir geschworen: So weit lasse ich es nie mehr kommen.

WOMAN: Schaffen Sie das? Der Stress wird ja nicht weniger!

Treichl: Das stimmt. Die Tage vor dem Ball sind ein Hürdenlauf: Ich bin angespannt, höchst nervös! Jetzt bin ich im vierten Jahr, also etwas routinierter. Ob es besser wird? Ich denk dann immer an die Worte meines Mannes.

WOMAN: Was rät er?

Treichl: Ich soll mich und diese Dinge nicht so wichtig nehmen. Er sagt: „Beschäftige dich nicht mit dem oberflächlichen Schein und Äußerlichkeiten, sondern sei zufrieden!“ Andreas gibt mir damit eine totale emotionale Sicherheit. Das hilft enorm, wenn meine Nerven flattern.

WOMAN: Haben Sie sich in Ihrer Kindheit und Jugend Grenzüberschreitungen geleistet, für die Sie getadelt wurden?

Treichl: Na klar! Meine vier Geschwister und ich haben aus Blindschleichen Zöpfe geflochten, kletterten in die Jauchegrube und kamen immer ganz gut duftend nachhause. Wir radelten immer johlend und viel zu schnell durch die Arkaden. Dann fuhr uns meine strenge ungarische Omama mit ihrem Stock durch die Speichen, und wir machten solche Saltos! Oder wir saßen am Kirschbaum und bewarfen die Passanten mit Kernen. Aber das Beste ist folgende Anekdote: Im Schlosspark gab es grün-gelbe keksartige Bällchen, die wir mit Genuss verspeisten. Bis uns unsere Mutter erwischte und uns besorgt zum Hausarzt zerrte, denn wir hatten eingetrocknete Truthahngacke gegessen (lacht) ! Wir haben aber alle ohne Schaden überlebt! Da es viel Kalzium enthält, ist es sogar gut für die Knochen (zerkugelt sich) !

WOMAN: Was tun Sie, wenn Ihnen Ihre Jungs auf den Nerven herumtanzen?

Treichl: Dann brülle ich sie an! Dann ist die ganze Frühstücksatmosphäre im Eimer, weil ich die drei mit meinen Maßregelungen niederkepple. Aber ich will einfach, dass sie aufstehen und „Grüß Gott“ sagen, wenn jemand, zum Beispiel der Opa, den Raum betritt. Und manchmal deute ich auch einen Fußtritt an (schmunzelt) ! Aber mit drei Buben geht das nicht anders! Wenn ich tobe, fange ich oft mittendrin an zu lachen, und sie lachen mit. Mit Tennisstunden, Pilates und ein paar Minuten in unserem Dampfbad kann ich mich abreagieren.

WOMAN: Wie „wild“ sind Sie wirklich? Machen wir einen Test: Haben Sie z. B. oft die Beine am Tisch?

Treichl: Im Büro ist zu wenig Platz, zuhause hie und da.

WOMAN: Fluchen Sie beim Autofahren, zeigen den Stinkefinger?

Treichl: Den Stinkefinger zeige ich nicht mehr, seit ich den Opernball organisiere. Da hätte ich Angst, dass das wer sieht. Aber ich schimpfe im Auto: „Trottel! Trampel! Blöder A...“

WOMAN: Wann waren Sie das letzte Mal beschwipst?

Treichl: Am Philharmonikerball (lacht) .

WOMAN: War das geplant?

Treichl (lacht) : Nein, das ist passiert.

WOMAN: Tun Sie sich schwer, die Kontrolle aufzugeben?

Treichl: Ja! Ich bin Johnny Kontrolleti. So nenne ich mich selbst. Aber ich habe gelernt, dass es zeitintensiv und anstrengend ist, alles kontrollieren zu wollen. Schöner ist es, die Dinge laufen zu lassen.

WOMAN: Wann lassen Sie sich fallen?

Treichl: Zuhause in mein Bett, auf unserem Landsitz in Leogang, wenn wir’s schaffen, in Urlaub zu fahren. Mit engen Freunden bei einem Glas Wein. Auch jetzt fühle ich mich entspannt.

WOMAN: Lümmeln Sie im Schlabberlook am Sofa herum?

Treichl: Ja, spätnachts in Pyjamahosen und dicken Socken. Aber nur, wenn mein Mann nicht da ist. Ich würde ihn nie so empfangen. Das hat er nicht verdient.

WOMAN: Aber dann sind Sie ja nicht mal bei Ihrem Mann echt!

Treichl: O ja, aber Jogginghosen machen einen dicken Popo. Deshalb ziehe ich die nie an (lacht) .

WOMAN: Wenn Ihre Gefühlswelt ein Klavier wäre: Auf welchen Tasten klimpern Sie gern herum?

Treichl: Ich mag Molltöne, trage eine gewisse Melancholie in mir. Das kommt daher, dass ich früh mein Zuhause verloren habe. Deshalb halte ich auch so an konservativen Werten fest. In meinem Freundeskreis bin ich die Bodenständigste. Eine von wenigen, die gerne verheiratet sind.

WOMAN: Haben Sie Angst, dass Ihre Ehe einmal scheitern könnte?

Treichl: Was für eine Frage! Darüber habe ich noch nie nachgedacht! Eine Ehe ist immer ein beidseitiger Verzicht, ein ständiges Bemühen und Arbeiten. Irgendwann kommt der Alltagstrott. Als unsere Kinder kamen, war mein Herz plötzlich geteilt, denn zum großen Teil bin ich in Gedanken immer bei ihnen. Wichtig ist, den Partner nicht aus dem Fokus zu verlieren. Zuhören und zuhören...

WOMAN: Würden Sie einen Seitensprung beichten?

Treichl: Nein. Würde mir das passieren, wäre meine Ehe schon am Ende. Ich verliebe mich immer wieder in meinen Mann. Vielleicht weil wir aus Jobgründen nicht so viel Zeit miteinander haben. So ist immer Sehnsucht da. Wenn ich im Lift sein Aftershave rieche und weiß, er ist schon da, gibt’s dieses Kribbeln im Bauch...

MEHR über die Opernball-Chefin erfahren Sie in WOMAN 04/2011!

Interview: Petra Klikovits