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Pole Dance: Report über den neuen Fitnesstrend

Von wegen anrüchig: Pole-Dance ist eine Sportart, die sich auch in Österreich immer größerer Beliebtheit erfreut. Der Report.

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Pole Dance: Report über den neuen Fitnesstrend
© Thinkstock

Bilder von Rotlicht-Etablissements, gedämpftes Licht, Netzstrümpfe, leichtbekleidete Frauen, die ihre Körper verführerisch an der Stange reiben; Männer, die den Tänzerinnen Geldscheine in den Slip stecken. Klischees, die den meisten zum Begriff „Pole Dance“ (zu Deutsch: Stangentanz) einfallen. Denn Pole Dance ist eine Sportart, die nach wie vor unter einem falschen Image leidet. Wir machten den Check.

Pole Dance: Der Fitnesstrend im Check

Von wegen anrüchig: das Pole Dance-Studio sieht gemütlich und einladend aus. An der Wand stehen Couches, rosa Yogamatten sind in den Ecken gestapelt und Musik tönt aus den Lautsprechern. Klar: die Schülerinnen sind tatsächlich leicht bekleidet – sie tragen kaum mehr als Höschen und bauchfreie Tops. Trainerin Laura, eine erfahrene Pole-Tänzerin: „Dabei geht es aber nicht um die Optik. Man braucht den Hautkontakt an der Stange. Ohne würden die Figuren nicht funktionieren, weil man abrutschen würde.“

Laura ist 25 Jahre alt und arbeitet hauptberuflich als Physiotherapeutin. Im Alter von vier Jahren hatte sie ihre 1. Ballettstunde, später kam Rhythmische Sportgymnastik dazu. „Sport, Bewegung und Tanz waren immer schon ein wichtiger Teil meines Lebens“, erzählt sie. Bei einem Auslandsaufenthalt in den USA lernte sie die Sportart Pole-Dance kennen.

„Vor ein paar Jahren war Pole-Dance in Österreich noch total unbekannt. Das meiste habe ich dank Youtube-Videos gelernt.“ Mittlerweile gibt es in Wien mehrere Pole-Dance-Schulen ( hier die Pole-Dance-Adressen ).

Pole Dance international

Auch zahlreiche Wettbewerbe versuchen, die Sportart aus der Schmuddel-Ecke zu holen. Der erste „Miss Pole Dance World“ Wettbewerb fand im November 2005 in Amsterdam statt, „Miss Pole Dance Australia“ startete im selben Jahr. Erst vier Jahre später startete in den USA die „US Pole Dance Federation Championship“.

Alle Wettbewerbe fokussieren auf Pole Dance als athletische und artistische Tanz- und Fitnessform. In Bälde soll Pole Dance zur Olympischen Sportart werden. Was der Olympisierung allerdings noch im Wege steht: sowohl die Pole-Techniken als auch die Bewertung sind noch nicht standardisiert.

Der „Deutsche Pole Sport Verband“ versucht, einheitliche Richtlinien für den Pole Sport in Deutschland einzuführen. Eine ähnliche Organisation gibt es in Österreich noch nicht.

Pole Dance: Schweiß und blaue Flecken

Dass Pole Dance eine ernstzunehmende Sportart ist, kann man nicht leugnen. Schweißtreibend ist das Training – und definitiv nichts für Untrainierte. „Klar kann jeder in die Sportart einsteigen. Wer aber richtig gut werden will, braucht einiges an Kraft, Beweglichkeit und Durchhaltevermögen. Dazu sind viele Übungen am Anfang verdammt schmerzhaft," sagt Trainerin Laura. "So eine Pole Dance-Stange ist alles andere als kuschelig.“

Die häufigsten Verletzungen bei ehrgeizigen Pole Tänzerinnen: Sehnenscheidenentzündungen und Muskeleinrisse. „Die meiste Zeit trägt man sein gesamtes Körpergewicht auf den Armen und den Schultern – das ist eine enorme Belastung.“

Was Laura an dieser Sportart trotz der Anstrengung und der Schmerzen fasziniert? „Die Kombination von Akrobatik und eleganten Tanzbewegungen. Pole Dance schaut wunderschön anmutig aus, ist aber ein knallharter Sport, der so gar nichts mit dem zu tun hat, was in Strip-Clubs passiert. Dort nutzen die Stripperinnen die Stange meist nur zum Anhalten."

An ihrem Arbeitsplatz hatte Laura lange das Gefühl, sich für ihre Lieblingssportart schämen und rechtfertigen zu müssen. Mittlerweile ist ihr das egal, sagt sie, „wer sich nicht genauer informiert und vorschnell urteilt, ist selbst schuld.“

Ob Pole Dance mehr ist als ein kurzweiliger Trend wird sich weisen. Derzeit jedoch sieht es ganz danach aus, als würde sich das Workout die Stange zur ernstzunehmenden Sportart hinauftanzen.

Thema: Fitness