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Betreiber von Rache-Porno-Seite verhaftet

Rache-Pornos: Nacktfotos von dir, ins Netz gestellt vom Ex. In den USA wurde nun der Betreiber einer Seite festgenommen. Wie DU dich schützen kannst.

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Betreiber von Rache-Porno-Seite verhaftet
© REUTERS/Edgard Garrido

Es ist ein Moment, vor dem frau Angst haben muss. Jemand veröffentlicht deine privaten Fotos im Internet. Mit Namen, Adresse, Facebook-Profil. Darunter auch jene Fotos, die du an einem langweiligen Nachmittag gemacht hast. Oben ohne, vor dem Spiegel. Nackt auf dem Bett.

Die Fotos, vielleicht sogar Videos, hast du damals IHM geschickt. Deinem Ex, dem du vertraut hast. Doch jetzt nimmt er Rache für die Trennung. Auf schlimme, furchtbare Weise.

Plötzlich bis du entblößt auf einer Website zu sehen, die mit über 600.000 Besuchern am Tag ein größeres Publikum erreicht als jede Zeitung deiner Heimatstadt. Du bist entwürdigt, gedemütigt, du hast auf einmal das Gefühl, jeder Mann auf dieser Welt kennt dich jetzt nackt. Hat sich an dir aufgegeilt. Der Nachbar. Der Typ im Supermarkt. Der Chef.

Vor allem in den USA ist der "Rache-Porno" zum hässlichen Trend geworden. Doch nun gelang ein weiterer Durchbruch im Kampf gegen die widerwärtigen Seiten. In Kalifornien wurde der Betreiber einer der größten Rache-Porno-Seiten verhaftet.

Verhaftung von UgotPosted-Gründer

Der 27-Jährige hatte vor knapp einem Jahr die Seite ugotposted.com geschaffen, auf der Nutzer anonym und ohne Erlaubnis der Abgebildeten Nacktfotos veröffentlichen konnten. Die einzige Bedingung: die Täter mussten den vollen Namen, das Alter, den Wohnort und das Facebook-Profil des Opfers angeben. Über 10.000 kompromittierende Bilder wurden auf dem Rache-Porno-Portal hochgeladen.

Doch der Verkauf von Porno-Bannern über den Fotos der Opfer war dem Betreiber nicht Einnahmequelle genug. Er kontaktierte sie – und bot ihnen auf einer zweiten Website, changemyreputation.com , an, die Fotos gegen eine Gebühr von 220 bis 250 Euros aus dem Internet zu löschen. Mehrere Zehntausend Euro hat der Kalifornier auf diese Weise erpresst.

"Er hat nicht nur die öffentliche Bloßstellung nichtsahnender Frauen zu einer Ware gemacht," so Generalstaatsanwältin Kamala Harris, "Sondern ihre Not auch noch ausgenutzt, um sich an ihnen zu bereichern."Sie werde alles tun, damit diese "verwerflichen Taten" hart bestraft und auch in Zukunft streng verfolgt würden.

Sowohl in Kalifornien als auch in New Jersey wurde Ende letzten Jahres ein Gesetz verabschiedet, das derartige Taten unter Strafe stellt. Seitdem drohen den überführten Tätern bis zu sechs Monate Haft und bis zu 1.000 Dollar Geldstrafe.

Wie schütze ich mich gegen Rache-Porn?

Die simple Antwort: Indem du keine Nacktfotos von dir machst. Wenn jedoch freizügige Fotos von dir bereits im Netz kursieren (weil dein Computer gehackt wurde oder tatsächlich ein fieser Ex-Freund die Bilder online gestellt hat), dann kannst du offiziell Anzeige erstatten und Klagen. Denn mit der Veröffentlichung werden laut österreichischem Strafrecht nicht nur die Bildrechte, sondern auch deine Persönlichkeitsrechte massiv verletzt.

Der Täter macht sich also auch dann strafbar, wenn er das Foto von dir selbst (also etwa im Freibad oder in der Umkleide) gemacht hat. Und selbst wenn du deine Zustimmung zum Foto gegeben hast (also deinem Ex erlaubt hast, dich nackt im Bett abzulichten) wird mit der Veröffentlichung dein höchstpersönlicher Lebensbereich verletzt. Der Täter muss bei einer Verurteilung mit einer Freiheits- oder einer Geldstrafe rechnen.

Trotz der sehr deutlichen Rechtsprechung gelangen laut Experten jeden Tag bis zu 100.000 Bilder unerlaubt ins Web. Zu einer Anzeige kommt es selten. Vielen Frauen ist es einfach zu peinlich, wegen ihrer Nacktfotos die Polizei zu kontaktieren.

Was kann ich tun, wenn Nacktfotos von mir im Netz sind?

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Sichere die Beweise. Drucke die gesamte Seite aus, mach Screenshots und speichere die Seite im Browser ab. Die Täter reagieren manchmal sehr schnell, die Seite zieht von einem Server zu einem anderen, ändert die URL geringfügig und ist dann nicht mehr so leicht auffindbar.

2

Bemüh' dich um Löschung der Bilder. Ist der Täter unbekannt oder weigert sich, die Nacktfotos wieder zu entfernen, dann wende dich direkt an den Site-Betreiber. Hat der Webseiten-Betreiber die Bilder selbst eingestellt und veröffentlicht, dann hast du einen direkten Anspruch auf die Löschung der Bilder gegen ihn. Sind hingegen Dritte für das Einstellen der Bilder verantwortlich, haftet der Webseiten-Betreiber erst dann selbst, wenn er nach Kenntnis der Rechtsverletzung nicht reagiert und die entsprechenden Bilder nicht auf Anhieb entfernt.

3

In sozialen Netzwerken wie etwa Facebook sind pornographische Inhalte und Fotos, die eine Person schädigen oder belästigen, verboten. Auf Facebook kannst du relativ leicht nachvollziehen, wer ein Bild gepostet hat. Du kannst ihn also direkt kontaktieren – oder sofort bei Facebook den Inhalt als Verletzung der Richtlinien melden. Dazu kannst du die Markierung löschen und das Foto damit zumindest aus deiner Chronik entfernen.

4

Etwas schwieriger ist es, wenn Bilder von dir in der Google-Bildersuche auftauchen. Hier musst du dich direkt an den Website-Betreiber wenden. Löscht dieser die Bilder nicht (Achtung – es dauert trotz Löschung ein wenig, bis die Einträge wirklich aus dem Index verschwunden sind!), dann musst du im Google Supportzentrum die Urheberrechts- und Persönlichkeitsverletzung melden. Voraussetzung dafür ist aber ein Gerichtsbeschluss, den du über ein entsprechendes Formular einreichen musst.

Themen: Sexismus, Porno