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Männer weinen nicht? Er schon.

Er macht das, was keiner wagt. Weinen. Und zwar nicht im Stillen, sondern vor der Kamera. Patrick Catuz spricht darüber, warum Männer endlich anfangen sollten zu weinen.

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Boys Do Cry! Mann, schäme dich nicht für deine Tränen!

© Video: Patrick Catuz

"Es ist nicht unbedingt leicht mich so zu zeigen, denn Männer weinen nicht", sagt Buchautor und Filmproduzent Patrick Catuz. "Oder bestenfalls in Extremsituationen, bei einschneidenden Lebensereignissen, Trennungen oder Todesfällen. Und vielleicht noch bei verlorenen Fußballfinalspielen." Der 29-jährige Linzer sagt von sich, er habe kein Problem mit dem Weinen. Ganz im Gegenteil. Er habe sogar den Wunsch öfters zu weinen. Denn weinen ist etwas ganz Essentielles. Deswegen hat er jetzt auch einen kleinen Youtube-Film gedreht. Ein Film, der Männer dazu ermutigen soll öfters zu weinen und sich nicht dafür zu schämen.

»Es ist eine Unterdrückung fundamentaler menschlicher Gefühle und damit eine teilweise Abspaltung des Selbst.«
Patrick Catuz - Video weinen
Patrick Catuz weint vor der Kamera und rührt uns damit selbst zu Tränen.

Berührende und wahre Worte von Patrick Catuz:

"Das Bild von Männlichkeit verlangt von uns, die Kontrolle zu behalten, überlegen zu sein, da wir sonst als entmannt, verweiblicht, machtlos und wertlos wahrgenommen werden. Mit Scham und Schuld konfrontieren wir uns selbst, mit Spott und Hass die anderen, sofern jemand vom Scheitern bedroht ist, es nicht schafft, seinen "Mann zu stehen". Tatsächlich sind wir durch die typisch männliche Sozialisation ziemlich weit von uns selbst entfernt. Um es auf den Punkt zu bringen: "Ein Indianer kennt keinen Schmerz". Der Slogan unserer Kindheit. Da begann das Training zur "Mann-Werdung", eine Sozialisation hin zur Unterdrückung der Schwäche- und Trauererfahrung. Es ist eine Unterdrückung fundamentaler menschlicher Gefühle und damit eine teilweise Abspaltung des Selbst. Es ist wie eine Art Panzer, durch den kaum etwas nach innen dringt. Aber das, was da ist, bleibt da und es kommt raus, ob man möchte oder nicht. Es stellt sich nur die Frage, in welcher Art und Weise dies geschieht und was die gesündere Form für einen selbst ist. Und auch was die besseren Konsequenzen für das Umfeld hätte, ja sogar für die Gesellschaft insgesamt."

"Dafür muss man sich einem selbst stellen und Gefühlen, die dem männlichen Selbstbild fundamental widersprechen. Es kostet sehr viel Überwindung. Selbst beim besten Willen ist es noch eine schwere, für viele Männer vielleicht sogar unlösbare Aufgabe.
Ich versuche mich daran, es zuzulassen. Es ist erlösend. Es ist heilsam. Danach geht es mir immer besser. Ich weine nicht, weil ich gebrochen bin. Ich weine, weil ich mich heilen kann. Und es gibt keinen Grund, sich dafür zu schämen."

Themen: Sexismus, Videos

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