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Joe Biden setzt ein weiteres Zeichen für Diversität und nominiert eine Transfrau als Staatssekräterin

Rachel Levine ist Professorin für Medizin und lebt offen als Transfrau. Joe Biden will sie jetzt zur stellvertretenden Gesundheitsministerin machen. Warum das so wichtig ist …

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Joe Biden setzt ein weiteres Zeichen für Diversität und nominiert eine Transfrau als Staatssekräterin

Mit Joe Bidens Einzug ins Weiße Haus wird Kamala Harris wird nicht nur die erste weibliche Vizepräsidentin der USA, der künftige US-Präsident nominierte zudem die erste Transfrau für einen Posten im US-Kabinett. Rachel Levine soll stellvertretende Ministerin im Gesundheitsministerium werden.

Das teilte Joe Bidens Übergangsteam am Dienstag mit. "Rachel Levine bringt die Führungsstärke und die entscheidende Fachkompetenz mit, die wir brauchen, um die Bevölkerung durch diese Pandemie zu bringen", hieß es. Der Trump-Nachfolger zeigt damit ganz eindeutig, seiner Linie treu zu bleiben und für mehr Expertise und Diversität im Kabinett zu sorgen. Vom Senat muss ihr Einzug allerdings noch bestätigt werden.

Rachel Levine wird an der Seite von Gesundheitsminister Xavier Becerra eine wichtige Aufgabe haben: die Bekämpfung der Corona-Pandemie. Das Land brauche ihr Know-how im Bereich der öffentlichen Gesundheit in dieser "kritischen Zeit und darüber hinaus – unabhängig von Postleitzahl, Ethnie, Religion, sexueller Orientierung, Geschlechteridentität oder Behinderung", erklärte Biden in einem Statement.

Wer ist Rachel Levine?

Die 64-Jährige arbeitet seit 2017 als Gesundheitsministerin im US-Bundesstaat Pennsylvania. Außerdem ist sie als Professorin für Kinderheilkunde und Psychiatrie am Penn State College of Medicine tätig. Levine stammt aus Wakefield, Massachusetts und wuchs in einer jüdischen Gemeinschaft auf. Während ihrer Amtszeit in Pennsylvania sei die Politikerin laut Washington Post immer wieder verbalen Angriffen ausgesetzt gewesen.

Wie kann Bidens Entscheidung eingeschätzt werden? "Es ist schlicht und einfach logisch und wichtig, Becerra eine Person als Staatssekretärin zur Seite zu stellen, die zusätzlich medizinische Fachexpertise einbringt", so Politologe Peter Filzmaier. "Niemand ist da naheliegender als jemand, der Ärztin, Professorin für Medizin an einer Universität und Gesundheitsministerin im US-Bundesstaat Pennsylvania war. Bei aller Wichtigkeit von Symbolen in der Politik dürfen also zunächst diese Fakten ihrer Qualifikation nicht vergessen werden", so Filzmaier weiter.

Trotzdem ist das Medienecho groß und Bidens Entscheidung zeigt ihre Wirksamkeit: "Einerseits natürlich ein Signal, dass in einer modernen Gesellschaft niemand aufgrund des Geschlechts diskriminiert und in beruflichen Möglichkeiten beschränkt werden darf. Mit der Ebene der Staatssekretärin im Gesundheitsministerium – ein Amt, dass ansonsten in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird, jedoch infolge der Pandemie nun zusätzliche Aufmerksamkeit hat – setzt Biden ein dosiertes solches Signal: Nicht auf der höchsten Ebene, jedoch trotzdem im Fokus der Medien", lautet Filzmaiers Einschätzung. Andererseits sei es ein Signal, eine Person zu nominieren, die sein Vorgänger und viele Republikaner auf keinem Posten gesehen, sondern eher verachtet hätten.

Die LGBTQ+-Bewegung hat sich ebenfalls bereits dazu geäußert: "Präsident Biden sagte während seines Wahlkampfes, dass seine Regierung ganz Amerika vertreten würde", so Mara Keisling, Direktorin des US-Zentrums für Transgender-Gleichstellung. "Heute hat er deutlich gemacht, dass Transgender ein wichtiger Teil unseres Landes sind."