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1.000 Origami aus Graz für Indien

Julia reiste ein Jahr lang quer durch Indien. Und verteilte dabei 1.000 selbst gefaltete Origami. Die Geschichte über ihr außergewöhnliches Abenteuer …

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1.000 Origami aus Graz für Indien

Kinder

© Julia Maurer

„Ich fasste all meinen Mut zusammen, investierte mein gesamtes Erspartes, packte das Notwendigste in meinen Rucksack und machte mich allein auf den Weg nach Indien“, erzählt die Grazer Yogalehrerin Julia Maurer, 27. Mit im Gepäck: Der Wunsch, auszubrechen. Ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Abseits von Erwartungen, Terminstress und täglicher Routine.

Einziger Fixpunkt während ihrer einjährigen Reise war das Falten von Origami. „Ich habe mal von der japanischen Legende gelesen, die besagt, dass derjenige, der 1.000 Kraniche faltet, einen Wunsch erfüllt bekommt. Also bastelte ich und bastelte ich. Aus allen Papierresten, die mir unterkamen.“ Um sich jeden Tag aufs Neue darauf zu besinnen, warum sie dieses Abenteuer überhaupt angetreten war. Und um leidige Wartezeiten auf ihrer Reise zu überbrücken. In Indien, so die 27-Jährige, ticken die Uhren schließlich anders. Den Zeitdruck, den wir hierzulande gewohnt sind, machen sich die Menschen dort nicht.

Julia Maurer verteilt die Origami-Kraniche an Kinder in Annapunra
Eine Frau in Varanasi freut sich über das Papierkunstwerk

Origami öffneten Türen und Herzen

Die Kraniche verteilte die Steirerin an Menschen, denen sie auf ihrer Reise begegnete: „ Je mehr Origami ich verschenkte und je mehr Menschen ich meine Geschichte erzählte, umso leichter fühlte sich mein Leben an. Zudem waren die Begegnungen eine große Bereicherung und jedes Mal ein Erlebnis für mich.“ In einem entlegenen Bergdorf beispielweise schenkte sie einem Kind einen Kranich. Keine zwei Minuten später stürmte das ganze Dorf auf die 27-Jähirge zu und überwältigten sie mit seiner grenzenlosen Gastfreundschaft.

Kinder spielen in Varanasi mit dem Papiervogel

Besonders gern erinnert sich die Grazerin auch an ein blindes Pärchen, das auf der Straße musizierte. „Ich gab ihnen einen gefalteten Vogel und beobachtete die beiden dabei, wie sie den Kranich abtasteten und dann lächelten.“

In Varkala ziert der Grazer Origami-Kranich die Flöte eines Musikers

Oder an eine Großfamilie, die sie spontan zu sich nach Hause zum Essen einlud: „Wir konnten uns kaum miteinander unterhalten, weil sie nicht so gut Englisch sprachen. Alles, was sie sagten, war: ,You like spicy?’“ Dennoch, so die Weltenbummlerin, fühlte sie sich im Kreise der Familie fast wie zu Hause. „Ich traf auf meiner Reise viele verschiedene Persönlichkeiten. Jeder von ihnen hat seine ganz eigene, wunderbare Geschichte. Und so einzigartig jeder von uns ist, haben wir eines gemeinsam: Wir alle haben Träume, die wir uns erfüllen möchten.“

Dieses kleine Mädchen in Gokarna war ein wenig schüchtern – taute aber mit dem Origami-Vogel auf

Zurück in Österreich hat sie sich vor allem eines bewahrt: „Ich bin viel gelassener und aufmerksamer geworden. Viele Dinge relativieren sich, wenn man länger auf Reisen war. Ich rege mich kaum mehr über Kleinigkeiten auf, bin sehr dankbar für die Fülle an Möglichkeiten, die wir hier haben.“ Ob es tatsächlich 1.000 Kraniche waren, die sie gefaltet hat, weiß Julia nicht. Irgendwann hat sie aufgehört, mitzuzählen. Der Wunsch, ihrem Leben eine Wende zu geben, hat sich aber auf alle Fälle erfüllt …

Julia Maurer in Nepal
Thema: Reise