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Paul Pizzera: Leseprobe seines Debüt-Romans "Der Hippokratische Neid"

Der Kabarettist und Musiker Paul Pizzera hat sich auf die Couch gelegt. Für alle Wehwehchen gehen wir im Leben zu Arzt oder Ärztin. Doch bei psychischen Schmerzen um Hilfe zu bitten, stellt für einen Großteil der ÖsterreicherInnen eine Schwierigkeit da. Dem setzt Paul Pizzera in seinem Debüt als Autor nun ein Ende.

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Paul Pizzera
© Marko Mestrovic

Spätestens jetzt kann man den Steirer Paul Pizzera als echten Tausendsassa bezeichnen. Neben Kabarett, Podcast und seinem Musiker-Dasein bei "Pizzera & Jaus" wagte er sich jetzt auch noch an seinen ersten Roman. Was wir von seinem Debüt erwarten können?

Das verriet er bereits Ende Juni in seinem Podcast "Hawi D'Ehre" mit Gabi Hiller und Philipp Hansa. Ein Buch, das sich wie eine Therapiestunde anfühlen soll. Natürlich ist es in erster Linie unterhaltsam und lustig, aber es soll auch mit Vorurteilen aufräumen. "Wenn wir Knieschmerzen haben, gehen wir doch auch zum Arzt, aber wenn’s in unserer Seele schmerzt, kümmern wir uns nicht darum?!" Das hat er vor ein paar Jahren auch lernen müssen und ist damals zu einem Psychologen gegangen, weil er "alles hatte, aber trotzdem traurig war", wie der 32-Jährige selbst sagt.

Klingt vielversprechend. Und super spannend. Wir haben deshalb bereits vorab eine kleine Leseprobe für euch!

Leseprobe: Der Hippokratische Neid – Die Kunst der Stunde

Aus dem Vorwort:

Mein Name ist Paul Pizzera, ich bin knapp über 30 und ich habe Probleme. So wie Sie auch. Jeder Mensch hat Probleme. Manchmal ist es ein Bandscheibenvorfall, manchmal ein schmerzender Backenzahn und manchmal tut einem die Seele weh. Für alle drei Fälle gibt es hierzulande hervorragend ausgebildetes Fachpersonal. Bei psychischem Schmerz um Hilfe zu bitten, stellt aber für einen Großteil der Österreicherinnen und Österreicher eine Schwierigkeit dar. Warum? – Weil wir Angst haben, dass wir "deppert" sein könnten. Wer zum Therapeuten geht, ist „deppert“! Ich sag Ihnen was: Wer nicht hingeht, ist noch viel "depperter"!

Stellen Sie sich vor, Sie treffen beim Wandern auf einen Freund, der mit offenem Oberschenkelbruch versucht, den Aufstieg fortzusetzen, weil er sich partout weigert, Hilfe anzunehmen. Sie würden sein Handeln zu Recht als irrational sowie fahrlässig einstufen und wahrscheinlich sogar wütend darüber werden, dass er es vehement ablehnt, sich helfen zu lassen. Falscher Stolz ist kein guter, aber leider ein steter Begleiter im Leben und niemand ist davor gefeit, ihm zu erliegen. Speziell wenn es um unser Seelenleben geht, lechzen wir geradezu danach, dass alles den Anschein hat, gut zu sein.

Oder wie oft hören Sie von einer Ihnen nahestehenden Person auf die Frage “Wie geht‘s?" ein mit dem Brustton der Überzeugung gesprochenes "Nicht gut!"? Es ist ein Teufelskreis aus Scham, sich einzugestehen, dass es einem nicht gut geht und Angst, gesellschaftlich ausgegrenzt zu werden, weil es einem nicht gut geht, der uns daran hindert zuzugeben, dass es innendrin nicht so schön aussieht, wie wir es nach außen hin gern suggerieren. Die Seele kann man nicht fotoshoppen und für die Psyche gibt es keine Filter.

Aber es gibt Gespräche! Zwei Gründe haben zur Entstehung des folgenden Textes geführt: Zum einen soll er die Wichtigkeit psychischer Gesundheit unterstreichen und ferner die Angst vor therapeutischen Gesprächen nehmen. Zum anderen dient der nun folgende fiktive Dialog zwischen dem reaktionären Prolo Pfingstl und seinem intellektuell-zynischen Gegenüber Ihrer Unterhaltung, weil Lachen und Humor zwei ausgezeichnete Beilagen sind, um das Hauptgericht Leben noch mehr genießen zu können. Die Taten und Aussagen der beiden Hauptfiguren sind frei erfunden und erheben weder sozialen noch fachlichen Anspruch auf Richtigkeit.

Na, angefixt? Paul Pizzeras "Der Hippokratische Neid" ist ab 7. September 2020 im Handel erhältlich und wird für 15,- angeboten.