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Was kostet deine Welt? Eine Polizistin über ihren Kontostand

Arbeiten, zahlen, leben: Wie viel verdient eigentlich eine Polizistin? Und wie viel bleibt am Ende des Monats übrig? Wir haben im Rahmen unserer Serie nachgefragt.

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Was kostet deine Welt? Eine Polizistin über ihren Kontostand
© Katharina Marsch

"Über Geld spricht man nicht" - das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsl schon wieder geblieben? Wie soll ich die Reparatur des Autos bloß bezahlen? Wie schaffen es andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt diese unnötige Verschwiegenheit ins Sachen Einkommen trägt dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen: Schluss damit, über Geld spricht man! Deshalb fragen wir im Rahmen dieser Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen: Was kostet deine Welt? Wie viel verdienst du? Was bleibt am Monatsende übrig? Im zehnten Teil der Serie haben wir eine Polizistin zum Interview gebeten.

Katharina Marsch ist 31 Jahre alt und arbeitet als Exekutivbeamtin in einer Polizeiinspektion im ersten Bezirk. Nach der AHS-Matura hat sich die gebürtige Wienerin für das Studium Raumplanung an der TU Wien inskribiert, dieses nach drei Semestern aber abgebrochen und im September 2008 mit der Polizeiausbildung begonnen. Seit drei Jahren lebt Katharina mit ihrem Freund in Schwechat und wurde vor einem Jahr Mutter einer Tochter.

Wie viel verdienst du monatlich?
Katharina: Mein Grundbezug beträgt 1.869,70 Euro brutto, wobei einige Zulagen hinzukommen (wie z.B. die Gefahrenzulage, Sonn- und Feiertagszulage). Aufgrund der Zulagen variiert das Gehalt monatlich. Weiters muss man immer auch Überstunden leisten, die ausbezahlt werden. Vor der Bekanntgabe meiner Schwangerschaft habe ich in dem Jahr 2017 durchschnittlich ca. 3300 brutto/2400 netto bei durchschnittlich ca. 25 Überstunden verdient. Nach der Bekanntgabe war ich im Innendienst und habe daher viele Zulagen verloren und Überstunden machte ich natürlich auch keine mehr. Da betrug mein Gehalt 2.640 brutto/1.850 netto. In der Karenz bekomme ich nun für ein Jahr monatlich 1.811 Euro. Wir haben das einkommensabhängige Karenzmodell 12 plus 2 gewählt. Ich bekomme zwölf Monate jeweils 80 Prozent meines durchschnittlichen Gehaltes des letzten Kalenderjahres vor der Geburt meiner Tochter (2017). Mein Freund, der ebenfalls Polizist ist, geht dann zwei Monate in Karenz. Er bezieht dann auch zwei Monate Kinderbetreuungsgeld in der Höhe von 80 Prozent seines Durchschnittsgehaltes. Ich gehe zwischenzeitlich Vollzeit arbeiten. Dieses Modell hat den Vorteil, dass man 14 Monate Kinderbetreuungsgeld bezieht, anstatt nur 12 Monate. Außerdem war es immer der Wunsch meines Freundes, auch in Karenz zu gehen. Nach Ablauf dieser zwei Monate werde ich jedoch wieder zehn Monate unbezahlt daheim sein. Schließlich kann man ja insgesamt bis zum zweiten Geburtstag des Kindes in Karenz gehen und das möchte ich auch in Anspruch nehmen. Mit wie vielen Stunden ich dann wieder ins Berufsleben einsteigen werde, weiß ich noch nicht. Bis dahin ist ja noch etwas Zeit.

Wie hoch sind deine Fixausgaben?
Katharina: Meine Fixausgaben für die Kreditzahlung unserer Eigentumswohnung, Handy und meine Lebensversicherungen betragen monatlich ca. 500 Euro. Die Kosten für Internet, Fernsehen, die Haushaltsversicherung, KFZ-Versicherung, die Betriebskosten, den Bausparvertrag und die private Krankenversicherung für meine Tochter betragen ebenfalls ca. 600 Euro. Die bezahlen mein Freund und ich von unserem gemeinsamen Konto, auf welches wir monatlich jeweils 250 Euro einzahlen. Das ist eigentlich zu wenig, um diese Kosten zu decken. Wir haben jedoch noch einen ausreichenden Betrag auf diesem Konto, da sich der zurückgezahlte Genossenschaftsbeitrag unserer letzten Wohnung darauf befindet. Irgendwann müssen wir natürlich mehr auf dieses gemeinsame Konto überweisen. Lebensmitteleinkäufe oder Essen in Restaurants zahlen wir abwechselnd. Größere Anschaffungen haben wir bis jetzt auch immer von dem gemeinsamen Konto abgebucht. Glücklicherweise haben wir fast alles, was Babyausstattung betrifft, von der Schwester meines Freundes gebraucht geschenkt bekommen.

Hast du eine private Pensionsvorsorge?
Katharina: Ja, ich habe sogar drei Lebensversicherungen und ich gebe dafür fast 300 Euro monatlich aus. Warum? Bei jedem Bankgespräch kam eine dazu (lacht).

Sparst du Geld und wie legst du es an?
Katharina: Ich glaube mit meinen Versicherungen bin ich ausreichend abgesichert.

