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Orgasmus-Lücke? Warum Frauen seltener kommen als Männer

Es gibt den "Gender Pay Gap" – also die Lohnlücke, die nach wie vor zwischen Mann und Frau klafft. Aber es gibt noch einen Gap: die Orgasmuslücke. Sie kommen öfter, sie kommen meistens schneller. Aber woran liegt es, dass Männer im Gegensatz zu uns Frauen wesentlich leichter einen Orgasmus haben?

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Orgasmus-Lücke? Warum Frauen seltener kommen als Männer
© iStock

In Filmen fallen Paare übereinander her und innerhalb weniger Sekunden kommen beide zu einem leidenschaftlichen Höhepunkt. In der Realität schaut das - wie wir fast alle wissen - ein bisserl anders aus. Denn da kommt meist nur einer. Der Mann. Für Frauen gilt oftmals das olympische Motto: Dabeisein ist alles. Aber damit wollen wir uns nicht zufriedengeben.

Männer kommen leichter zum Orgasmus. Heterosexuelle Männer, homosexuelle Männer, bisexuelle Männer. Alle Männer. Ein Bericht des "Archive of Sexual Behavior" stellt fest: 95 % der Männer gaben an, dass sie beim Sex immer zum Höhepunkt gelangen. Bei den Frauen waren es nicht einmal 60 %. Warum ist das so?

Nicht nur weniger Gehalt, auch weniger Höhepunkte: die Orgasmus-Lücke

Die sogenannte Orgasmus-Lücke, also die Tatsache, dass Frauen seltener Höhepunkte erleben als Männer, ist zwar ein trauriger Fakt, allerdings vorrangig in Mann-Frau-Beziehungen. Bei der Selbstbefriedigung oder bei lesbischen Paaren ist der Orgasmus jedoch weitaus häufiger zu Gast unter den Laken. Aber wir wollen jetzt nicht nur die Schuld bei den Männern suchen... ;-)

Zunächst ein paar Zahlen und Fakten: Mittels einer aktuellen Orgasmus-Umfrage des Sextoy-Herstellers LELO mit mehr als 1.300 Personen will man besser verstehen, was Menschen in Ekstase bringt und die Orgasmus-Lücke zwischen Frauen und Männern schließen. Um dieses Ziel zu erreichen, besteht der erste Schritt darin, die Unterschiede in unseren physiologischen und sexuellen Gewohnheiten zu verstehen.

Es überrascht dabei auch nicht, dass der Fragebogen von über 75 % Frauen und weniger als 25 % Männern ausgefüllt wurde. Darunter dominieren die englischsprachigen Länder (USA, Kanada, Großbritannien und Australien), aber es kam ebenso Feedback aus Finnland, Usbekistan, Georgien oder Kenia. Das beweist: Orgasmen und Masturbation sind eine natürliche (und gesunde) Anlage der menschlichen Spezies, unabhängig davon, woher man kommt.

Wie kommen Menschen zum Orgasmus?

Bei der Frage nach ihren ersten Orgasmen, gaben 80 % der Teilnehmenden an, ihn durch Masturbation und knapp 20 % durch Sex mit dem Partner oder der Partnerin erlebt zu haben. Bei der Masturbation nimmt die Stimulation der Klitoris den größten Teil des weiblichen Orgasmus-Kuchens ein (45 %), an zweiter Stelle steht die kombinierte Stimulation durch Klitoris und vaginale oder anale Stimulation (27 %).

Das bedeutet, dass 60% der Menschen mithilfe irgendeiner Form der klitoralen Stimulation masturbieren. Leider konzentrieren sich die gegenwärtigen sexuellen Artikel und Reportagen fast nur auf den Geschlechtsverkehr, die penetrative Stimulation. Wir müssen daher beginnen, über Lust in einem ganzheitlicheren Sinne zu sprechen.

Masturbation: Ja, bitte! Spaß, Übung und besseres Kennenlernen des eigenen Körpers

Und wenn unsere Partner (aus Hetero-Frauensicht) nicht bereit sind, erfahrener und weniger egoistisch zu werden, ist es an der Zeit, das Vergnügen selbst in die Hand zu nehmen. Sexuelles Wohlbefinden ist Teil unserer allgemeinen Gesundheit und Sex, Masturbation und Orgasmen bringen zahlreiche gesundheitliche Vorteile mit sich - physisch, als auch psychisch. Es ist der ultimative Akt der Selbstliebe.

Aber wenn es doch auch zu zweit klappen soll?

Wer hat schon einmal das Zitat gehört: „Bittet und ihr werdet gehört“? Aber wenn es darum geht, sexuelle Vorlieben mit dem Partner zu diskutieren, haben dies 15 % der Befragten noch nie gemacht. Das liegt vor allem daran, dass es ihnen peinlich ist oder dass ihre Partner für diese Art von Gesprächen nicht offen sind. Kommunikation sollte jedoch als ein Instrument für besseren Sex genutzt werden, wobei man diese Gespräche besser außerhalb des Schlafzimmers beginnt, um nicht im Eifer des Gefechts unter Druck zu geraten. Wichtig ist, die gleiche Sprache der Liebe zu sprechen, in Erinnerungen an den tollen Sex zu schwelgen, den man zusammen hatte und das Gespräch als völlig normalen Teil der romantischen Beziehung, der Friends-with-benefits-Beziehung oder welcher Art auch immer zu sehen.

