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"Pride Kollektionen" überall: Pro & Contra zur Vermarktung des Regenbogens

Zahlreiche Firmen präsentieren derzeit ihre Produkte im Regenbogen-Design. Darüber, ob diese Kommerzialisierung dem eigentlichen Anliegen - Gleiche Rechte und Akzeptanz für verschiedene Lebensweisen - dienlich ist oder nicht, lässt sich diskutieren. Auch bei uns in der Redaktion: Wir haben zwei Meinungen gegenüber gestellt.

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"Pride Kollektionen" überall: Pro & Contra zur Vermarktung des Regenbogens
© istockphoto.com

Dass derzeit Euro Pride ist, merkt man nicht nur an den Regenbogenflaggen auf Straßenbahnen, öffentlichen Gebäuden und den zahlreichen Veranstaltungen, die in der ganzen Stadt stattfinden. Wir merken es auch an diversen Produkten, die aktuell im Regenbogen-Look daher kommen: Von der berühmten - normalerweise blau-gelben - Ikea-Plastiktasche, über diverse alkoholische und anti-alkoholische Getränke, bis hin zu Kleidung von großen Modelabels - alle präsentieren derzeit stolz ihre „Pride Kollektion“.

Und spätestens am Samstag, wenn in Wien wieder die Regenbogenparade stattfindet, werden wir wieder zahlreiche Trucks, die von großen Unternehmen gesponsert werden und mit auf Hochglanz polierten Firmenlogos bedruckt sind, über den Ring ziehen sehen. Und während sich die einen freuen, dass offenbar auch die Wirtschaft und damit potenzielle Arbeitgeber Diversität groß schreiben, befürchten andere, dass Unternehmen das hauptsächlich zum eigenen Vorteil tun.

PRO von Anne-Marie Darok: "Regenbogen-Design bitte gern soweit das Auge reicht!"

Eingangs will ich eine Sache klarstellen: Ich verstehe die Problematik! Es passiert ja nicht zum ersten Mal, dass die Kommerzialisierung einer gesellschaftlichen Bewegung kritisiert wird. In den Medien war das etwa zuletzt wegen feministischen T-Shirts mit Aufschriften wie "Grrrl Power" oder "We all should be feminists" der Fall. Und Überraschung - auch das fand ich super!

Warum? Weil ich voll und ganz an den medienwissenschaftlichen Ansatz glaube, dass "vermehrte Repräsentation Normalität schafft". Weniger akademisch formuliert, meine ich damit: Je stärker man mit einer Sache konfrontiert wird, desto "normaler" wird sie. Und genau das ist es doch, was auch diverse gesellschaftliche Bewegungen erreichen wollen: Keinen Unterschied mehr zwischen unterschiedlichen Lebensentwürfen zu machen. Und das heißt in unserem Fall: Lebensweisen, die sich abseits von Heterosexualität abspielen, sollen genauso als "normal" - also gleichwertig - wahrgenommen werden.

Deshalb freut es mich sehr, so ziemlich überall Pride-Kollektionen und das Regenbogen-Design in den Schaufenstern zu sehen. Sollen doch alle am besten bewusst - oder unbewusst! - ein Zeichen setzen. Denn so können selbst die eingstirnigsten und homophobsten Personen dem Pride-Month nicht entkommen. Am schönsten wäre es natürlich, wenn den Kollektionen auch Taten folgen würden und nicht nur in einem Monat des Jahres. Diversität sollte immer gefeiert werden! Doch wir leben in einer Gesellschaft, die nun mal vom Kapitalismus getrieben ist. Warum also nicht auch auf diesem Wege so viele Menschen wie möglich erreichen?

CONTRA von Theresa Aigner: "Die Regenbogenflagge ist kein Marketing-Gag!"

Die kommerzielle Übernahme der Regenbogenflagge dient einem ganz bestimmten Zweck: Firmen, die ihre Produkte derart gestalten oder mit einem Truck bei der Pride vertreten sind, wollen dadurch als modern, weltoffen und fortschrittlich wahrgenommen werden. Daran ist per se nichts Verwerfliches zu finden - umso besser, wenn sich große Firmen, die als Arbeitgeber für viele Menschen fungieren, Diversität auf die Fahnen heften!

Allerdings: Anstatt das einmal im Jahr zu tun, wenn die Rechte von LGBTIQ-Menschen ohnehin im Zentrum stehen, sollten Kampagnen wie diese das ganze Jahr Programm in den Personalabteilungen sein. Und nicht nur dann, wenn es gerade im allgemeinen Trend liegt, als Marketing-Tool ausgespielt werden - mit dem Ziel, einen Vorteil für das eigene Unternehmen herauszuschlagen. Natürlich wäre es vermessen, jeder Firma, die etwas im Regenbogen-Look produziert, sogenanntes „pinkwashing“ vorzuwerfen. Manchen ist es sicher ein echtes Anliegen.

Dennoch: Der "Pride Month" und insbesondere die Regenbogenparade darf nicht ausschließlich zu einem kommerzialisierten Party-Event verkommen, sie sollte nach wie vor das politische Anliegen - gleiche Rechte für alle Menschen, egal welche sexuelle Identität sie haben und wen sie lieben - ins Zentrum stellen. Denn genau darauf geht die Pride ja eigentlich zurück: Aufstände gegen Polizeigewalt, Schikanen und LGBTIQ-feindliche Gesetzgebung.

Die sogenannten „Stonewall Riots“ jähren sich heuer zum 50. Mal und sollten uns umso mehr daran erinnern, dass auch in Österreich nach wie vor LGBTIQ-Menschen diskriminiert werden und rechtlich nicht komplett gleichgestellt sind. Und anderswo auf der Welt überhaupt zur Flucht gezwungen sind, weil nicht-heterosexuelle Menschen in ihren Heimatländern verfolgt und mit dem Tod bedroht werden. Es spricht also nichts dagegen, eine glitzernde Party zu feiern - aber bitte dabei das eigentliche Anliegen nicht vergessen! In diesem Sinne: Happy Pride!

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