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Pro-Choice-Bewegung in Polen: Vogue-Cover setzt starkes Zeichen gegen Abtreibungsverbot

Im erzkatholischen Polen sollen Abtreibungen de facto komplett verboten werden. Neben zehntausenden DemonstrantInnen in aller Welt setzte jetzt auch die polnische Vogue ein klares Zeichen!

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Pro-Choice-Bewegung in Polen: Vogue-Cover setzt starkes Zeichen gegen Abtreibungsverbot
© Screenshot Instagram: anjarubik

Inmitten von Europa kam es kürzlich zu massiven Einschränkungen bei den (ohnehin so mühsam erkämpften) Rechten für Frauen: Im streng katholischen Polen entschied das Verfassungsgericht, dass eine Abtreibung selbst bei schwerer Fehlbildung eines Fötus verfassungswidrig sei.

Zwar hat Polen ohnehin schon eines der strengsten Abtreibungsgesetze Europas, dieses soll nun aber weiter verschärft werden. So durfte bisher legal in den ersten drei Monate eine Schwangerschaft abgebrochen werden, wenn diese durch eine Vergewaltigung ausgelöst wurde, die Geburt die Gesundheit der Mutter gefährdet oder das Baby keine Überlebenschance hätte. Die letzte Ausnahme würde damit wegfallen - und damit der Grund für 97 Prozent aller in Polen durchgeführten Abtreibungen.

"Es ist grausam und verstößt gegen Menschenrechte, wenn Frauen gezwungen werden, eine Schwangerschaft zu Ende zu führen, obwohl der Fötus schwer geschädigt ist.“ äußerte sich Krystyna Kacpura von der Organisation für Frauenrechte und Familienplanung dazu und bezeichnete das Vorgehen als "institutionalisierte Gewalt des Staates gegen Frauen".

Studie: 95 Prozent der Frauen bereuen ihre Abtreibung auch nach 5 Jahren nicht

In den knappen drei Wochen, seit Polens Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) dieses Anti-Abtreibungsgesetz durchgesetzt hat, sind deshalb Pro-Choice-DemonstrantInnen in Rekordzahl gegen die Entscheidung auf die Straße gezogen – und auch eines der größten Magazine stellt sich jetzt klar auf die Seite der DemonstrantInnen: die polnische Vogue. Mit seinem Cover für die Dezemberausgabe zeigt das Kultmagazin Solidarität mit den Frauen in Polen und setzt ein starkes Zeichen gegen das strikte Abtreibungsgesetz.

Die Stärke der Frauen

Auf dem Cover ist Model und Aktivistin Anja Rubik zu sehen - nackt und in weinroten Stoff gehüllt. Auf ihrer Wange ist ein roter Blitz zu sehen. Es ist das Symbol der polnischen Pro-Choice-Bewegung. Der Titel der Ausgabe? Die Stärke der Frauen. "Alles, was Frauen in Polen betrifft, betrifft auch uns", heißt es in einem Statement. "Das war bei der ersten Ausgabe so und wird auch immer so bleiben".

"Reproduktionsrechte sind Menschenrechte"

Rubik, die das Cover übrigens selbst inszenierte, spricht sich auf Instagram für die DemonstrantInnen aus: Das Recht einer Frau, selbst zu entscheiden, sei der Gradmesser für eine progressive, funktionierende Gesellschaft. "Reproduktionsrechte sind Menschenrechte, sie garantieren die Freiheit, über unser Leben, unseren Körper, unsere Gesundheit und unser Schicksal zu entscheiden", schrieb das Model in ihrem Posting.

Verbote verhindern keine Abtreibungen

Dabei ist es mehr als fraglich, ob verschärfte Gesetze überhaupt die erwünschte Wirkung hätten: Denn Verbote verhindern keine Abtreibungen. Sie sorgen einzig dafür, dass Frauen diese unter fragwürdigen sowie unhygienischen Maßnahmen im Geheimen durchführen und somit ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen. Das beweist eine Analyse der Daten von Abtreibungen weltweit in den Jahren 1990 bis 2014 durch das Guttmacher-Institut.

Diese zeigt auf, dass in Ländern, wo eine Abtreibung komplett verboten ist, durchschnittlich 37 von 1000 Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren abgetrieben haben. In Ländern, wo eine Abtreibung jedoch erlaubt ist, ist diese Zahl sogar geringer: Nämlich durchschnittlich nur 34 Frauen von 1000 haben hier eine Schwangerschaft abgebrochen.

Abtreibung: Wie ist die Lage bei uns in Österreich?

Eine Abtreibung ist in Österreich GRUNDSÄTZLICH verboten. Aber: 1975 wurde die sogenannte Fristen- und Indikationslösung eingeführt. Die erlaubt den Schwangerschaftsabbruch zwar nicht, macht die Tat aber beim Vorliegen einer gewissen Frist oder Indikation (notwendiger medizinischer Eingriff) STRAFFREI. Vereinfacht gesagt: Innerhalb der ersten drei Monate kann eine Frau die Schwangerschaft abbrechen - die Beweggründe spielen dabei keine Rolle. Nur ein Beratungsgespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin ist notwendig.