Ressort
Du befindest dich hier:

Das Problem mit dem weiblichen Orgasmus

Nur 65 Prozent der heterosexuellen Frauen kommen beim Sex zum Orgasmus, während es bei den heterosexuellen Männern 95 Prozent sind. Aber das ist noch nicht das Problem, das wir hier meinen.

von

Das Problem mit dem weiblichen Orgasmus
© iStock/Artem Furman

Hand aufs Herz: Wer hat noch nie einen Orgasmus vorgetäuscht? Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein. Etwa, dass einem die Sache schon viel zu lange dauert und man eigentlich gar keine Lust mehr hat. Oder man merkt: Heute wird das einfach nix (auch die Gründe dafür können vielfältig sein - von zu viel Stress im Kopf bis hin zu einem untalentierten Partner). Soweit so einfach, wenn einen der Sex-Partner auf der Gefühlsebene kalt lässt. Aber wenn man den anderen gern hat, macht man oder besser gesagt frau sich wahrscheinlich sehr wohl Gedanken darüber, ob ein "Bitte hör ma auf, des wird nix" nicht evtl. seine Gefühle verletzen würde? Eben. Und genau an dieser Stelle kommen wir dem Problem mit dem weiblichen Orgasmus näher.

Und damit meinen wir noch nicht mal das allergrößte Problem - nämlich dass nur 65 Prozent der heterosexuellen Frauen beim Geschlechtsverkehr einen Orgasmus haben, während es bei den heterosexuellen Männern 95 Prozent sind. Das Problem, über das wir heute reden wollen, ist das männliche Selbstbewusstsein. Denn laut einer Studie im Journal of Sex Research wird das "Männlichkeitsgefühl" dadurch verstärkt, wenn man eine Frau zum Orgasmus bringen kann. Das gilt laut Studie insbesondere für jene Männer, die unsicher sind.

Weiblicher Orgasmus: Gut fürs männliche Ego

Die Studie, untersuchte die Reaktionen von 810 heterosexuellen Männern ab 18 Jahren mittels einer "Imagined Orgasm Übung". Die funktionierte folgendermaßen: Die Männer wurden aufgefordert, sich vorzustellen, Sex mit einer ihrer Meinung nach attraktiven Frau zu haben um dann den ForscherInnen zu sagen, wie sie sich in den verschiedenen Szenarien fühlten. "Männer geben an, dass der Orgasmus von Frauen eine der sexuell befriedigendsten Erfahrungen ist, die sie haben können", so die Autorinnen der Studie, Sara B. Chadwick und Sari van Anders, beide von der University of Michigan in einem Gespräch mit PsyPost.

Interessanterweise war es den Männern dabei relativ egal, ob die Frauen mit vorhergehenden Partnern Orgasmen hatten oder nicht. Ebenso unerheblich war Gleichberechtigung innerhalb einer Beziehung. Was aber sehr wohl eine Auswirkung hatte war, wie entspannt oder gestresst sich der Mann hinsichtlich der Geschlechterrollen fühlte: Etwa, ob er sich von einer erfolgreichen Arbeitskollegin bedroht fühlte oder nicht.

Weibliche Sexualität im Dienste der Männlichkeit?

Insofern fragen sich die Autorinnen der Studie, ob diese Ergebnisse nicht darauf hindeuten könnten, dass es beim weiblichen Orgasmus weniger um die Lust der Frau, als um die Stärkung des männlichen Ego geht: "Dies deutet darauf hin, dass aktuelle Erzählungen über den Orgasmus von Frauen tatsächlich eine Neuverpackung der Sexualität von Frauen im Dienst von Männern widerspiegeln. Ähnlich wie es die Sexualität von Frauen in der Vergangenheit gewesen ist."

Die Ergebnisse dieser Studie werden außerdem durch eine ältere Studie gestützt, die nachgewiesen hat, dass Männer, die es nicht schaffen Frauen zum Orgasmus zu verhelfen, durch diesen Umstand Depressionen davon tragen können. Wissenswert ist in dem Zusammenhang aber auch, dass die Teilnehmer der aktuellen Studie im Durchschnitt 25 Jahre alt waren und Männer in diesem Alter häufiger Single sind, als ältere Semester. Und jene, die in einer stabilen Partnerschaft sind, hätten möglicherweise weniger Druck, ihre sexuellen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, als junge Männer.

"Wunderbarer Teil der Sexualität"

Aber, was heißt all das nun in der Praxis für unsere Orgasmen? Wohl hoffentlich nicht, dass sich Männer nicht mehr darum kümmern sollten, wenn es hauptsächlich ihrem eigenen Ego zu Gute kommt? "Natürlich nicht!", lautet die Antwort der Forscherinnen. "Aber sie sollten sozusagen nicht als eine weitere 'Kerbe auf dem Bettpfosten' angesehen werden. Frauenorgasmen sollten - wenn sie erwünscht sind - als wunderbaren Teil der Sexualität erlebt werden. Aber nicht als Trophäe oder als etwas, das dazu da ist, Männern Bestätigung zu verleihen."

Thema: Sex & Erotik

WOMAN Community

Deine Meinung ist wichtig! Registriere dich jetzt und beteilige dich an Diskussionen.

Jetzt registrieren!

Schon dabei? .