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Was kostet deine Welt? Eine IT-Projektmanagerin, die sich nun mit ihrer Tierliebe selbstständig gemacht hat, über ihren Kontostand

Arbeiten, zahlen, leben: Wie viel verdient man als IT-Projektmanagerin? Und wie viel bleibt am Ende des Monats übrig? Wir haben im Rahmen unserer Serie nachgefragt.

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Was kostet deine Welt? Eine IT-Projektmanagerin, die sich nun mit ihrer Tierliebe selbstständig gemacht hat, über ihren Kontostand
© cyano66/ iStockphoto.com

"Über Geld spricht man nicht" - das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsl schon wieder geblieben? Wie soll ich die Reparatur des Autos bloß bezahlen? Wie schaffen es andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt diese unnötige Verschwiegenheit ins Sachen Einkommen trägt dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen: Schluss damit, über Geld spricht man! Deshalb fragen wir im Rahmen dieser Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen: Was kostet deine Welt? Wie viel verdienst du? Was bleibt am Monatsende übrig? Im 17. Teil der Serie haben wir eine Frau, die schon in einigen Berufen gearbeitet hat, zum Interview gebeten.

Charlotte Streit ist 34 Jahre alt und lebt seit 21 Jahren in Wien. Ursprünglich stammt sie aus Deutschland, wo sie bis zu ihrem 13. Lebensjahr lebte. In Österreich hat sie die 10. Klasse Gymnasium abgeschlossen, danach ist sie ins Berufsleben eingestiegen.

Zuerst hat sie in verschiedenen Berufen gearbeitet, zuletzt in der IT. Dort hatte sie eine Position als Projektmanagerin und Lösungsarchitektin inne. 2015 hat sie dann einen Onlineshop für hochwertige Katzenartikel (Futter, Spielzeug, Pflegeartikel) eröffnet und ihre eigene Marke „Cat's Taste“ gegründet.

Wie viele Stunden arbeitest du wöchentlich und wie viel verdienst du monatlich?

Charlotte: Da ich viele Produkte in Handarbeit herstelle, lässt sich die Wochenarbeitszeit gar nicht genau beziffern. Ich denke aber, dass ich auf mindestens 50-60 Stunden komme, da ich alles alleine mache. Derzeit verdiene ich mit meinem Shop ca. 400€ im Monat, und suche derzeit noch nach einem zusätzlichen Job, um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren. In der IT habe ich ca. 2100 € netto verdient, bei einer 60-80 Stunden-Woche (je nach Projektumfang).

Wie hoch sind deine Fixausgaben?
Charlotte: Alles in allem liegen meine Fixkosten bei ca. 1300 € pro Monat. Das ist der Betrag für Miete, Internet, TV, Handy, Lebensmittel, Nebenkosten und Versicherungen. Für Freizeitaktivitäten oder Kleidung gebe ich momentan kaum etwas aus, da ich mit dem Shop noch nicht so viel einnehme.
Als ich noch in der IT gearbeitet habe, habe ich ca. 100-200 € im Monat für Freizeitaktivitäten ausgegeben.

Hast du eine private Pensionsvorsorge? Wenn ja – warum und wie viel gibst du dafür monatlich aus?
Charlotte: Derzeit kann ich mir eine private Pensionsvorsorge nicht leisten, obwohl es mir wichtig wäre, für die Zukunft vorzusorgen. Sobald ich finanziell wieder etwas besser gestellt bin, möchte ich das Thema angehen und eine Vorsorge abschließen.

Sparst du Geld, wenn ja wie viel, wie legst du es an? Bausparer, Aktien, etc.?
Charlotte: Durch einen Kredit habe ich mal eine Erlebens- und Ablebensversicherung abgeschlossen. In die zahle ich jeden Monat 50 € ein, wenn die Versicherung endet, wird mir der Gesamtbetrag ausgezahlt.

Wie viel bleibt am Monatsende übrig?
Charlotte: Durch meine geringen Einnahmen bleibt am Monatsende nichts übrig. In der IT hatte ich, abzgl. der Fixkosten, ca. 700 €, die ich ansparen konnte.

Bist du zufrieden mit deinem Gehalt?
Charlotte: In der IT war ich sehr zufrieden mit meinem Gehalt. Für die Arbeit, die ich geleistet habe, war ich zwar nicht sonderlich gut bezahlt, aber meine Firma war auch kein IT-Unternehmen. Für die Branche, in der ich gearbeitet habe, war das Gehalt sehr gut und ich wurde besser bezahlt, als meine männlichen Kollegen. Allerdings hat mir die Arbeit viel abverlangt, ich hatte kaum Freizeit und so gut wie kein Privatleben. Das war auch der Grund, warum ich irgendwann keinen Spaß mehr an der Arbeit hatte.
Mit dem Onlineshop möchte ich natürlich gerne so bald wie möglich meinen Lebensunterhalt bestreiten können. Mir würde reichen, wenn ich meine Fixkosten decken kann, denn der Shop und der Umgang mit meiner Kundschaft bereitet mir sehr viel Freude. Ein hoher Verdienst ist mir in diesem Fall nicht wichtig.