Wie viel bleibt am Monatsende übrig?
Katharina: Ich habe mir bis jetzt kaum Gedanken gemacht, wie viel mir am Ende des Monats übriggeblieben ist, da mein Konto stetig angewachsen ist, während ich berufstätig war. Es ist natürlich auch abhängig davon, ob wir gerade auf Urlaub waren oder eine größere Anschaffung getätigt haben. Mit dem Karenzgeld komme ich gerade so aus, momentan spare ich also nichts. In den zehn Monaten, in denen ich nichts verdiene, wird dann natürlich mein Konto schrumpfen, ich gehe aber davon aus, dass es sich im Großen und Ganzen gut ausgehen wird. Natürlich muss ich in diesem Zeitraum auf jeden Fall mehr Übersicht über meine Finanzen gewinnen und ich muss generell in Zukunft mehr auf's Geld schauen, was ich bis jetzt zugegebenermaßen nicht wirklich getan habe. Aber als Familie ändert sich auch der Lebensstil. Vorher sind wir ca. vier Mal auf Urlaub gefahren bzw. geflogen. Das machen wir jetzt nicht mehr, auch haben wir nicht vor, in baldiger Zeit Flugreisen zu buchen. Auch gehe ich nicht mehr abends fort, wie ich dies früher häufiger getan habe und ich bin bei keinem Fitnesscenter mehr angemeldet. Was man auf diese Weise einspart, gibt man halt dann woanders aus. Ich hoffe aber, dass ich das gut in den Griff bekommen werde, ich arbeite bereits daran.

Bist du zufrieden mit deinem Gehalt?
Katharina: Ich bin zufrieden mit meinem Gehalt. Ich glaube auch, dass ich ausreichend verdienen werde, wenn ich nur mehr Teilzeit arbeite. Ich bin zuversichtlich, dass es sich gut ausgehen wird.

Weißt du, was deine KollegInnen verdienen?
Katharina: Da wir alle nach demselben Gehaltsschema bezahlt werden, verdienen wir alle das gleiche. Natürlich ist das Gehalt noch abhängig vom Dienstgrad und der Gehaltsstufe. Die Gehälter eines Polizeibeamten sind frei einsehbar.

Wofür gibst du gerne Geld aus?
Katharina: Im letzten Jahre habe ich gerne Geld für diverse Babykurse bzw. Mutter-Kind-Sportkurse ausgegeben und ich habe auch vor, weiterhin an solchen teilzunehmen, da es uns beiden großen Spaß macht.

Wofür würdest du gern mehr Geld haben?
Katharina: Ich würde beispielsweise für den Urlaub nicht die billigsten Quartiere wählen, sondern All-Inclusive-Unterkünfte mit Spa, aber da wir gerne mindestens einen Sommerurlaub und auch einen Skiurlaub machen, ist das finanziell nicht machbar. Ansonsten bin ich eigentlich ganz zufrieden.

Sprichst du im Freundeskreis über Geld?
Katharina: Ganz selten, aber nicht, weil es ein Tabuthema ist, sondern weil es einfach kein Thema ist, das für meinen Freundeskreis sonderlich interessant ist.

Gibt es sonstige Einnahmen?
Katharina: Ich bekomme Kindergeld in der Höhe von 172,40 Euro monatlich. Sonst gibt es keinerlei Einnahmen.

Was ist dein größter Luxus?
Katharina: Ich habe eigentlich keine teuren Hobbies, abgesehen von den Kursen vielleicht. Wir fahren ab und zu in die Therme und gehen gern, aber eher selten, essen.

Katharina Marsch (31), Polizistin

Würdest du von dir selbst behaupten, dass du gut mit Geld umgehen kannst?
Katharina: Ich glaube schon, dass ich gut mit Geld umgehen kann. Ich habe zwar keinen guten Überblick diesbezüglich, dennoch lebe ich nicht automatisch über meine Verhältnisse.

Kannst du dir die Dinge leisten, die du haben möchtest oder musst du auf etwas verzichten?
Katharina: Ich bin relativ genügsam. Mir fällt nichts ein, was ich gerne haben möchte, mir aber nicht leisten kann.

Würdest du lieber mehr verdienen oder eher weniger arbeiten und dafür halt auch weniger haben?
Katharina: Vor der Karenz hätte ich manchmal gerne lieber weniger gearbeitet, indem ich gerne weniger Überstunden gemacht hätte. Nach der Karenz kann ich meine Stundenanzahl frei wählen. Ich würde gerne ca. 1300 Euro netto verdienen wollen, wie viele Stunden ich dann arbeiten muss und ob das mit der Familie gut vereinbar ist, muss ich mir dann anschauen. Ich hätte gerne genügend Zeit für meine Familie und auch ausreichend Einkommen. Ich hoffe, ich schaffe diesen Spagat.

Und wie wichtig ist dir Arbeit generell? Welchen Stellenwert nimmt sie in deinem Leben ein?
Katharina: Mit der Geburt meiner Tochter ist natürlich die Arbeit in den Hintergrund gerückt. Trotzdem will ich nebenbei arbeiten gehen, nicht nur in finanzieller Hinsicht (Unabhängigkeit). Es ist auch ein guter Ausgleich. Mir ist zwar auch meine Freizeit sehr wichtig, aber ohne Arbeit könnte man diese sicher nicht so wertschätzen. Mein Arbeitsplatz befindet sich sowohl draußen im Freien, als auch drinnen vor dem Computer. Jeder Dienst ist abwechslungsreich und keine Amtshandlung ist gleich. Man hat viel mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun. Es gibt auch einen großen Unterschied zwischen den Tag- und Nachtdiensten. Ich würde meine Arbeit durchaus als interessant bezeichnen. Meine Arbeit erfordert Teamgeist und ich arbeite gerne mit meinen Kollegen zusammen. Ich bin schon gespannt, wie es sein wird, als Mutter für zwei Monate wieder Vollzeit zu arbeiten. Ich freue mich auf die Herausforderung.