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Was kostet deine Welt? Eine Personalentwicklerin über ihren Kontostand

Arbeiten, zahlen, leben: Wie viel verdient eigentlich eine Personalentwicklerin? Und wie viel bleibt am Ende des Monats übrig? Wir haben im Rahmen unserer Serie nachgefragt.

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Was kostet deine Welt? Eine Personalentwicklerin über ihren Kontostand
© Privat

"Über Geld spricht man nicht" - das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsl schon wieder geblieben? Wie soll ich die Reparatur des Autos bloß bezahlen? Wie schaffen es andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt diese unnötige Verschwiegenheit ins Sachen Einkommen trägt dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen: Schluss damit, über Geld spricht man! Deshalb fragen wir im Rahmen dieser Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen: Was kostet deine Welt? Wie viel verdienst du? Was bleibt am Monatsende übrig? Im siebten Teil der Serie, haben wir eine Personalentwicklerin zum Interview gebeten.

Sylvia ist 29 Jahre alt, lebt mit ihrem Mann in Wien und hat nach der Matura das Bachelorstudium Nonprofit- und Sozialmanagement in Innsbruck absolviert. Nach ihrem Abschluss arbeitete die Wienerin auch einige Jahre in diesem Bereich, ehe sie sich für das Masterstudium Personalmanagement an der FH Burgenland entschied. Seit 2014 ist die Wienerin als Personalentwicklerin in einem Logistikunternehmen tätig. Zu ihren Aufgaben zählen dabei die Aus- und Weiterbildungsagenden, sowie die Umsetzung konzernweiter Projekte, wie z.B. die regelmäßige Mitarbeiterbefragung.

Wie viel verdienst du monatlich?
Sylvia: Mein Gehalt beträgt 3.200 Euro brutto monatlich, das ergibt ca. 2.200 Euro netto.

Wie hoch sind deine Fixausgaben?
Sylvia: Mein Ehemann und ich wohnen in einer sehr günstigen Wohnung (400 Euro Miete). Die Fixausgaben belaufen sich insgesamt auf ca. 600 Euro im Monat (mit Handy, Internet, Auto und allen anderen monatlichen Zahlungen). Wir teilen alle Ausgaben 50:50. Die Ernährung ist uns wichtig, dafür geben wir auch relativ viel aus (ca. 300 Euro im Monat). Wir kaufen vorwiegend Bio-Produkte bzw. soweit als möglich die Nahrungsmittel regional vom Markt. Kleidung und eigenes Vergnügen bezahlt jeder für sich. Wir erwarten im Mai ein Baby und werden davor noch in eine größere Wohnung ziehen, da wird sich die finanzielle Situation für uns sehr verändern. Die Wohnung kostet das Doppelte und mein Einkommen wird mit einem Mal deutlich weniger werden. Für die Ausstattung der neuen Wohnung haben wir zum Glück einen guten Puffer angelegt, aber der wird in den nächsten Monaten ordentlich schmelzen.

Hast du eine private Pensionsvorsorge? Wenn ja – Warum und wie viel gibst du dafür monatlich aus?
Sylvia: Ja, über die Firma. 25 Euro werden im Monat dafür direkt einbehalten.

Sparst du Geld? Und wie legst du es an?
Sylvia: Ich spare ca. 1.000 Euro im Monat, diese Summe bleibt mir im Schnitt am Monatsende übrig. Ich nutze jedoch keine besondere Form der Anlage, es blieb bisher einfach alles am Konto.

Bist du zufrieden mit deinem Gehalt?
Sylvia: Grundsätzlich ja, ich hatte erst vor kurzem eine Gehaltserhöhung.

Weißt du, was deine KollegInnen verdienen?
Sylvia: Nein. Ich habe in der Firma niemanden, der dieselbe Tätigkeit ausübt, deshalb ist es auch schwer mich zu vergleichen. Ich weiß allerdings von ein paar StudienkollegInnen, die ebenfalls im Bereich der Personalentwicklung tätig sind, wie viel sie verdienen. Das finde ich zum Vergleich auch total wichtig und wertvoll.