Weißt du, was deine KollegInnen verdienen?
Charlotte: Ja, ich wusste was meine IT-Kollegen verdient haben. Allerdings wurde in unserer Abteilung ungern über Geld gesprochen. Erfahren habe ich die Gehälter eher durch Zufall und war sehr erstaunt, als mir bewusst wurde, dass ich um einiges mehr verdient habe, als meine männlichen Kollegen.

Wofür gibst du gern Geld aus?
Charlotte: Ich gehe gerne ins Theater und kaufe gerne Materialien, wenn ich Ideen für neue Produkte habe. Dann kaufe ich Stoff, Holzartikel oder andere Artikel und probiere aus, ob sich daraus ein schönes Katzenspielzeug herstellen lässt.
Außerdem spare ich nicht an der Ernährung meiner Katze. Campino wird mit Rohfleisch ernährt und natürlich machen wir einen jährlichen Gesundheitscheck beim Tierarzt. Das ist alles nicht gerade günstig, aber ich möchte natürlich, dass es meinem Tiger gut geht und er artgerecht und gesund leben kann.

Campino, Charlottes wichtigster Mitarbeiter


Wofür würdest du gern mehr Geld haben?
Charlotte: Ich hätte gerne mehr Geld für den Tierschutz. Mein Traum wäre es, ein Haus oder eine große Wohnung zu haben, um dort eine Art „Katzenaltersheim“ zu betreiben. Natürlich sollte kein Tier im Tierheim sitzen müssen, aber gerade für die alten Katzen tut es mir besonders leid, wenn sie die letzten paar Lebensjahre dort verbringen müssen. Ein paar dieser Tiere aufnehmen und ihnen noch einen schönen Lebensabend bereiten zu können, wäre mein größter Wunsch. Und generell hätte ich gerne mehr Geld, um kleine Tierschutzvereine unterstützen zu können. So werden es momentan leider „nur“ 100€ im Jahr, die ich in Form von Sachspenden abgebe.

Sprecht ihr in deinem Freundeskreis über Geld?
Charlotte: Ja, damit habe ich überhaupt keine Probleme. Erst kürzlich hat mich eine Freundin um Rat gefragt, die gerne Stunden reduzieren wollte, um mehr Zeit für ihre Selbstständigkeit zu haben.

Was ist dein größter Luxus?
Charlotte: Definitiv meine Katze... Campino ist vor 5 Jahren bei mir eingezogen, als ich noch nicht so aufs Geld schauen musste. Und trotzdem mache ich bei ihr keine Abstriche. Tierarztbesuche, hochwertiges Futter, vernünftiges Spielzeug, das sind alles Dinge die Geld kosten, aber es liegt in meiner Verantwortung, sie artgerecht zu halten und dieser Verantwortung komme ich sehr gerne nach!

Würdest du von dir selbst behaupten, dass du gut mit Geld umgehen kannst?
Charlotte: Ja, definitiv. Als Kind war bei uns nicht viel Geld vorhanden, wir mussten oft sehr sparsam sein, um alle Ausgaben abdecken zu können. Dadurch komme ich mit wenig aus und bin auch mit wenig zufrieden. Ständig neue Kleidung oder Restaurantbesuche brauche ich nicht. Durch die hohe Bezahlung in meinem Job und die Tatsache, dass ich wenig Geld ausgegeben habe, kann ich momentan meine finanzielle Situation über Ersparnisse auffangen.

Kannst du dir die Dinge leisten, die du gerne haben möchtest oder musst oft auf etwas verzichten?
Charlotte:
Momentan muss ich eher auf Dinge verzichten. Teure Theaterkarten oder mal ein kurzer Städtetrip sind aktuell absolut nicht drinnen. Das ist für mich derzeit aber auch absolut in Ordnung, denn durch meine Selbstständigkeit habe ich dafür sowieso keine Zeit.

Würdest du lieber mehr verdienen oder eher weniger arbeiten und dafür halt auch weniger haben?
Charlotte:
Ich möchte eigentlich nur meine Fixkosten decken können, viel mehr müsste es gar nicht sein. Früher habe ich sehr gut verdient, aber der Job war wahnsinnig anstrengend und hat mir wenig Raum für Privates gelassen. Jetzt habe ich zwar auch Stress, aber im positiven Sinn. Ich liebe es, hochwertige Katzen-Produkte zu entwickeln und meinen Onlineshop aufzubauen.

Wie wichtig ist dir Arbeit generell? Welchen Stellenwert nimmt sie in deinem Leben ein?
Charlotte: Mir ist es sehr wichtig zu arbeiten. Auch wenn es in der IT oft stressig war und ich viel Zeit in meinen Job gesteckt habe, hat er mir doch viel Spaß gemacht, weil er eine Herausforderung war. Als der Spaß dann irgendwann nicht mehr vorhanden war, habe ich mit der IT aufgehört.
Mein Onlineshop ist mir natürlich noch einmal um ein Vielfaches wichtiger. Wobei ich es besonders toll finde, wenn ich positives Feedback zu meinen Produkten bekomme oder man mir Fotos schickt, auf denen die Katzen mit meinen Spielzeugen spielen oder von meinen Leckerlies naschen. Die Fotos poste ich dann natürlich ganz stolz auf Facebook, weil es für mich nichts Schöneres gibt, als glückliche Katzenkunden.

Du sprichst auch gerne über Geld? Melde dich einfach per e-Mail bei uns unter online <AT> woman.at .

Charlotte Streit