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Was kostet deine Welt? Eine Buslenkerin über ihren Kontostand

Arbeiten, zahlen, leben: Wie viel verdient eine Postbuslenkerin? Und wie viel bleibt am Ende des Monats übrig? Wir haben im Rahmen unserer Serie nachgefragt.

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Was kostet deine Welt? Eine Buslenkerin über ihren Kontostand
© Michael Mazohl

"Über Geld spricht man nicht" - das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsl schon wieder geblieben? Wie soll ich die Reparatur des Autos bloß bezahlen? Wie schaffen es andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt diese unnötige Verschwiegenheit ins Sachen Einkommen trägt dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen: Schluss damit, über Geld spricht man! Deshalb fragen wir im Rahmen dieser Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen: Was kostet deine Welt? Wie viel verdienst du? Was bleibt am Monatsende übrig? Im elften Teil der Serie haben wir eine Postbuslenkerin zum Interview gebeten.

Claudia Mairhofer, 48, ist dreifache Mutter (31,27 & 20), wohnt mit ihrem Mann in Wien-Simmering und arbeitet seit 2008 Vollzeit als Buslenkerin in Niederösterreich. Nach ihrem Pflichtschulabschluss startete die Wienerin eine Lehre als Tapeziererin, brach diese jedoch nach zwei Jahren ab, weil ihre erste Tochter auf die Welt kam. Später arbeitete sie im Verkauf. Ein schwerer Schicksalsschlag warf ihr Leben 2001 völlig aus der Bahn: Claudias achtjähriger Sohn kam bei einem Straßenbahnunfall ums Leben. Erst Jahre später entschied sich die 48-Jährige -inspiriert von ihrem Mann, der ebenfalls Buslenker ist, für einen neuen Job. 2014 hat sie die Lehre zur Berufskraftfahrerin abgeschlossen.

Warum wolltest du Buslenkerin werden?
Claudia: Die Zeit nach dem Unfall meines Sohnes war unglaublich schwierig. Sieben Jahre habe ich mich hauptsächlich um meine anderen drei Kinder gekümmert und war nicht berufstätig. Mein Mann hat mir dann dabei geholfen, etwas Neues auszuprobieren. Ich bin immer gerne Auto gefahren und wollte deshalb mein Hobby zum Beruf machen. Ich mag es, unterwegs zu sein. Ich sitze nicht vor einem Bildschirm und habe mit den unterschiedlichsten Leuten zu tun.

Wie viel verdienst du monatlich?
Claudia: Mein Bruttogehalt beträgt 2.166,73 Euro. Davon bleiben mir netto mit Zulagen rund 2.058 Euro übrig.

Bist du zufrieden mit Ihrem Gehalt?
Claudia: Nein, leider nicht. Ich arbeite im Schichtbetrieb. Teilweise beginnt mein Dienst um 4 Uhr früh, an anderen Tagen fahre ich bis Mitternacht. Eine Schicht dauert neun bis zehn Stunden, das ist anstrengend. Und wenn man die Verantwortung, die ich trage, und den Stress, dem ich ausgesetzt bin, berücksichtigt, ist es zu wenig.

Wie hoch sind deine Fixkosten?
Claudia: Rund 1.000 Euro gehen im Monat für Fixausgaben drauf. Für die Genossenschaftswohnung zahlen wir 780 Euro Miete, hinzu kommen noch Versicherungen, Kosten fürs Auto, Garage, Strom, Handy und Internet. Für Lebensmittel, Kleidung und Freizeitaktivitäten brauche ich sicher nochmal rund 1.000 Euro. Wir haben außerdem zwei Hunde, ich teile mir die Ausgaben mit meinem Mann.

Wie viel bleibt am Monatsende übrig?
Claudia: Nicht sehr viel. Etwa 100 Euro.

Wie legst du dein Geld an?
Claudia: Wir besitzen ein Sparbuch. Sollte wirklich einmal etwas passieren, sind wir damit abgesichert. Den Bausparer haben wir vor einigen Jahren aufgelöst, weil meine älteste Tochter (31) und mein Sohn (27) ausgezogen sind und finanzielle Unterstützung gebraucht haben. Ich möchte aber noch eine Sterbeversicherung anlegen. Bei meinem Sohn hat man gesehen, wie schnell das gehen kann. Und ich möchte nicht, dass meine Kinder deshalb finanziell in Schwierigkeiten geraten.

"Oft beginnt mein Dienst um 4 Uhr früh, an anderen Tagen fahre ich bis Mitternacht." Dennoch liebt sie ihren Beruf und engagiert sich als Betriebsrätin.

Wie wichtig ist es dir, ein Vermögen aufzubauen?
Claudia: Eigentlich gar nicht. Wir investieren unser Geld lieber für ein neues Auto oder in die Wohnungseinrichtung. Ich lebe jetzt und will auch etwas davon haben. Erst letztens haben wir uns ein neues Bett um 2.000 Euro gekauft. Unsere jüngste Tochter (20) macht gerade ihre Lehre fertig und ist vor Kurzem ausgezogen. Auch sie braucht noch unsere Hilfe.

Wofür gibst du gerne Geld aus?
Claudia: Für Kleidung und Urlaube. Ich gehe gerne shoppen, ein Stück darf da auch schon mal 100 bis 150 Euro kosten. Mein Mann und ich machen zudem oft spontane Kurztrips, wenn wir beide frei haben. Zuletzt waren wir in Paris und Nizza.

Weißt du, was deine Kollegen und Kolleginnen verdienen?
Claudia: Ja, wir bekommen alle das Gleiche. Das finde ich so toll an diesem Job. Männer und Frauen werden für die gleiche Leistung gleich bezahlt.

Welchen Stellenwert nimmt die Arbeit in deinem Leben ein?
Claudia: Der Job ist sehr wichtig für mich. Ich liebe meinen Beruf, mir liegt diese Firma am Herzen, und ich tausche mich oft mit Kollegen aus. Deshalb engagiere ich mich auch in der Gewerkschaft. Meine Familie steht aber im Vordergrund.