Wofür gibst du gern Geld aus?
Sylvia: Für die Ernährung und für mein eigenes Wohlbefinden.

Sylvia (29) ist Personalentwicklerin.

Wofür würdest du gern mehr Geld haben?
Sylvia: Ich kann mir eigentlich alles leisten was ich möchte.

Redest du mit deinem Freundeskreis übers Geld?
Sylvia: Ja aber eher selten. Wenn wir über Geld reden dann eher darüber, wer wie viel für die Wohnung bezahlt. Gehälter sind selten Thema, das ist eigentlich der total falsche Ansatz.

Was ist dein größter Luxus?
Sylvia: Regelmäßige Termine bei meinem Coach, gerne auch mal Maniküre oder eine Massage. Und hin und wieder gehe ich mit meinem Mann gerne schön Essen.

Würdest du von dir selbst behaupten, dass du gut mit Geld umgehen kannst?
Sylvia: Ja auf jeden Fall. Ich bin sehr sparsam und habe schon früh gelernt, mit wenig Geld auszukommen. Durch meine berufliche Situation hatte ich in meinem Erwachsenenleben bisher selten das Gefühl, mir etwas nicht leisten zu können, bzw. habe ich dann darauf gespart. Ich habe erst im Sommer geheiratet und ab dem Zeitpunkt der Verlobung jedes Monat 200 Euro in ein Schachterl gelegt, das hat nicht wehgetan und war am Ende trotzdem eine schöne Summe, die dann quasi gleich zweckgebunden für unser Fest war.

Kannst du dir die Dinge leisten, die du gerne haben möchtest oder musst oft auf was verzichten?
Sylvia: Ich muss selten auf etwas verzichten, bin aber auch ein Mensch, der grundsätzlich nicht sehr viel auf Konsum setzt. Ich beziehe meine Kleidung ausschließlich aus Second Hand oder aus fair produzierten Bedingungen zu höheren Preis, dafür aber nur dann wenn ich es wirklich brauche bzw. erfreue mich an diesen Dingen solange bis sie kaputt sind. Auch Alltagsgegenstände kaufe ich häufig über Online-Plattformen, die Second-Hand-Ware anbieten oder am Flohmarkt, einfach weil ich damit ein besseres Gefühl habe

Würdest du lieber mehr verdienen oder eher weniger arbeiten und dafür halt auch weniger haben?
Sylvia: Grundsätzlich habe ich sehr gerne viel gearbeitet und relativ gut verdient und daher können wir uns auch Hochzeit, Baby und eine neue Wohnung innerhalb von einem Jahr leisten. Wie sich dann die Rückkehr in den Job mit einem kleinen Kind gestaltet, kann ich im Moment noch gar nicht abschätzen. Es wird auf jeden Fall so sein, dass ich ein Jahr in Karenz gehe und mein Mann dann ebenfalls für ein Jahr. In dieser Zeit möchte ich auch wieder Vollzeit arbeiten.

Und wie wichtig ist dir Arbeit generell? Welchen Stellenwert nimmt sie in deinem Leben ein?
Sylvia: Ich arbeite sehr gerne, auch Vollzeit. Ich merke aber, dass sich durch die Schwangerschaft die Prioritäten verschieben und ich manchmal nicht so leistungsfähig bin, womit ich manchmal zu kämpfen habe, weil ich meinen Job sehr gerne mache. Auch das Wissen für einige Zeit auszufallen ist nicht ganz leicht für mich. Meine Arbeit war mir immer wichtig. Auch als zukünftige Mutter möchte ich nicht darauf verzichten.

Was kostet deine Welt? Alle Teile der Serie

Hier findest du alle bisher erschienen Teile der Serie.