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Orgasmus: Come as you are

Was macht dich heiß, was törnt dich an? Wenn du weißt, was dich erregt (und deinen Partner), dann steigen deine Chancen auf Sex mit Orgasmus-Garantie.

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Orgasmus: Come as you are

Wenn du dein Erregungspotential kennst, kannst du leichter kommen

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Alles sexy, alles möglich. Meine Damen, unsere Herren, war der Sex jemals besser? Alles ist möglich, nix ist tabu. Sado-Maso, seit Shades of Grey gesellschaftsfähig. Porno: jederzeit verfügbar, gratis, in allen Varianten. Die Buchhandlungen sind voll mit Erotik-Novels, die Werbung wird von Nackerten beherrscht, Tinder erlaubt ein schnelles Hoppeldipoppel per Wisch, dann weg.

So funkycrazysuper! Und trotzdem sind die meisten Frauen unzufrieden mit ihrem Sex-Leben. Wie kann das sein? Die Erklärung liegt auf der Hand: das alles verunsichert uns zutief. Nach wie vor keinen multiplen Orgasmus erlebt? Das Kamasutra nicht rauf- und runtergeturnt? Noch nicht als Bondage-Paket von der Decke gebaumelt?

Einfach nur "normal" – ist das das neue "frigide"?

Die permanente Sexualisierung setzt uns unter Dauerdruck. Einfach nur normal, das ist fast schon das neue frigide. Wissen wir eigentlich noch, was uns wirklich erregt? Was uns antörnt? Was uns zum Orgasmus bringt?

Jede Frau kann guten Sex haben, meint die Sexualforscherin Emily Nagoski in ihrem Buch "Komm wie du willst - das neue Frauen-Sexbuch" . Vorausgesetzt, sie kennt ihren Körper und weiß, was sie braucht, um sich sexuell wohlzufühlen.

Das, so Nagosaki, lasse sich bereits anhand einer Zahnbürste feststellen. Die entscheidet für die Mehrheit der Frauen, ob sie sexuell erregt wird oder nicht. Wenn ihr jetzt meint, es handle sich um die Umfunktionierung des Bürstels in ein Sex-Toy: Falsch gedacht! Es geht um die Zahnbürste als Hygieneprodukt ihres Partners. Und um ihren Einsatz VOR dem Sex.

Denn auf der Liste der Erregungskiller steht Mundgeruch ganz oben. Genau wie Körpergeruch und dreckige Hände.

Es gibt (wenige) Menschen, deren sexuelles Temperament schlechten Geruch oder ungepflegtes Äußeres locker toleriert – sie haben stark ausgeprägte Erregungstreiber (einen hohen SES-Wert = Sexual Excitation­System). Die Mehrzahl der Menschen hat jedoch stark wirkende Erregungsbremsen (einen hohen SIS-Wert = Sexual Inhibitation-System).

Hast du ein hohes oder niedriges Erregungspotential?

Was also tun, wenn der SES besonders hoch ist? Ab in den Swinger-Club? Und wenn der SIS hoch ist: Einweisung ins Kloster? Quatsch, sagt Nagoski. Es kommt in unserem Sexleben einfach immer wieder mal vor, dass wir auf jemanden treffen, der in der Erotik auf dem Gas steht, während der andere auf die Bremse tritt. Die gute Nachricht: das ist völlig normal und deshalb kein Grund, gefrustet zu sein und dem Sex gänzlich abzuschwören. Die Botschaft der Sexualforscherin: Komm doch, wie du bist!

Selbst wenn dein Partner ein anderes sexuelles Temperament hat: finde in erster Linie heraus, was dir gefällt. Magst du es langsam, zärtlich? Brauchst du eine Aufwärmphase? Macht es dich an, wenn dein Partner dir den Rücken und Po massiert – oder würdest du ihm gerne wild das T-Shirt vom Leib reißen? Schau, was an der Normalität des einen mit der Normalität des anderen korrespondiert – und wo es zu Kollisionen kommt.

Wenn dich etwa die Schweißfüße deines Liebsten oder das grelle Licht im Schlafzimmer daran hindern, sexuell auf Touren zu kommen, dann sag es ihm freundlich. Wenn du dich als Mann unter Druck setzt, weil du Angst hast, vor deiner Freundin zum Höhepunkt zu kommen und sie deshalb nicht zu befriedigen, dann teil ihr diese Sorgen bitte auch mit.

Wann hattest du wirklich fantastischen Sex?

Man ist kein sexueller Loser, wenn man nicht zum Höhepunkt gelangt weil die Füße kalt sind. Oder das Handy in den Akt hineinbimmelt. Es ist kein Versagen, wenn man nicht immer Lust hat und man ist kein Perversling, weil man am liebsten jede Stunde würde. Man darf gebremst oder getrieben oder irgendwo mittendrin sein. Entscheidend ist, die sexy Kontexte zu finden, in denen du deine Erregung ausleben kannst. Emily Nagoski: "Denk nach, wann du wirklich fantastischen Sex hattest. Erinner dich an das Setting, die Details. Sexy Kontexte können Worte, Blicke, Licht, Orte, Berührungen, Lachen, Geborgenheit, Wildheit sein.“

Männer, so die Sexualforscherin, tun sich wesentlich leichter mit sexuellen Kontexten. Sie blenden Störendes nämlich leichter aus. Weichender Haaransatz, Bäuchlein, ungeduscht? Wo ist das Problem, wenn ich sexuell erregt bin? So der Homo Masculinus. Wir Frauen dagegen sabotieren unsere Erregung mit Selbstzweifeln, weil wir den sexuellen Kontext durch das Hadern mit unseren Schwabbelschenkeln oder unrasierten Beinen zerstören.

"Überlegt euch," so die Forscherin, "wann der Partner wirklich zurück gezuckt ist, weil ihr Stoppeln an den Waden hattet. Und sollte er tatsächlich mal mittendrin abbrechen, dann fragt ihn, woran es liegt." Denn Offenheit hilft sexuelle Ängste zu überwinden.

Thema: Sex & Erotik