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Poker-Europameisterin Jessica Teusl: "Ich spiele lieber gegen Männer"

In ihrem Leben dreht sich alles um Dame, König, Ass: Die Niederösterreicherin Jessica Teusl ist zweifache Poker-Europameisterin und hat im heurigen Jahr viel vor.

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Poker-Europameisterin Jessica Teusl: "Ich spiele lieber gegen Männer"
© Manuel Schischkoff

Am Anfang war es nur ein Hobby. Als Studentin hat sich Jessica Teusl mit ihren Freundinnen vor dem Clubbesuch noch kurz im Casino getroffen. Dass sie einmal bei internationalen Pokerturnieren teilnehmen und zwei Europameistertitel erobern würde, ahnte die 28-Jährige damals noch nicht.

„Mein Vater hat mir das Pokerspielen beigebracht. Schon in der Schule war ich von Mathematik und Zahlen fasziniert“, erklärt Teusl. Deshalb hat die Niederösterreicherin auch an der FH in Wiener Neustadt Wirtschaftsberatung mit Marketing und später in Salzburg Eventmanagement studiert. Mittlerweile besitzt die zweifache Poker-Europameisterin eine eigene Werbeagentur und leitet Vertrieb und Personal beim Event-Reiseanbieter „Splashline“.

Mit Geld umgehen kann sie also. Das wäre schon mal die erste wichtige Voraussetzung für die große Karriere am Spieltisch. Und welche Fähigkeiten braucht ein erfolgreiches Poker-Ass noch? „Geduld, Disziplin und Konzentration. Ein Turnier dauert oft mehrere Tage. Außerdem muss man akzeptieren, dass man nicht immer gewinnen kann. Und es ist wichtig die Leute am Tisch zu beobachten. Die Körpersprache verrät nämlich viel“, erklärt die Wiener Neustädterin.

Das berühmte Pokerface kann man sich zu einem bestimmten Maß antrainieren, am besten durch viele Spielrunden. Für die Turniere hat die FH-Absolventin daher auch keine besondere Vorbereitung parat: „Ich schaue zwar Videos, lese Bücher und spiele viel online. Manchmal tausche ich mich mit anderen Spielern aus, aber das war’s auch schon. Es ist vielmehr ein Lernprozess.“ Rituale hat die Unternehmerin vor einem Turnier keine, sie trägt nur zwei Armbänder, die sie von ihren Großeltern und ihrem Papa geschenkt bekommen hat. „Die bringen mir Glück“, lacht sie.

Glücksspiel oder Denksport?

Ja, Glück braucht man beim Pokerspielen auch. Oder doch nicht? Diese Diskussion wird seit vielen Jahren sowohl in Österreich als auch auf internationaler Ebene geführt. Laut österreichischem Gesetz ist Poker ein Glücksspiel, einige Leute in der Szene sehen das jedoch anders. Wie etwa der Wiener Sportwissenschaftler und Pokerspieler Martin Sturc. Er hat in seiner Diplomarbeit „Skill Beats Luck“ die spieltheoretischen Aspekte des Pokerspiels analysiert und kam zu dem Schluss, dass Poker als Geschicklichkeitsspiel anerkannt werden sollte. Teusl ist da anderer Meinung. Laut ihren Einschätzungen lässt sich der Glücksfaktor nie ausschließen, auch wenn man ihn durch viele Berechnungen minimieren kann.

Schluss mit Klischees

Was die 28-Jährige vielmehr stört, ist der schlechte Ruf, der dem Pokerspiel zum Teil noch immer anlastet. Das Klischee vom verrauchten Hinterzimmer, in dem ein paar Männer mit Karten in der Hand und Zigarette im Mundwinkel um einen Tisch herum sitzen, hat ihrer Ansicht nach längst ausgedient, obwohl das noch viele Leute glauben, wenn sie von ihrer Passion erzählt: „Früher habe ich mein Hobby verdeckt gehalten, weil ich Angst vor den Reaktionen hatte. Von einigen wurde ich schief angeschaut. Die dachten dann, ich verspiele Haus und Hof. Dabei läuft das alles seriös ab. Ich spiele auch viele Turniere mit wenig Einsatz. Natürlich kann man Geld verspielen, aber man muss das immer in Relation sehen. Mittlerweile nehme ich es gelassen, wenn mich jemand dafür kritisiert.“

Obwohl die Pokerszene nach wie vor von Männern dominiert wird, sind immer mehr Frauen bei Turnieren anzutreffen. Vanessa Selbst (USA), Sandra Naujoks (Deutschland) oder etwa Liv Boeree (Großbritannien) haben schon vor Jahren bewiesen, dass sie die Kunst dieses Spiels beherrschen. Selbst, die im Dezember 2017 ihre Karriere beendet hat, kürte sich mit einer Preisgeldsumme von zwölf Millionen US-Dollar zur erfolgreichsten Spielerin der Geschichte. Zudem eroberte sie drei Bracelets. Das goldene Schmuckstück gilt als wichtige Trophäe, die jeder Spieler und jede Spielerin nach einem Turniersieg bei der World Series of Poker (WSOP) neben dem Preisgeld erhält.

Auch Teusl spielt bei Turnieren meist gegen Männer und musste sich dabei schon einige blöde Kommentare anhören: „Am Anfang war es schwierig. Die meisten Männer nahmen mich am Tisch nicht ernst. Doch das konnte ich gut für mich nutzen.“Bei der ersten Frauen-EM 2017 in Kärnten, wo Teusl den Titel holte, waren rund 60 Teilnehmerinnen am Start. „Für mich war es ungewohnt nur gegen Frauen anzutreten. Die meisten Spielerinnen agieren viel passiver, was ja beim Pokern eher ein Nachteil ist. Der Konkurrenzkampf war trotzdem härter. Ich spiele lieber gegen Männer“, lacht sie. Mit der Titelverteidigung 2018 hat die österreichische Poker-Queen ihre Konstanz bewiesen und auch ihren Bekanntheitsgrad erweitert: 35.000 Follower auf Instagram inklusive.

Der Traum von Las Vegas

Aktuell ist Teusl beim ersten Stopp der Casinos Austria Poker Tour (CAPT) in Seefeld am Start. Im Februar folgt das nächste Event in Bregenz. Eigentlich könnte die Niederösterreicherin mittlerweile gut vom Pokern leben. Nach ihrem ersten EM-Titel nahm der österreichische Online-Glückspielanbieter „win2day“ sie als Testimonial unter Vertrag. Bei der Black-Jack-WM vor zwei Monaten in Innsbruck hat sie 20.000 Euro Preisgeld gewonnen. Ihren Job als Unternehmerin möchte sie dennoch nicht aufgeben. „Ich mag meinen Berufsalltag. Ich brauche diese Abwechslung. Aber wer weiß, was in fünf oder zehn Jahren mal sein wird. Ich träume schon davon, bei den großen internationalen Turnieren mitzuspielen.“

Konkret heißt das auch: Auf nach Las Vegas! Die World Series Of Poker (WSOP) feiert heuer ihr 50-jähriges Jubiläum. „Da möchte ich gerne dabei sein.“ Und wer weiß vielleicht trägt Jessica Teusl bald neben ihren Glücksarmbändern auch ein goldenes Bracelet am Handgelenk.

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