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Reise nach Indien - ein großes Kino für die Sinne und viel besser als Bollywood...

Pulsierende Millionenmetropolen und menschenleere Wüsten, Tiger auf der Pirsch, Menschen die auf Elefanten reiten, Oasen der Ruhe mitten in der Stadt, wunderschöne Luxus-Paläste wie aus 1001 Nacht und Slums wie aus "Slumdog Millionär" - all das ist Indien.

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Reise nach Indien - ein großes Kino für die Sinne und viel besser als Bollywood...
© Corbis

Fünfzehn Millionen Menschen, fünf Millionen Fahrzeuge, eintausendfünfhundert verschiedene Dialekte - nein, so ausgeruht kann man in Delhi gar nicht aus dem Flieger steigen, dass einen diese Metropole nicht erst einmal umhauen würde. Was sicher auch am schwül-heißen Klima liegt. Vor allem aber an all den Eindrücken, die bereits auf der kurzen Fahrt vom Flughafen ins Hotel auf einen einprasseln: fliegende Händler, die sich auf ihren Mopeds durch den immerwährenden Stau schlängeln, Familien, die auf ausreichend breiten Mittelstreifen in Pappkarton-Verschlägen hausen, streunende Hunde unter Palmen, heilige Kühe auf den Straßen, kreischende Kinder, ganz egal, wohin man auch schaut. Und dann, nur einen Steinwurf entfernt und auch nur aufgrund der hohen Busfenster überhaupt erkennbar, Villen aus kolonialen Zeiten, so strahlend weiß, als gäbe es hier nicht die vierthöchste Luftverschmutzung der Welt oder als könnten die kleinen Parks drumherum und die verschlossenen Tore davor den ganzen Dreck draußen halten. All das ist Delhi, die Stadt, von der man sagt, sie habe "zwei Gesichter" - was allerdings nicht stimmen kann, denn allein in dieser einen Stunde Nacht haben wir schon tausend weitere Facetten gesehen.

Von Delhi nach Agra.
Der nächste Morgen: Vom Oberoi-Hotel geht es über Ausfallstraßen und Autobahnen, die diesen Namen nur deshalb tragen, weil sie zumindest theoretisch breit genug sind, um Eselskarren, Kameltransportern und bis aufs Dach besetzten Überlandbussen auszuweichen, nach Agra, in die Stadt des Taj Mahal. 20.000 Arbeiter und 1.000 Elefanten waren mehr als zwölf Jahre damit beschäftigt, dieses Grabmal für die Hauptfrau des Großmoguls Shah Jahan zu errichten. Seit seiner Fertigstellung im Jahre 1643 gilt es als das Monument der Liebe und seit der Erfindung der Kamera als eines der meistfotografierten Gebäude der Welt. Doch ganz egal, wie oft man seine riesige Marmorkuppel und die vier nicht minder beeindruckenden Minaretttürme schon auf Postkarten oder im Fernsehen gesehen hat - nichts kann einen vorbereiten auf diesen einen Moment, in dem sich der Taj dann tatsächlich vor den eigenen Augen aus dem Morgennebel erhebt und über Agra und dem Alltag zu schweben scheint.

Dem Tiger auf der Spur.
Noch eine weitere Nacht im Hotel Amarvilas, das schon allein deshalb seinen legendären Ruf verdient, weil man als Gast aus seinem Bett heraus direkt auf den Taj Mahal blicken kann, dann geht es weiter in Richtung Ranthambore. Kurz hinter der Stadtgrenze wird die Landschaft langsam karger. Statt Palmenhainen sieht man bald nur noch Gestrüpp, statt grünen Feldern graubraune Bergketten und statt der vielen namenlosen Straßendörfer ab und zu vielleicht noch eine einzelne wellblecherne Hütte oder aufgegebene Siedlungen. All die prachtvollen Farben, an die man sich so schnell gewöhnt hat, sind plötzlich verschwunden. Für Abwechslung sorgen jetzt nur noch die leuchtenden Saris der Inderinnen, die wie aus dem Nichts erscheinen und genauso schnell auch wieder in einer Staubwolke verschwinden. Draußen zeigt das Thermometer knapp 45 °C, drinnen im Bus döst man klimaanlagengekühlt dem nächsten Ziel entgegen. Gezählte drei und gefühlte dreißig Stunden später heißt es dann endlich: "Alles aus- und umsteigen!" Auf dem Parkplatz vor dem Haupteingang zum Ranthambore-Nationalpark wartet ein offener Gelände-LKW. Tiger-Watching ist angesagt - und das funktioniert weltweit angeblich nirgendwo so gut wie hier. Bis sich die erste und einzige Raubkatze des Tages dann tatsächlich vor dem Wagen sehen lässt, rumpelt man jedoch ziemlich lange und ziemlich ungefedert durchs Gelände - aber was nimmt man für so eine Safari nicht alles in Kauf? Wir sogar eine ganze Nacht im Zelt! Das steht allerdings auf dem parkartigen Gelände des 5*-Hotels Vanyavilas, ersetzt die ansonsten üblichen Zimmer und verfügt über gemauerte Wände, hochglanzpolierte Mahagoniböden, eine kupferne Badewanne sowie sämtliche Annehmlichkeiten, die man sich sonst noch so vorstellen kann.

