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"Es ist für jeden was dabei": Porn Film Festival Vienna

Bald beginnt das erste Porno Film Festival in Wien. Wir haben mit OrganisatorInnen Jasmin Hagendorfer und Yavuz Kurtulmus über Pornos gesprochen.

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Porn Film Festival
© pornfilmfestivalvienna.at

Eine Frau mit Anus statt Mund ist die Hauptfigur des Eröffnungsfilms "Pieles". Und so beginnt das erste Wiener Porno Film Festival am 1. März fulminant! Dabei ist "Pieles" nicht einmal ein expliziter Sexfilm. Das Porn Film Festival will aber auch keine reine Sex-Beschau sein, sondern stellt sich die Frage, was Porno überhaupt ist.

Deshalb ist das Programm auch mit interessanten Vorträgen, Workshops, Doku- und Spielfilmen gespickt. Wir haben uns mit dem Festivaldirektor Yavuz Kurtulmus und der Kreativchefin Jasmin Hagendorfer über das Festival, feministische Pornos und die Probleme des Business unterhalten.

Yavuz Kurtulmus & Jasmin Hagendorfer / (c) PPFV

WOMAN: Hat das Wiener Porno Festival mit jenem in Berlin zu tun?

Yavuz Kurtulmus: Wir hatten schon seit einigen Jahren beim "Transistion Film Festival" eine Kooperation mit dem Porn Film Festival in Berlin und haben eine Pornonacht veranstaltet, die immer ausverkauft war. Letztes Jahr waren – wir das Core-Team – dann auch in Berlin beim Festival, um zu schauen, wie dort alles organisiert wird. Das Berliner Team hat uns auch bei vielen Dingen unterstützt und kuratiert zwei Screenings, bei denen sie das Beste aus zwölf Jahren Festival präsentieren.

WOMAN: Auf eurem Merch liest man die Frage: “What is Porn?” - ist das das Festival-Motto? Und was ist Porno überhaupt nach eurer Meinung?

Yavuz Kurtulmus: Genau, das ist die Leitfrage, die wir an unser Publikum stellen. Unsere persönliche Meinung soll dabei aber gar keine große Rolle spielen. Das ist auch der Grund, wieso wir das Festival mit dieser Frage starten. Wir wollen niemandem vorschreiben was Porno ist, sondern eine offene Diskussion darüber starten. Das Festivalprogramm ist aus diesem Grund auch sehr divers gestaltet und es gibt nicht immer nur expliziten Porno zu sehen, sondern auch Dokumentationen, Spielfilme und zusätzliche Events.

»"Für alle ist beim Festival was dabei"«

WOMAN: Viele Produktionen, die sich mit experimentellen Porno-Konzepten beschäftigen, nennen sich “feministische Pornos”. Was bedeutet feministisch in diesem Zusammenhang?

Jasmin Hagendorfer: Feministische Pornoproduktionen zeigen, dass sehr wohl auch die -Lust und das sexuelle Empfinden der Frau im Zentrum stehen kann und dass Porno auch frauen-, gender- und letztendlich männerfreundlich sein kann. Außerdem stehen viele feministische Produktionen für faire Arbeitsbedingungen, Mitspracherecht und Konsens, die es bei Mainstream Produktionen oft nicht gibt. Es ist wichtig zu zeigen, dass Pornos von Frauen* für Frauen* produziert werden und dass sie auch auf ein breites Publikum treffen

WOMAN: Wer ist das Zielpublikum eines Porno Festivals mit diesem Kaliber?

Yavuz Kurtulmus: Yavuz: Wir wünschen uns natürlich, dass unser Publikum die Diversität des Programms widerspiegelt – denn für alle ist beim Festival was dabei.

WOMAN: Das Porno-Business hat in den letzten Monaten einige Schicksalsschläge ertragen müssen. Einige Darstellerinnen sind innerhalb kurzer Zeit gestorben. Dies malt ein Bild von einem Business, in dem junge Frauen verglühen und an Drogensucht und Depressionen zugrunde gehen. Was muss sich ändern? Wo sind die Probleme?

Jasmin Hagendorfer: Es muss sich sehr viel ändern. Abgesehen von den bekannten Problemen innerhalb des Business, muss sich aber vor allem die Art der Rezeption ändern. Unser Pornoverhalten ist ja letztendlich dafür verantwortlich, was und wie produziert wird. Es muss in der gesamten Gesellschaft ein Bewusstsein dafür entstehen, welche Strukturen und gesellschaftlichen Machtverhältnisse hinter solchen Produktionen stehen.

»"Pornos können auch frauen-, gender- und letztendlich männerfreundlich sein."«

WOMAN: Welche Veranstaltung beim PPFV würdest du für AnfängerInnen empfehlen?

Yavuz Kurtulmus: Um sich mal einen Überblick zu verschaffen, kann man sich die “Intro Shorts” anschauen gehen. Falls man sich nicht sicher ist, ob man sehr expliziten Sex im Kino anschauen mag, kann man sich auch die Dokumentation “Addicted to Porn”, den Film “Pieles” oder “Sex Cowboys” ansehen. Außerdem gibt es viele spannende Diskussionen und Side Events. Wie gesagt, es ist wirklich für alle was dabei.

WOMAN: Kann man schon sagen, dass Porno die Schmuddelecke verlassen hat, oder ist das noch ein langer Weg?

Jasmin Hagendorfer: Das kommt darauf an, von welchem Porno man spricht. Das Genre Porno bricht bereits seit Jahrzehnten immer mehr auf und öffnet sich einem breiteren Publikum. Es gibt viele sexpositive Produktionen, die nichts mit der Schmuddelecke zu tun haben, die versuchen einen anderen Weg zu gehen. Schaut man sich aber im Mainstream Business um, ist der Weg noch sehr lang.

Themen: Report, Porno

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