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Primaballerina Karina Sarkissova im WOMAN- Talk über ihren Mann, Haushalt & Co.

Karina Sarkissova. Beim Anblick ihrer Nacktfotos hat schon mancher Mann gesabbert. Doch was steckt für ein Mensch hinter der skandalösen Primaballerina? WOMAN besuchte sie zuhause…


Primaballerina Karina Sarkissova im WOMAN- Talk über ihren Mann, Haushalt & Co.
© Roland Ferrigato

Im hautengen Kleid und offenen Haaren, die bis zum Po reichen, öffnet uns Karina Sarkissova, 27, die Tür zu ihrer Wohnung in Wien-Fünfhaus. Seit der Veröffentlichung anzüglicher Aktfotos in einem Männermagazin und ihrem hochkantigen Rauswurf aus dem ehrwürdigen Haus am Ring (inzwischen ist sie wieder eingestellt), hat die blonde 1,70 Meter große und 50 Kilo leichte Russin über Nacht Promistatus erlangt – kein Wunder bei soviel Sexappeal. „Dabei habe ich diese Bilder gar nicht gemacht, um zu provozieren! Nach elf Jahren an der Staatsoper schlich sich nur etwas Langeweile ein und nachdem ich auch auf der Bühne schon öfter ‚oben ohne’ zu sehen war, dachte ich, mit so einem Shooting kann ich sicher jene Leute begeistern, für die Ballett bloß Gehopse in weißen Strumpfhosen ist. Und es ist mir gelungen. Das Haus ist nun voll!“, freut sie sich und tänzelt barfuss durch die Wohnung, die voll mit selbstgemalten Bilder, verschlissenen Ballettschuhen und Tütüs ist. Was ihr Mann Wolfgang Rudroff, 42, - er ist in der Baubranche tätig – und Sohn Gabriel, 8, zu ihrer neuen Popularität sagen, warum sie in Wahrheit ein Moralapostel ist, aber sich hin und wieder doch in andere Männer verliebt, hat sie uns verraten…

WOMAN: Wie geht es Ihrem Mann, wenn sich fremde Herren an Ihren Aktfotos erfreuen?

Sarkissova: Wolfgang und ich sind seit zehn Jahren verheiratet. Er weiß, dass auch Ballettchoreographien sehr erotisch sein können. Er hat mich oft in solchen gesehen. Unsere Ehe würde nicht funktionieren, wenn er jedes Mal ausrasten würde, wenn ich auf der Bühne einen anderen küsse. Insofern haben ihn die Bilder nicht schockiert. Sie gefallen ihm sehr und er weiß ja, dass die anderen Männer nicht angreifen können, was sie sehen. Mein Körper gehört nur ihm!

WOMAN: Kennen gelernt haben Sie sich in der Disko “Nachtschicht” in Kagran. Da waren Sie 17. Hat Wolfgang Sie damals auch schon so offenherzig erlebt?

Sarkissova: Nein, ich bin neuen Menschen gegenüber immer sehr vorsichtig. Doch er hat mein Vertrauen sofort gewonnen. An jenem Abend war mir nach einer Vorstellung zum Partymachen in der „Nachtschicht“ zumute. Wer ständig diszipliniert sein muss, bricht ab und zu gerne aus! Ich hatte großen Durst und er lud mich auf einen Drink ein und begann mir von seinen Pferden zu erzählen. Denn damals war er noch Berufsreiter. Ich dachte: Wenn einer so ein großes Herz für Tiere hat, kann er kein schlechter Mensch sein. Kaum war ich 18, haben wir geheiratet.

WOMAN: Sind Sie jungfräulich in die Ehe gegangen?

Sarkissova: (lacht) Ich hatte schon Freunde davor. Aber ich war immer sehr, sehr wählerisch. Als Tänzerin hat man sich selbst so gern, man stellt sich so besonders dar, dass man sich nicht jedem Typen hingeben möchte. Dafür bin ich mir zu schade. Ich ließ mich auf sexuelle Beziehungen immer nur ein, wenn ich wusste: auch ich habe etwas davon. Und Gefühl ist mir da sehr wichtig! Wolfgang und ich kannten uns bereits ein Jahr lang, bevor wir uns das erste Mal geküsst haben. Intimer berührt haben wir uns erst knapp vor der Hochzeit…Er schenkte mir seine Zeit, seine unendliche Geduld, ohne nur irgendetwas dafür zurück zu bekommen.

