Ressort
Du befindest dich hier:

Eltern aufgepasst: Das sollte euer Kind lernen!

Eltern sind häufig mit dem Medienkonsum ihrer Kinder überfordert. Verbieten? Geht nicht. Warum also nicht etwas Sinnvolles daraus machen? Der Profi verrät im Interview, warum Kinder ab 7 Jahren programmieren lernen sollten.

von

Logiscool - Programmierschule Coding für Kinder Wien

Programmierkenntnisse zu haben bedeutet, die Sprache der Computer zu verstehen.

© istockphoto.com

"Spiel nicht die ganze Zeit mit dem Computer herum!" - solche Sätze hört man von Eltern bestimmt öfters. Doch macht es Sinn den Kindern die Nutzung von Smartphones, Tablets & Co. zu verbieten? "Etwas zu verbieten ist die schlechteste Methode", meint Peter Schmidt, Geschäftsführer von Logiscool Austria, der ersten Programmierschulen für Kinder in Wien. "Besser man zeigt den Kindern, wie man digitale Medien bewusst und sinnvoll nutzt." In seiner Programmierschule lernen die SchülerInnen algorithmisches Denken, Problemlösungskompetenz und logische Abläufe. Schmidt ist selbst Vater von zwei Töchtern und überzeugt: "Wer jetzt die Sprache der Computer erlernt, wird in 10 Jahren einen gewaltigen Vorteil haben - nicht nur beruflich."

Programmierschule Kinder Wien - Logiscool
Peter Schmidt, Geschäftsführer von Logiscool Austria

»Was wir als Erwachsene bei den Kindern als „Medienkompetenz“ sehen, ist in Wahrheit reiner Konsum.«

WOMAN: Heutzutage sind Kinder alle Digital Natives - sie wachsen mit YouTube, WhatsApp und Instagram auf. Warum brauchen sie trotzdem eine Logiscool?
Peter Schmidt: Zwar wachsen unsere Kinder mit digitalen Medien auf, aber sie wenden sie nicht bewusst an. Was wir als Erwachsene bei den Kindern als „Medienkompetenz“ sehen, ist in Wahrheit reiner Konsum.

WOMAN: Warum ist es wichtig, dass Kinder programmieren lernen?
Peter Schmidt: Weil unsere Kinder in der Zukunft, beruflich wie privat, von einer digitalen Welt umgeben werden und darauf vorbereitet werden müssen. Ein Beispiel: Man schickt Kinder auch nicht auf die Straße, ohne ihnen vorab zu erklären, was eine rote Ampel bedeutet oder was ein Zebrastreifen ist. Wir wollen die nächste Generation mit der Logiscool auf diese digitale Denkweise vorbereiten. Schließlich sollte man die Sprache der Welt, in der man lebt, auch verstehen.

WOMAN: Du sprichst von programmieren als Denkweise. Kannst du definieren, was programmieren eigentlich bedeutet?
Peter Schmidt: Wir werden häufig gefragt, welche Programmiersprachen wir in der Logiscool benutzen. Klar, dass diese Frage gestellt wird aber in Wahrheit ist es völliger Unsinn, denn wir wissen gar nicht, welche Programmiersprache in 10 Jahren benutzt wird. Nur um dies zu veranschaulichen: Die 10 größten IT-Firmen der Welt benutzen 8 verschiedene. Hinzu kommt, dass es einige dieser Firmen oder Sprachen vor 10 Jahren noch nicht mal gab. Wir setzen bei den Kids eher beim logischen Denken an und bringen ihnen Problemlösungsansätze bei. Am Ende des Tages sehen sie eine App wie „Angry Birds“, in der Vögel von A nach B fliegen und sie fragen sich, wie das System im Hintergrund abläuft.

Programmierschule Kinder Wien - Logiscool

WOMAN: Wie schafft ihr es, dass Kinder die Geduld aufbringen, um programmieren zu lernen?
Peter Schmidt: Bei Kindern muss immer alles sehr schnell gehen. Würden sie stundenlang Programmiercodes eintippen, die dann nicht funktionieren, weil irgendwo ein Fehler enthalten ist, wäre die Frustration und Demotivation groß. Wir arbeiten derzeit mit dem Programm „Sratch“, das speziell für Kinder entwickelt wurde. Das Programmieren läuft sehr visuell ab und die Kids bekommen direktes Feedback, um motiviert zu bleiben. Unsere neue selbstentwickelte Lernplattform kommt ab Herbst zum Einsatz. Mit ihr können wir unser Curriculum noch spannender machen und um Module für Fortgeschrittene und „Ältere“ (14+ Jahre) erweitern.

WOMAN: Viele Eltern wollen ihre Kinder von Smartphone und Tablet fern halten und sie lieber im Wald spielen sehen - ist das die falsche Erziehungsmethode?
Peter Schmidt: Sie davon fernzuhalten ist die absolut schlechteste Methode. Wir machen die Erfahrung, dass Kinder, die bis zum 7. Lebensjahr von digitalen Geräten ferngehalten wurden, in der Schule dann so eine Art Aufholbedarf haben. Dort kommen sie nämlich in Kontakt mit Gleichaltrigen, die vielleicht schon ein Smartphone haben, mit der Playstation spielen oder am Computer arbeiten dürfen. Bei diesen Kids ist die Suchtgefahr dann wirklich hoch.

