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Mit Pflanzenfarben zu vollerem, glänzenderem Haar?

Kann man vom Haarefärben dickeres Haar, viel mehr Glanz und eine gesündere Struktur bekommen? Aber natürlich, meint die Naturfriseurin. Vorausgesetzt, man wählt dabei Pflanzenfarben.

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Mit Pflanzenfarben zu vollerem, glänzenderem Haar?
© iStock

Die Kopfhaut juckt, und der beißende Geruch lässt Zweifel aufkommen: Beim Friseurbesuch und auch beim Selberfärben zu Hause, fragt man sich oft, ob die Coloration nicht strapazierend für Kopfhaut und Haare sein könnte. Dass der Färbeprozess Allergien auslösen kann, steht fest. Dazu kommt noch, dass das Haar die chemische Prozedur bei regelmäßigem Färben meist nicht gut wegsteckt. Statt seidenglatt fühlt sich die Haarpracht oft struppig an. Das beschäftigt natürlich auch die Industrie, denn sogar riesige Beauty-Konzerne lancieren immer mehr reine Pflanzenfarben, die es als Pulver oder Creme-Texturen zu kaufen gibt. Diese sind so schonend, dass sie während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie von unter 16-Jährigen verwendet werden können. Außerdem sind sie hauptsächlich vegan und tierversuchsfrei. Isabella Engelberger, Naturfriseurin in Wien, befasste sich eingehend mit diesem Thema und beschloss, nur mehr mit Pflanzenfarben zu arbeiten. Wir befragten sie deshalb zu allen Vor-und Nachteilen der natürlichen Beauty-Helfer.

Woraus bestehen Pflanzenfarben?

"Sie setzen sich zusammen aus den Blättern, Stielen und Wurzeln der Gewächse. Aus all diesen farbintensiven Teilen kann man Färbepulver herstellen, welches fein vermahlen, je nach Wunschton vermischt und abgepackt wird. Der Naturfriseur oder die Anwenderin selbst muss das Pulver dann nur frisch anrühren und auftragen. Die gängigsten Ingredienzien für Farben sind zum Beispiel Henna, Indigo, Kurkuma, Cassia, Baumrinden und Nussschalen", sagt die Expertin.

Welche Vorteile bieten sie?

"Puh, so viele! Pflanzenfarben hemmen Entzündungen, mindern Juckreiz auf der Kopf haut - beides passiert durch die pflanzliche Gerbsäure. Auch bei Schuppen, Neurodermitis und öliger Kopf haut wirken sie heilend sowie verbessernd. Besonders toll bei der Pflanzen-Coloration ist: Bei gängigen chemischen Farben wird die Cuticula (oberste Haarschicht) "aufgerissen", dann werden die Pigmente eingelagert. Pflanzenfarbe wirkt nicht so, die Faser bleibt geschlossen, sie ummantelt sie lediglich, daher ist sie schonend. Außerdem sind Pflanzenfarben biologisch abbaubar, es entsteht kein Extramüll. Die größten Pluspunkte sind die Stärkung des Haares und der Glanz, weil die Schuppenschicht geschlossen bleibt und sich noch eine Schicht darauflegt, was bei feinem Haar für Volumen sorgt. Und falls man keinen neuen Ton, sondern mehr Grip und Glanz haben will, kann man auch eine neutrale Pflanzenfarbe wählen. Die eigene Nuance bleibt bestehen, die Struktur wird jedoch von der farblosen Formulierung umhüllt & stärker. Einen Minuspunkt, wenn man so will, gibt es aber bei Pflanzenfarben: Auf blondieren geht nicht, weil hier immer Chemie notwendig ist. Wer dunkles Haar hat, kann nicht heller werden. Und: Die eigene Nuance spielt eine große Rolle fürs Endergebnis. Die Ausgangsfarbe macht 50 Prozent des Endergebnisses aus. Wer braun ist, kann noch dunkler werden. Wer blond ist, hat noch mehr Optionen - nur eben viel heller geht in beiden Fällen nicht."

Wie läuft der Colorationsprozess ab?

"Als Naturfriseurin arbeite ich mit den Produkten von Culum Natura, da es sich dabei um zertifizierte Naturkosmetik handelt. Ich kalkuliere nach einem Baukastenprinzip, von der Ausgangsfarbe und vom Farbkreis ausgehend, alles zusammen und kann so schöne Farbergebnisse kreieren -auch bei bisher chemisch gefärbtem Haar. Nach der ersten Färbung gebe ich auch gern das Pulver zum Selbermachen für zu Hause mit. Wer sich für pflanzliche Farben für den Heimgebrauch interessiert, findet einiges in Drogerien & Reformhäusern. Aber: Immer die Inhaltsangabe gut durchlesen, Ingredienzien auch mit der "Codecheck"-App auf Bedenklichkeit überprüfen."

Wie gut ist die Grauabdeckung?

"Sehr gut - der Glaube, Pflanzenfarben könnten weißes und ergrautes Haar nicht abdecken, stimmt nicht. Das Schöne ist, dass hier sogar feine Strähneneffekte entstehen und kein extremer Ansatzunterschied, der bekannte 'Balken', sichtbar ist. Ein weiterer Vorteil bei weißem Haar: Die Farbpalette, aus der man sich bedienen kann, ist sehr vielfältig und das Ergebnis wirklich farbintensiv", meint der Profi.

So klappt das Selberfärben zu Hause!

"Zuallererst sollte man sich darüber im Klaren sein, dass das Ergebnis nicht zu 100 Prozent so wird, wie es auf der Packung zu sehen ist. Es zählt ja vor allem die eigene Ausgangsfarbe. Bevor es ans Färben geht, die Mähne mit einem silikonfreien Shampoo oder alternativ etwas Mineralerde waschen und gut ausspülen. Der Grund dafür ist, dass sich die bestehenden Silikone im Haar bzw. im Shampoo wie ein Film über die Mähne legen und das Farbergebnis beeinträchtigen können. Die Mineralerde reinigt die Haarfollikel besonders gründlich und sorgt für eine optimale Farbanlagerung. Danach erst legt man los, als ersten Schritt mit dem Anmischen der Paste. Wichtig: Will man ein kühles Farbergebnis, nimmt man kaltes Wasser (nicht über 60°) - hier spielt nämlich Indigo die Hauptrolle, und dieses wird bei zu hoher Temperatur zerstört. Bei warmen Tönen wie Rot oder Braun hingegen gießt man heißes Wasser beim Anmischen rein. Dann Handschuhe anziehen, am Ansatz die Paste mit Pinsel auftragen. Bei Längen und Spitzen besser mit den Händen einmassieren. Je nach Farbwunsch 30 bis 60 Minuten warten. Wichtig: Die Farbe feucht halten, sonst verliert sie ihre Färbekraft. Mein Tipp: Ein feuchtes Baumwolltuch zum Turban binden. Zuletzt gut auswaschen!"

Isabella Engelberger absolvierte eine klassische Friseurlehre, danach entwickelte sie immer mehr Interesse für natürliche Haarfarben und Kosmetik. "Ich wollte meinen Kundinnen etwas Gutes tun, ihr Haar nicht mehr mit einem chemischen Färbevorgang strapazieren und es danach mit einer silikonhaltigen Pflege wieder vermeintlich gut aussehen lassen", so die 21-Jährige. Sie startet ab Herbst in Wien einen kleinen Privatsalon und verschönert ihre Gäste ausschließlich mit pflanzlichen Farben. Infos: naturfriseur-bellissima.com

Thema: Haare