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Iran: Frauen durften zum Public Viewing ins Stadion

Seit 1979 dürfen iranische Frauen nicht in Sportstadien. Doch bei dieser WM wurde eine Ausnahme gemacht: Zum Public Viewing saßen weibliche Fans in einem Teheraner Stadion. Revolution oder Propaganda?

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Im Ausland - hier bei der WM in Russland - dürfen iranische Frauen ins Stadion.

© 2018 Getty Images

Frauen in Sportstadien? Im Iran undenkbar. Seit 1979 die Regierung gestürzt und durch eine geistliche Führung ersetzt wurde, dürfen Iranerinnen nicht bei Live-Sportevents dabei sein. Nur im Ausland ist es den Frauen möglich, ihre Lieblingsteams anzufeuern. Doch nun hat die iranische Regierung auf den massiven Druck durch die Öffentlichkeit reagiert und eine Ausnahme gemacht: Beim Spiel Iran gegen Spanien durften Frauen und Männer gemeinsam am Public Viewing im Teheraner Azadi-Stadion teilnehmen.

Das Event wäre aber fast nicht zustande gekommen, denn die Polizei ließ die Fans zuerst nicht ins Stadion. Man schob "infrastrukturelle Mängel" vor und wollte das Ganze absagen. Doch dann kam ein Anruf aus dem Innenministerium und es konnte im Stadion mitgefiebert werden. Natalie Amiri, eine iranische Korrespondentin des Weltspiegel war selbst beim Public Viewing. Es sei ein unglaubliches Gefühl gewesen zu sehen, wie sehr sich die Frauen über die Stadionstimmung freuten. "Sie konnten etwas genießen, das für uns im Westen selbstverständlich ist." , so Amiri.

Noch im März, als Fifa-Präsident Gianni Infantino den Iran besuchte, hatten Frauen versucht, ins Teheraner Stadion zu kommen. 35 Frauen wurden verhaftet und Infantino kritisiert, da er keine mahnenden Worte für die Situation fand. Ob die kürzliche Ausnahmeregelung für eine längerfristige Umwälzung steht, lässt sich nicht sagen. Einerseits scheint die iranische Regierung zumindest ein bisschen unter Druck zu stehen - sei es durch nationale Proteste oder durch internationale Kritik. Andererseits ist WM-Public Viewing wirklich eine einmalige Angelegenheit, die nicht wirklich viel mit dem "klassischen" Fußballbetrieb zu tun hat. Wenn sich dann schon bei einem solchen Großevent die iranische Polizei gegen die Anweisungen wehrt, kann man sich schon denken, dass es nicht leicht wird, die Stadien bei echten Spielen für Frauen zu öffnen. Doch ein wenig Hoffnung kann nicht schaden.