WOMAN: Raffiniertes Spielchen!

Sarkissova: Nein, das war ehrlich. Ich habe lang gebraucht, um mich für seine Liebe zu öffnen. Doch nach einer gemeinsamen Reise nach Moskau wusste ich: ich sterbe, sollte ich ihn je verlieren! Da wurde mir bewusst: Wolfgang nimmt und liebt mich so wie ich bin. Ich konnte im ausgeleierten Pyjama neben ihm sitzen und Nudeln aus dem Topf essen – er fand mich hinreißend! Das hat mich alles sehr entspannt, denn bei den Männern davor stand ich immer unter Strom, machte ich mich stundenlang hübsch um zu gefallen und achtete permanent darauf ja nichts falsch zu machen. Wolfgang hat für mich sogar bis zur Ehe mit dem Sex gewartet! Die Nächte davor haben wir nur geredet und gekuschelt. Diese Beziehung ist magisch! Wir mögen uns als Menschen…

WOMAN: Wie war dann das erste Mal? Im Kopf müssen sich da doch die tollsten Vorstellungen und Erwartungen aufbauen! War da die Enttäuschung vorprogrammiert?

Sarkissova: Mit meinem Mann hatte ich den ersten schönen Liebesakt in meinem Leben. Das verbindet sehr! Und er hatte genug Erfahrung.

WOMAN: Kriegen Sie jetzt unmoralische Angebote?

Sarkissova: Nein, das traut sich keiner. Die Männer wissen: ich bin seriös und keine für eine schnelle Nummer.

WOMAN: Wollen Sie mit Ihrem Mann noch weitere Kinder?

Sarkissova: Nachdem Wolfgang aus seiner geschiedenen Ehe und einer langen Beziehung vor mir keine Kinder hat, ja! Denn Gabriel soll nicht wie ich als Einzelkind aufwachsen. Aber momentan läuft es karrieremäßig sehr gut und mit einem Baby ging das jetzt nicht. Ich trainier ja den ganzen tag und abends habe ich Vorstellungen. Aber bis 40 oder so habe ich ja noch Zeit.

WOMAN: Wenn sie zuhause sind: Kochen Sie Gabriel dann ein Essen und machen Hausaufgaben mit ihm?

Sarkissova: Kochen tut mein Mann. Er kann das viel besser als ich. Ich liebe seine Steaks! Bis vor kurzem hatten wir eine Nanny, doch jetzt schaut in meiner Abwesenheit meine Mutter Elena auf Gabriel. Sie lebt seit einem Jahr in Wien. Ich kontrolliere in der Nacht die Aufgaben, wenn er schon schläft.

WOMAN: Und was tun Sie im Haushalt?

Sarkissova: Nicht viel (lacht) Ich sorge für ein heimeliges Gefühl – zum Beispiel mit meinen Bildern – und für das Unterhaltungsprogramm. Mein Mann und Gabriel lieben es, mich auf diverse Promi-Events zu begleiten. Denn kann nun unser Sohn die Stars aus dem Fernsehen hautnah erleben. Wolfgang ist dann mein Beschützer. Was der Arme mit mir und meinen Stimmungsschwankungen durchmachen muss, ist schon beachtlich!

WOMAN: Das heißt also: Gibt’s Drama auf der Bühne, folgt die Fortsetzung auch oft daheim?

Sarkissova: Ja! Ich kann nicht so schnell zwischen den Emotionen umschalten. Meine rollen massakrieren mein Gehirn ständig! Und ich liebe es in jede Rolle mein ganzes Herzblut hineinzulegen. Aber wenn ich so bin, wirft Wolfgang einen Blick in den Kalender und liest dann: „Ah, morgen der große Auftritt. Das erklärt einiges…“ Aber wir hatten auch schon große Krisen. In zehn Jahren gibt es immer wieder Phasen, wo man sich gegenseitig nicht mehr so intensiv will. Ich habe mich schon öfter in Bühnenpartner verliebt…

WOMAN: Und was tun Sie, wenn Sie das Verlangen nach einem fremden Mann spüren?

