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Sex, Porno & junges Gemüse

Vaginas, rosig und glatt wie Pfirsiche, beängstigend lange Penisse, Frauen, die immer Lust haben: Ein Video räumt mit den Porno-Klischees auf. Lustig – aber mit ernstem Hintergrund.

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Was uns die Porno-Industrie als "echten Sex" vorgaukelt

Porno unterscheidet sich von "realem" Sex – unter diesem Motto verbreitet sich derzeit ein fantastisches Video wie ein Lauffeuer im Web. Denn der Clip, der bei YouTube bereits über 5,6 Millionen mal aufgerufen wurde, räumt mit den gängigen Klischees aus Porno-Filmen auf (Linktipp: Porno-Stars ungeschminkt).

Anhand von Küchengerätschaften und Lebensmitteln (eine Salatgurke symbolisiert etwa den Penis; Avocados, Papaya und Pfirsiche die unterschiedliche Optik von Vaginas) wird auf charmante Weise die Sexfilm-Industrie auf die Schippe genommen.

Zum Beispiel, dass Porno-Star-Penisse ausnahmslos um mehrere Zentimeter länger sind als ein "normaler Penis". Oder dass die Geschlechtsteile in Sexfilmchen so gut wie nie behaart, sondern babyglatt sind – in der Realität jedoch 65% aller Frauen und 85% der Männer ihren Intimbereich noch nie rasiert haben. Während in Pornofilmen die männlichen Darsteller mit schier unendlichem Stehvermögen ausgestattet sind, ejakuliert das Gros der Kerle im "echten Leben" nach drei Minuten.

Immerhin, so erfahren wir dank eines gefesselten Huhns, haben bereits 40% aller Menschen Erfahrung mit Bondage, also erotischen Fesselspielchen, gesammelt.

Generation Porno

Doch auch wenn der Clip dank seiner humorigen Machart Schmunzeln macht, so hat er doch einen bitterernsten Hintergrund. Viele Jugendliche unterscheiden nicht zwischen der Welt der Pornos und der normalen Welt. Sie beziehen einen wesentlichen Teil ihrer Sexual-Bildung von Porno-Rappern oder aus kostenlos und jederzeit erhältlichen Sexfilmen (etwa via Youporn ).

Zwar sind Pornos nichts neues und wurden immer schon von Teenies heimlich konsumiert – doch heutzutage wird oft nicht mehr gefiltert. Die Kids wachsen in Familien auf, in denen nicht über Sex, Liebe und Pornographie gesprochen wird und dadurch die Bilder als etwas Irreales eingeordnet werden können. So küssen sich viele Jugendliche nicht mehr - weil im Porno nicht geküsst wird. Sie verhüten nicht - weil im Porno nicht verhütet wird. Im schlimmsten Fall können die in Pornos präsentierten Stereotype dazu führen, dass (vor allem) Mädchen ihre eigenen Vorlieben ignorieren und sich zu Sexpraktiken bereit erklären, die sie eigentlich gar nicht wollen. Denn verschiedene Stellungen und ungewöhnliche Praktiken werden mit der Qualität von Sex gleichgesetzt.

In dem schockierenden Buch "Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist" beschreiben die Autoren Bernd Siggelkow und Wolfgang Büscher, dass 15-Jährige selbstgedrehte Pornos auf dem Schulhof tauschen, 17-jährige Mädchen stolz auf ihre 50 Liebhaber seien oder ein nicht unerheblicher Anteil der Jugendlichen sein "erstes Mal" in Form eines Gangbangs (Gruppensex) erlebt.

Insoferne sollte der Clip vor allem Eltern wachrütteln, sich mit ihren Kindern (so unangenehm dies für beide Seiten auch sein mag) einmal über die Klischees und Stereotypen zu unterhalten...