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Powerfrau am Sprung: Freerunnerin
Pamela Obiniana in der Männerdomäne

Sie nutzen jeden Baum, Gerüste oder Brunneneinfassungen für ihre spektakulären Salti und Sprünge und ziehen damit die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich. Freerunner machen die Welt zu ihrem ganz privaten Hindernisparcours. Im WOMAN-Interview erzählt Österreichs bekannteste Freerunnerin vom Trendsport aus Frankreich und von ihrer Motivation, die sie gerne weitergeben möchte. Das Interview finden Sie in WOMAN 10/2010, online gibt es jetzt ergänzend noch mehr Infos.


Powerfrau am Sprung: Freerunnerin
Pamela Obiniana in der Männerdomäne
© Patrick Domingo

In den französischen Vorstädten der 1980er-Jahre entstand die Sportart Parkour. Ziel ist es, auf dem schnellsten und direktesten Weg von A nach B zu kommen. Hindernisse werden dabei nicht umgangen sondern überwunden. Sébastien Foucan entwickelte daraus Freerunning, bei dem die Hindernisse kreativ in den Lauf eingebaut werden. Seit einigen Jahren breitet sich der Sport in ganz Europa und auch Amerika aus. Breakdance, Slacklining oder der brasilianische Kampftanz Capoeira sind verwandte Disziplinen, die auch auf Österreichs Plätzen und in Parks immer öfter zu sehen sind. Viele dieser Sportarten sind von Männern dominiert, die 23-jährige Sportstudentin Pamela Obiniana ist eine von ganz wenigen Frauen im Freerunning. Als Kunstturnerin ist sie mit Saltos und komplizierten Sprüngen aufgewachsen, für den Trendsport und seine neuen Herausforderungen trainiert sie zur Zeit fünf mal pro Woche.

WOMAN: Sehen Sie als Freerunnerin die Welt anders?

Obiniana: Ja, auf jeden Fall. Ständig schaue ich mich um und überlege, wie man welche Stange, dieses Gerüst, jenen Baum, einen Brunnen oder platzgestaltende Elemente zum Freerunning nutzen könnte. Ich hole mir überall Impulse für meine Moves. Die Beschaffenheit der Umgebung ist auch wichtig. Es ist etwas völlig anderes, in der Halle zu trainieren und auf der Matte zu landen, als dann im Freien auf einer Asphaltfläche oder einer harten Wiese zu landen. Das Abspringen und Landen trainiere ich besonders intensiv, weil ich da noch sehr wenig Erfahrung habe. Im Kunstturnen, von wo ich herkomme, gilt eine Rolle am Ende eines Sprungs als Sturz, im Freerunning ist sie absolut notwendig, um Verletzungen bei der Landung zu vermeiden.

WOMAN: Welche Regeln gelten beim Freerunning?

Obiniana: Das ist das Schöne daran, es gibt keine Regeln. In erster Linie ist die eigene Kreativität gefragt, damit entwickelt man seinen ganz persönlichen Style. Das Gute daran ist auch, dass man jederzeit einsteigen kann, egal wie viel man schon kann. Klar wird es schwierig sein, wenn man nie sportlich war. Wenn man sich aber prinzipiell gerne bewegt und hart trainiert, kann man alles schaffen. Das finde ich am Sport generell ja auch so motivierend.

WOMAN: Der Sport klingt doch recht gefährlich, gibt es irgendetwas, das Sie nie machen würden?

Obiniana: Die Sicherheit ist mir sehr wichtig, die steht immer an erster Stelle. Ich wärme mich auch sehr gut auf, dann ist die Verletzungsgefahr geringer und wenn ich mir nicht sicher bin, einen Sprung oder eine Bewegung bis zum Ende durchziehen zu können, dann mache ich es nicht. Von sehr großen Höhen springe ich auch nicht hinunter, Maximum sind zwei Meter. Ich möchte ja, dass meine Knie später noch heil sind. Darum habe ich mich Gott sei Dank noch nie verletzt. Die kleine Zehe hab ich mir einmal gebrochen, aber das ist ja wirklich nicht tragisch.

WOMAN: Können Sie sich vorstellen, Freerunning auch professionell zu machen? Gerade im Werbebereich gibt es da sicher einen Markt dafür.

Obiniana: Ich habe schon öfter bei Werbeproduktionen mitgemacht, aber hauptberuflich will ich das nicht. Ape Connection ( der Verein, in dem Obiniana trainiert, Anm. ) bietet Shootings, Showeinlagen, Stunts und ähnliches an, das ist sehr professionell aufgezogen und der Verein verdient auch Geld damit, ich betreibe das aber nur nebenbei. Persönlich möchte ich ins Sportmanagement, darum studiere ich ja auch Sportwissenschaften. Ich finde es einfach toll, wie sehr man mit Sport Menschen motivieren kann. Man darf auch den sozialen Aspekt nicht unterschätzen. Ein Sportverein ist für mich wie eine Familie, er kann vielen Menschen eine Art Heimat geben. Vor allem für Jugendliche finde ich das extrem wichtig. Es gibt so viele junge Menschen, die nicht wissen, was sie mit ihrer freien Zeit machen sollen. Die Energie, die da vorhanden ist, kann im Sport hervorragend kanalisiert werden. Ich möchte möglichst viele Menschen, Kinder und Jugendliche zu Sport motivieren. Ich gebe auch selber ehrenamtlich Kurse, da kann ich meine Begeisterung am besten weitergeben.

Tipp: In Österreich gibt es mehrere Freerunning-Vereine, unter folgenden Adressen gibt es nähere Infos:
www.apeconnection.com
www.aff-stp.at
www.ll-acrobatics.at

LESEN Sie das gesamte Interview in WOMAN 10/2010!

Redaktion: Pia Kruckenhauser

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