WOMAN: Wie schaffen es Eltern die richtige Konsum-Dosis für ihre Kinder zu finden?
Peter Schmidt: Eltern müssen verstehen, dass zum Konsum von Medien alles gehört: Fernsehen, Computer spielen, die Verwendung eines Smartphones oder Tablets. Hier kann man dann allgemein den Konsum zeitlich einteilen oder einschränken. Tolle Tipps hierzu und zu Medienkompetenz allgemein gibt’s auf www.saferinternet.at und www.digi4family.at.

WOMAN: Woran liegt es, dass sich viele Eltern vor dem Thema „Programmieren“ scheuen?
Peter Schmidt: Weil sie es nicht kennen und das verunsichert sie. Viele wollen es sich selbst auch nicht eingestehen.

WOMAN: Aber ist es denn überhaupt für das Kind relevant, dass die Eltern IT-affin sind oder nicht?
Peter Schmidt: Ob und wie häufig das Kind mit dem Thema konfrontiert wird, ist schon relevant. Ob das Kind über die Eltern oder im Freundeskreis und Gruppierungen, wie Kindergarten oder Schule, damit in Kontakt kommt, ist völlig egal. In der Logiscool sitzen häufig Kinder von Eltern, die eben ein Defizit auf dem Gebiet haben und dem Kind eine Chance bieten wollen.

WOMAN: Sollte dies nicht die Aufgabe der Schulen sein?
Peter Schmidt: Ja (lacht). Das Ganze ist eine große Herausforderung für die Bildungspolitik. Das große Problem ist auch die mangelnde Kompetenz der Lehrer auf dem Gebiet Programmieren/Coding. Ähnlich, wie bei vielen Eltern, besteht auch bei den Lehrkräften häufig Angst und Unsicherheit gegenüber dieser Themen, da es derzeit in der Ausbildung nicht inkludiert ist. Hier ist auch ein Umdenken, weg vom Frontalunterricht, hin zum Experten-Dialog mit den SchülerInnen, notwendig. Die große Frage ist also: Wer soll solche Fächer überhaupt unterrichten?

WOMAN: Gibt es Länder, die Vorzeigebeispiel auf dem Gebiet sind?
Peter Schmidt: Naja, die Chinesen sind hier wieder das andere Extrem. Bei denen gibt es schon im Kindergarten Programmierunterricht. Aber auch Großbritannien, die skandinavischen Länder oder USA arbeiten erfolgreich daran, Programmieren in öffentlichen Schulen zu verstärken.

WOMAN: Wie ist denn eigentlich die Verteilung zwischen Jungs und Mädchen?
Peter Schmidt: In der Logiscool sitzen derzeit in etwa 10-15% Mädchen – der Rest sind Jungs im Alter zwischen 7 und 14 Jahren. Das ist sehr Schade, denn wir merken, dass wirklich kein Geschlechterunterschied besteht. Deswegen ist es auch wichtig, die Mädchen im richtigen Alter an das Thema Programmieren heranzuführen, schließlich ist das Interesse dafür ab ca. 13 Jahren dann weg, weil eben andere Dinge spannender werden. Großer Aufruf: Mehr Mädchen bitte!

Programmierschule Kinder Wien - Logiscool

WOMAN: Woran liegt es, dass so wenig Mädchen in die Logiscool kommen?
Peter Schmidt: An den Rollenbildern in der Gesellschaft und letztendlich an den Eltern. Das ist bei Jungs und Mädchen gleich: Die Kinder müssen kaum motiviert werden – die kommen gerne zu uns. Die Eltern müssen den Schritt noch gehen.

WOMAN: Würdest du sagen, dass auch die Eltern von der Logiscool profitieren?
Peter Schmidt: Wir animieren die Kinder immer, den Eltern zuhause zu zeigen, was eigentlich in der Logiscool passiert. Sei es eine kleine Animation oder ein Spiel, das sie selbst im Unterricht programmiert haben. Natürlich bringt diese Erfahrung dann auch den Eltern einen gewissen Zugang zum Programmieren.

WOMAN: Im Sommer bietest du auch Coding-Camps an. Wie kann man sich das vorstellen?
Peter Schmidt: In den Camps beginnt das Programm um 9 Uhr morgens. Die Kinder sind in Altersgruppen eingeteilt und arbeiten immer in etwa 1,5 Stunden am Computer und in den Pausen wird Fußball oder Fangen gespielt im Freien. Meistens müssen wir sie sogar davon abhalten, dass sie nicht sofort wieder zurück an den Computer gehen.

Infos zur Logiscool
Im September bietet die Logiscool wieder kostenlose Schnupperstunden für Eltern und Kinder. Die Kurse für das neue Schuljahr beginnen ab 19. September 2016. Das Programm ist für SchülerInnen zwischen 7-15 Jahren geeignet und kostet 99,-/Monat (1,5 Stunden/Woche). Jede Einheit, die verpasst wird, kann ganz einfach nachgeholt werden.
Interesse am Logiscool-Franchise? Einfach bei uns melden!
www.logiscool.at

Hier ein kleiner Einblick in die Logiscool:

© Video: Logiscool Wien

Themen: Kinder, Eltern

WOMAN Community

Deine Meinung ist wichtig! Registriere dich jetzt und beteilige dich an Diskussionen.

Jetzt registrieren!

Schon dabei? .