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Frauenquote: Bloße "Androhung" hebt Frauenanteil in Führungspositionen

Jetzt könne niemand mehr sagen, dass es nicht möglich sei - so kommentierte Bundespräsident Alexander van der Bellen treffend die Angelobung der ersten Regierung unter einer Kanzlerin und mit 50 prozentiger Frauenquote. Welche Wirkung alleine die öffentliche Debatten über eine Frauenquote auf österreichische Unternehmen hat, hat sich eine Forscherin der WU genauer angeschaut.

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Frauenquote: Bloße "Androhung" hebt Frauenanteil in Führungspositionen
© iStock/FangXiaNuo

Die Quote - also die verpflichtende Besetzung von Positionen mit Frauen zu einem gewissen Prozentsatz - ist seit jeher ein Reizthema. Aber diese Wirkung hätten wir ihr nicht zugetraut: Alleine die öffentliche Diskussion über eine Quote hat den Frauenanteil in den Aufsichtsräten börsennotierter österreichischer Unternehmen signifikant erhöht. Jedenfalls, solange die Debatte in der Öffentlichkeit geführt wurde und die Einführung der Quote ein realistisches Szenario war. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Heike Mensi-Klarbach, die an der Wiener Wirtschaftsuniversität (WU) zur Geschlechterdiversität forscht.

Sie hat gemeinsam mit zwei Kollegen untersucht, welche Rolle Empfehlungen des sogenannten "Corporate-Governance-Kodex (ÖCG-K)" (ein internationalen Standards entsprechendes Regelwerk für die verantwortungsvolle Führung und Leitung von Unternehmen in Österreich, Anm.) und die öffentliche Diskussion rund um die "Androhung" einer gesetzlichen Frauenquote spielte. Denn dass es hier Maßnahmen braucht, steht außer Frage: In Österreich liegt der Anteil von Frauen in den Vorständen börsennotierter Unternehmen aktuell bei 4,9 Prozent.

Solange Quote realistisch ist, wirkt sie

Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde deutlich: Während die Leitlinie im ÖCG-K mit der vagen Formulierung, Geschlechterdiversität ‚angemessen zu berücksichtigen‘, keinerlei Effekt auf die Besetzung zeigte, erhöhte sich die Zahl der Frauen während der öffentlichen Diskussion rund um die Einführung der Frauenquote signifikant. „Dieser Effekt zeigte sich allerdings nur, solange die Einführung einer Frauenquote ein realistisches Szenario war. Als die Quote vorläufig vom Tisch war, verschwand er wieder“, so Mensi-Klarbach.

Übrigens, kurzer Exkurs: Ein "All-Time-Klassiker" zum Thema "Quote" ist die seinerzeitige Rede von Maria Fekter (ÖVP) vor dem österreichischen Nationalrat, in der sie gelungen erklärt, warum sie im Laufe ihrer Karriere von einer Quoten-Gegnerin zur Quoten-Befürworterin wurde. Immer wieder sehenswert!

Öffentlicher Druck hilft

Zudem untersuchte sie, wie freiwillige Zielgrößen für die Geschlechterdiversität in Aufsichtsräten bei Bundesunternehmen und die öffentliche Berichterstattung über deren Einhaltung wirkten. Diese Kombination von Zielgrößen und Transparenz über die Einhaltung, wie dies bei den Bundesunternehmen der Fall war, erwies sich ebenfalls als wirkungsvoll: Der Druck, der durch die konkreten Ziele und die öffentliche Sichtbarkeit entstand, führte zur Nominierung von mehr Frauen, erklärt die Wissenschaftlerin.

Freiwillige Selbstregulierung wirkt nicht

Wie die Studie zeigt, wirkt freiwillige Selbstregulierung ohne zusätzlichen Druck in Österreich nicht. Dies weise laut Studienautorin darauf hin, dass Geschlechterdiversität nicht als Vorteil und Geschlechterhomogenität nicht als Nachteil gesehen werde. Und das, obwohl zahlreiche Studien zeigen, dass Diversität ein wesentlicher Erfolgsfaktor sein kann. „Damit ‚weiche‘ Maßnahmen Wirkung zeigen, muss also der Druck verstärkt werden“, so Mensi-Klarbach. Ihre Studienergebnisse machen deutlich, dass in Österreich über konkrete Zielgrößen und die transparente Kontrolle der Zielerreichung, aber auch durch die glaubwürdige Androhung einer gesetzlichen Quote ein Anstieg von Frauen erreicht werden konnte. „Weil ‚harte‘ Quoten Widerstand und Umgehungsversuche hervorrufen und letztlich alleine kaum einen nachhaltigen Kulturwandel bewirken können, stellen wirksame ‚weiche‘ Maßnahmen daher eine sinnvolle Alternative dar.“