Wer hat den Orgasmus schon einmal vorgetäuscht?

Man mag es glauben oder nicht (es ist wahr - wir haben die Daten), 67 % der Befragten haben schon einmal einen Orgasmus vorgetäuscht. Von diesen geben 27 % an, ihn "fast nie" vorgetäuscht zu haben, 26 % "manchmal". Das Vortäuschen von Orgasmen schadet jedoch jeder langfristigen Beziehung. Denn damit ermutigt man den oder die Andere so wie immer weiterzumachen. Wenn er oder sie jedoch etwas ändern würde, könnte dies das Erlebnis für beide verbessern und bereichern.

Es gibt drei wesentliche Gründe, warum wir Orgasmen vortäuschen:

  1. Wir wollen, dass sich unser Gegenüber erfolgreich fühlt.
  2. Wir wollen es beenden, weil wir müde oder gelangweilt sind.
  3. Wir wollen nicht, dass sich unser Gegenüber schlecht fühlt, weil wir ihn oder sie ja mögen.

Der Grund dafür, warum wir den Orgasmus vortäuschen, ist also wieder einmal mangelnde Kommunikation.

Ein weiteres interessantes Studien-Ergebnis ist, dass Frauen, die sich bei der Verwendung des Wortes "Klitoris" wohler fühlten, auch insgesamt eine höhere sexuelle Zufriedenheit hatten. Also, sagen wir es jetzt alle zusammen - KLITORIS, KLITORIS, KLITORIS. Und? Es wird schon besser, oder?

Wer hat zugegeben, den Orgasmus vorgetäuscht zu haben?

Bei der Frage, ob man dem oder der Anderen gesteht, einen Orgasmus vorgetäuscht zu haben, kreuzten nur 25 % „Ja“ an. Bei FreundInnen sieht es jedoch anders aus. 67 % von uns erzählen ihnen von vorgetäuschten Orgasmen. Die Moral der Geschichte ist, dass man mit jenen eng und vertraut bleiben sollte, aber auch mit dem Partner oder der Partnerin über eigene sexuelle Vorlieben sprechen sollte.

Die Mehrheit der Teilnehmenden (60 %) gab außerdem zu, sich unter Druck gesetzt zu fühlen, schnell zum Höhepunkt zu kommen, wenn die Aufmerksamkeit ihres Gegenübers ausschließlich auf dessen eigenes Vergnügen gerichtet war. So sehr wir auch dazu ermutigen, dem oder der Anderen zu zeigen, was einem gefällt, es geht nicht nur um das eigene Vergnügen. Geben und Nehmen ist der Leitgedanke! Zu wissen, was einander gefällt, bedeutet besseren Sex und mehr Orgasmen für beide.

Weitere Gründe, warum Männer leichter zum Orgasmus kommen als Frauen

Was Frauen zum Orgasmus bringt – und warum es manchmal so schwer fällt, ihn zu erreichen – das beschäftigt jeden Monat unzählige Zeitschriften und Online-Artikel, die vor allem eines versprechen: den einen ULTIMATIVEN WEG zu sexueller Erfüllung.

Nur leider ist das so simpel nicht. Den wie oben bereits ausgeführt, gibt ja nicht nur den einen Grund, warum Frauen seltener zum Höhepunkt gelangen als Männer. David Frederick, Psychologieprofessor an der Chapman University, erklärte dem Nachrichtensender CNN weitere mögliche Verhinderer:

  • UNSER SCHLECHTES KÖRPERBILD. Verdammt! Aber es stimmt. Wir Frauen sind derart kritisch mit unserem Körper, dass es uns manchmal schwer fällt, uns fallen zu lassen und einfach nur zu genießen. Stattdessen drehen wir uns so, dass man den Bauch oder die Dellen an den Beinen nicht sieht. Das hemmt. Und kann der eigenen Lust im Weg stehen.
  • SOZIALE STIGMATISIERUNG. Weibliche Lust ist nach wie vor ein Thema, über das selten gesprochen wird – vor allem in Beziehungen, wo oft ein Ungleichgewicht auftritt. Laut Frederick ist es in Beziehungen oft so, dass einer mehr Lust hat als der andere. Während Männer selten zuliebe ihrer Frau ihre Unlust überwinden, lassen sich Frauen öfter breitschlagen, Sex zu haben, obwohl sie zu müde oder zu gestresst dafür sind. Dadurch aber wird es schwerer für sie, zum Höhepunkt zu gelangen.
  • DIE ANATOMIE. Wenn der Abstand zwischen der Klitoris und der Harnöffnung weniger als zwei Zentimeter beträgt, so erklärt Elisabeth Llyod, Biologie-Professorin an der Universität von Indiana, dann erreicht sie leichter den Höhepunkt. Tscha. Wir haben noch nie gemessen...

Während wir unsere Anatomie nun nicht ändern können, so gibt es bei dieser Erklärung aber doch etwas Positives: Die anderen Punkte können wir ändern.

Thema: Sex & Erotik