Sarkissova: Dieses blitzartige Verliebtsein ist bisher immer schnell verschwunden. Und selbst der Reiz des Neuen kann mein Gefühl von Nachhausekommen nicht überbieten. Wenn ich in Wolfgangs Armen versinke und er am Sofa meine Waden massiert, überbrücken wir jede emotionale Distanz. Das bringt mich zurück zu ihm. Ich vertraue darauf, dass wir uns niemals verlieren.

WOMAN: Apropos Verlust: Ihr Vater starb, als Sie 12 waren nach einer Operation an Herzversagen.

Sarkissova: Ja, er war gerade einmal 34. Er hat als Ingenieur gearbeitet, meine Mutter war Hausfrau. Als er starb, war wir in einem finanziellen Loch. Meine Mutter konnte die Wohnung in Moskau und meine Ballettstunden – ich tanze seit ich vier bin - nicht erhalten. Wenige Monate später kam dann der Anruf vom Bolschoitheater, dass ich ein Tanz-Stipendium bekomme für das Ballettkonservatorium in St. Pölten. Und so kam ich nach Österreich. Und schließlich an die Wiener Staatsoper.

WOMAN: In den letzten zehn Jahren haben Sie sechs Mal den Opernball eröffnet. 2011 vielleicht im Evakostüm?

Sarkissova: Das steht noch nicht fest. Aber fix bin ich bei den Wiener Festwochen im Mai für „Rigoletto“ gebucht. Und freue mich nach meiner Minirolle in „Kottan ermittelt“ auf weitere Engagements. Es war echt schön, mal auch den Mund aufmachen zu dürfen und nicht nur Emotion über den Körper auszudrücken. Es dürfen gerne dramatische, überraschende Rollen sein. Zum Beispiel die frustrierte Ehefrau! In der Oper spiele ich immer die Intrigantin oder verführerische Schlampe. Das wird mir automatisch zugeteilt. Vermutlich wegen meiner blonden Haare und meinen Augen. Ich würde mich freuen, wenn mal jemand mein wahres Wesen erkennt.

WOMAN: Zum Eisstockschießen kamen Sie in hochhakigen Overknee-Stiefeln und Pelzmantel. Sind Sie eine Modepuppe?

Sarkissova: Ich liebe chice Abendkleider und Schuhe, aber das gönne ich mir nur alle paar Monate. Definitiver Mangel besteht bei warmen Pullis. Genau die würde ich jetzt brauchen. Aber der Hang zum Glamour ist wohl typisch für uns Russen (lacht) . Genauso wie das Genießen beim Essen und Trinken! Ich trinke leidenschaftlich gerne Bier…Und im Sommer völlere ich richtig. Da habe ich meist fünf Kilo mehr. Meinem Mann gefällt, wenn ich nicht so knöchern bin und er was zum Hinfassen hat.

WOMAN: Was bedeutet dieses Tattoo auf Ihrem linken Handgelenk eigentlich?

Sarkissova: Das ist eine Art Schwert. Wolfgang ließ sich das gleiche stechen. Und das hier am Nacken gefiel meiner Mutter so gut, dass auch sie es sich tätowieren ließ.

WOMAN: Hat Sarkissova eine Bedeutung?

Sarkissova: Nein. Es ist ein alter armenischer Name, der auf den Ursprung Sarkission zurückzuführen ist. So heißt übrigens auch Pop-Sängerin Cher. Aber wird sind nicht verwandt (lacht) .

WOMAN: Glauben Sie an Schicksal?

Sarkissova: Ich glaube an eine höhere Energie, die uns leitet, aber auch manchmal für etwas bestraft, wenn wir übermütig werden. Ich glaube, meine kurzfristige Entlassung war so ein Fingerzeig von oben. Aber nicht wegen der Fotos, sondern weil ich mein Talent, meinen Beruf, nicht mehr geschätzt habe und unzufrieden war. Für mich war das alles eine höhere Lektion.

MEHR zu Karina Sarkissova finden Sie in WOMAN 26/2010!

Interview: Petra Klikovits