Besuch in der rosa Stadt.
Solch eine Schlafstatt nach nur einer Nacht wieder verlassen zu müssen schmerzt. Dafür sind aber die Aussichten auf das nächstes Etappenziel recht rosig: Jaipur, "the Pink City", steht auf dem Programm. Ihren Namen verdankt die 2,5 Millionen Einwohner zählende Metropole dem Maharadscha Ram Singh. Anlässlich des Besuchs von Prince Edward VII. im Jahr 1876 ließ der als Perfektionist bekannte Herrscher die gesamte Altstadt in einheitlichem Rosa, der Farbe der Gastfreundschaft, streichen. Ein Brauch, der sich bis heute gehalten hat und inzwischen sogar gesetzlich fixiert wurde. Am besten lässt sich die Stadt mit ihrem imposanten Observatorium und dem weltberühmten Palast der Winde per Rikscha erkunden. Tipp für Shoppingwütige: unbedingt den Fahrer bitten, einen Umweg über die drei großen Basare Jaipurs zu machen. Im Johari-Basar haben sich hauptsächlich Juweliere niedergelassen, im Bapu-Basar findet man kostbare Stoffe und edle Parfums, und im angrenzenden Nehru-Basar gibt es Schuhe, die zwar nicht immer nach westlichem Geschmack, dafür aber unschlagbar günstig sind. Zum Schluss noch ein kleiner Vorgeschmack auf Rajasthans großartige Wasserpaläste gefällig? Gleich hinter der Stadtgrenze, auf dem Weg nach Amber, befindet sich das Lustschloss Jal Mahal. Besonders fotogen ist sein Anblick übrigens dann, wenn sich die letzten Sonnenstrahlen des Tages karminrot in den umgebenden See ergießen.

Hoch hinaus.
Der letzte Tag, das letzte große Abenteuer dieser Reise: Auf einem kunstvoll bemalten Elefanten reitet - oder besser schaukelt - man über die Serpentinen zum Fort Amber. Highlights hier oben: der Blick hinunter ins Tal und hinauf an die Decke des mit Tausenden kleinen Glasstücken dekorierten Spiegelsaals.
Sechs Stunden hat der Fahrer für die 265 Kilometer lange Strecke zurück nach Delhi angesetzt. Wem das zu lang erscheint, der unterschätzt den Verkehr in Indiens Hauptstadt. Von den ersten Randbezirken bis hinein ins Zentrum dauert es nämlich allein schon zwei Stunden - und das zur Nachmittagszeit außerhalb der Rush-Hour. Bis zum Rückflug am späten Abend bleibt aber trotzdem noch genügend Zeit für einen ausgedehnten Besuch im Basarviertel Chandni Chowk. Hier bietet sich einem die letzte und, wenn man gut im Handeln ist, auch die günstigste Gelegenheit, Sari-Stoffe, Ethno-Schmuck und traditionelles Kunsthandwerk einzukaufen. Irgendwo im Gewühl der Gassen stößt man danach vielleicht sogar auf den Digamber-Tempel, in dem die Mönche des Jain-Ordens ein Krankenhaus für verletzte Vögel betreiben. Auch das ist Delhi, "die Stadt der zwei Gesichter" und der tausend fantastischen Facetten. Und das kann einen selbst nach einer Woche Indien noch einmal so richtig umhauen.

WEITER: Die schönsten Bilder von Indien!

Thema: Reise

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