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"Ehe light": Auch bei uns?

In Frankreich boomt die "Ehe light", eine abgespeckte Ehe-Variante, die die Beziehung aber rechtlich absichert. Wäre das Modell auch hierzulande denkbar?

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"Ehe light": Auch bei uns?

"Pacte civil de solidarité" statt Hochzeit

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Heiraten? War für dich nie ein Thema. Die Institution Ehe: bürgerlich, altmodisch, überholt. So deine Überzeugung. Vielleicht warst du aber auch schon verheiratet – und willst den Schritt vor den Traualtar in deinem Leben nicht noch einmal setzen.

Es gibt einige Gründe, warum immer weniger Österreicher das Projekt Ehe wagen. 2013 verzeichnete man laut Statistik Austria nur mehr 36.140 Eheschließungen – um 6,4% weniger als im Vorjahr (Anm.: die Zahlen für 2014 sind noch nicht ausgewiesen ).

Und doch gibt es ein paar ganz pragmatische Gründe, die bei langjährigen Partnerschaften FÜR eine Hochzeit sprechen. Erb- oder Steuerfragen etwa.

Pacs: Gleichstellung Verheirateter und langjähriger Paare

In Frankreich ist die rechtliche Gleichstellung von Verheirateten und langjährigen Paaren seit 1999 in einem zivilen Pakt geregelt. Ursprünglich schuf der französische Premierminister Lionel Jospin den sogenannten "Pacte civil de solidarité (Pacs)" für homosexuelle Paare, die damals (anders als heute) noch nicht heiraten durften.

Doch der "Pacs" mauserte sich flott zum Riesenerfolg bei heterosexuellen Paaren. 41 Prozent entschließen sich heute für die abgespeckte Ehe-Variante, wenn sie ihre Beziehung rechtlich absichern wollen. Das Verb pacser ist den Französinnen und Franzosen so geläufig wie marier (heiraten).

Seine Beziehung zu "pacsen" ist dann auch denkbar simpel. Die Paare suchen das Amtsgericht auf, unterschreiben den "Ehe light"-Vertrag – fertig. Lange Reden, großes Aufgebot, Ringtausch: nicht nötig. Der "Pacs" ist eine Vernunftsentscheidung, keine Frage der Romantik. Er stellt unverheiratete Paare in Erb- und Steuerfragen den Verheirateten gleich, man ist gegenüber Staat, Arbeitgeber, Vermieter, aber auch in Spitälern als Paar anerkannt (hier Infos zu den Do's & Don'ts beim klassischen Ehevertrag).

Romantik? Braucht es für "Pacs"-Paare zumindest nicht vor dem Gesetz

Ein weiteres Plus der abgespeckten Ehe-Variante: Vieles bleibt offen – beziehungsweise dem Paar überlassen. Dieses kann etwa selbst bestimmen, ob es im Falle einer Trennung eine Güterregelung geben soll. Und wie diese aussieht. Oder ob man einander materielle Hilfe leisten will.

Einen großen rechtlichen Unterschied gibt es jedoch zwischen der "Ehe light" und dem klassischen Modell: Verantwortungen in Kindsbelangen sind im "Pacs" nicht festgehalten. Man erhält mit Unterschrift also keine elterliche Gewalt.

Keine Lust mehr auf "Ehe light"? Dann wird "entpacst"!

Steht ein Paar vor der Trennung, müssen nicht lange Scheidungspapiere eingereicht und Eherichter bemüht werden. Es reicht eine kurze Mitteilung an den Gerichtsdiener, dann ist der "Pacs" so schnell aufgelöst, wie die Beziehung eingeschrieben wurde.

Doch auch wenn die Verbindlichkeit damit psychologisch gemindert scheint: Die Trennungsrate bei "Pacs"-Paaren fällt in Frankreich statistisch niedriger aus als bei Verheirateten.

Wegen des großen Erfolges überlegt nun auch der Bundesrat in der konservativen Schweiz, den abgespeckten Mustervertrag fürs Zusammenleben einzuführen.

Was meint ihr:

Pacs: Die "Ehe light"

Sollte ein "Pacs" auch in Österreich eingeführt werden?

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