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Protestaktion: "Vier Mitglieder von Pussy Riot im Finale der Fußball-WM"

In Polizeiuniformen liefen vier AktivistInnen von Pussy Riot auf das Spielfeld, als Frankreich gegen Kroatien spielte. Gefordert wird die Freilassung politischer Gefangener und mehr politischer Wettbewerb in Russland.

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Protestaktion: "Vier Mitglieder von Pussy Riot im Finale der Fußball-WM"
© 2014 Getty Images

Nun ist es wieder vorbei mit dem Fußball-Ausnahme-Zustand. Beim gestrigen Finale, das wie allseits bekannt Frankreich für sich entscheiden konnte, kam es noch zu einer spektakulären Protestaktion von "Pussy Riot". Vier AktivistInnen liefen in Polizeiunformen auf das Spielfeld. "Pussy Riot" reklamierte die Aktion kurz darauf für sich und teilte auf ihrer Facebook-Seite mit, dass man mit der Aktion auf die Missachtung von Menschenrechten in Russland aufmerksam machen wollte. Gefordert wird die Freilassung politischer Gefangener und mehr politischer Wettbewerb in Russland. Im Stadion befand sich unter anderem auch der russische Präsident Wladimir Putin. Die AktivistInnen wurden rasch von den Sicherheitskräften vom Spielfeld befördert, zuerst entstand aber noch dieses spektakuläre Bild, das zeigt wie einer der Frauen mit Frankreichs Superstar Mbappe abklatscht.

Die Moskauer Polizei hat gegen die vier Personen Verwaltungsstrafen beantragt. Ihnen werde vorgeworfen, gegen die Vorschriften für Zuschauer bei Sportveranstaltungen verstoßen und sich unrechtmäßig Uniformen beschafft zu haben, meldete Interfax am späten Sonntagabend. Die Höchststrafe für den Verstoß gegen die Regeln für Zuschauer liegt demnach bei einer Geldstrafe von 200.000 Rubel (etwa 2.700 Euro) oder 160 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Für das Beschaffen einer Uniform beträgt die Strafe dem Bericht zufolge zwischen 1.000 und 1.500 Rubel. Außerdem kursiert ein Video im Internet, das bisher nicht unabhängig verifiziert werden konnte. Es zeigt angeblich Verhör von zwei Aktivisten. Dem russischen regierungskritischen Portal meduza.io zufolge fragt darin ein Verhörer, der nicht zu sehen ist, wo sie die Uniformen herhätten. "Gemietet", sagt einer der Festgenommenen. Der Verhörer darauf verärgert: "Gemietet? Manchmal bedauere ich es, dass wir nicht das Jahr 37 haben. Manchmal bedauere ich es einfach." 1937 war die Zeit des sogenannten Großen Terrors unter Sowjetdiktator Josef Stalin. Die Phase war geprägt von Massenfestnahmen und Deportationen. Hunderttausende Menschen waren betroffen. Viele wurden erschossen oder kamen in Arbeitslager (Gulags).

Kritik: Nach WM kommt Ende der bunten Stimmung

Auf ihrer Facebook-Seite nennt Pussy Riot die Flitzeraktion: „Der Polizist kommt ins Spiel“. „Vier Mitglieder von Pussy Riot im Finale der Fußball-WM“, hieß es in dem Schreiben der Gruppe. Die AktivistInnen forderten darin unter anderem, dass politische Gefangene freigelassen werden und dass es keine Festnahmen bei Kundgebungen mehr gibt. Zudem schrieben sie, das Land brauche mehr politischen Wettbewerb. Die Aktion wirft zum Ende der von den russischen Organisatoren und dem Weltverband FIFA überschwänglich gefeierten WM ein Schlaglicht auf Russland. Die FIFA hatte das Turnier als die beste WM aller Zeiten bezeichnet. Präsident Wladimir Putin sagte nach dem Finale, Russland könne stolz sein. Viele ausländische Fans hätten nun Russland kennengelernt und ihre Meinung über das Land geändert. „Auch das ist ein wichtiges Ergebnis (der WM)“, sagte Putin. KritikerInnen hatten aber stets betont, dass die bunte Stimmung und Offenheit nur eine vorübergehende Erscheinung während der WM waren - nun dürfte es damit schnell wieder vorbei sein. So drohen auch den vier festgenommen AktivistInnen Haftstrafen für das unerlaubte Tragen von Polizeiuniformen.

Pussy Riot haben in der Vergangenheit immer wieder kremlkritische Aktionen an öffentlichen Orten inszeniert. 2012 wurden drei Aktivistinnen nach einem "Punk-Gebet" in einer Kirche verhaftet, wegen "Rowdytums aus religiösem Hass" verurteilt und später begnadigt.