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Kleiner Mann ganz hoch

Nepal mit einem "Kinderstar“! Kann man mit einem Knirps Wanderurlaub im Himalaya machen? "Klar!“, sagten sich Carmen & Christian Hlade und flogen mit Söhnchen Leo, 2,5, nach Kathmandu. Hier ihr Bericht.

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Kleiner Mann ganz hoch

Momente wie dieser in Bhaktapur machen die Magie einer Nepal-Reise aus.

© Privat

Da unsere "Großen“ (8 & 10) die familiären Wanderambitionen mittlerweile "langweilig“ finden und am liebsten mit Freunden zuhause sind, blieben sie letzten Dezember bei der Oma. Unser einziger Reisebegleiter nach Nepal: Leo, der Jüngste!

Die Abreise... "Haben wir etwas übersehen? Es ist alles so ruhig und entspannt!“ Geeicht von den bislang oft nervenzermürbenden Urlaubsstarts mit unserer "Dreierbande“, kommt uns das Einpacken und Losstarten mit nur einem Kind plötzlich "leer“ und fast beunruhigend simpel vor. Leo ist begeistert vom Fliegen, schläft zwar keine Sekunde, ist aber voller Vorfreude. Wir auch!

Namastee! Klein Leo begrüßt zur Ankunft den Gott Vishnu.

Schon kurz nach der Landung ist klar - in Nepal ist Leo der Star! Wir werden neben ihm gar nicht richtig wahrgenommen - sind fast unsichtbar. Alle stürzen sich mit verzückten "Sssssooo cute (so süß)“-Ausrufen auf ihn. Oft wechseln die Menschen sogar die Straßenseite, um näher zu kommen. Bettler vergessen aufs Betteln und auf allen Gesichtern erscheint ein Lächeln. "Echte“ westliche Kinder sind hier in Nepal eine Seltenheit. Die kennen die Leute nur aus dem Fernsehen.

Zudem entspricht Leo mit seinen Pausbacken irgendwie exakt dem nepalesischen Schönheitsideal. Immer wieder kommen wildfremde Frauen, um ihn zu tätscheln, was Leo mit stoischer Gelassenheit erträgt. Und wenn wir ihn abends fragen: "Du, Leo, wie sagen die Nepali zu dir?“, dann kommt sofort: "Sssssoooo cute!“. Nach einigen Tagen kann Leo schon seine ersten Brocken in der fremden Sprache: "Namasteee!“ (Hallo!), "Timi lay Kosto-tzas?“ (Wie geht es dir?) oder "Kati Paysa heee?“ (Wie viel kostet das?). Seitdem entfällt das sonst übliche Feilschen mit den Händlern, weil sie eh den Preis halbieren und nicht aufhören zu grinsen.

Begegnungen: Westliche Kinder sind hier eine Seltenheit. Umso begeisteter reagieren die nepalesischen Kinder.

Sieben Tage Trekking. Von Pokhara im Westen brechen wir auf zu einer Trekkingtour ins Annapurnagebiet. Sonam und Harri, langjährige Weltweitwandern-Führer, begleiten uns. Leo thront meist auf Sonams Schulter in der Rückentrage. Die beiden haben eine volle Gaudi und ein neues Spiel erfunden: "Schnell weitergehen, Sonam, Mama und Papa kommen - wir müssen uns verstecken …“ Das (trotzdem) langsame Tempo ermöglicht viele schöne Begegnungen. An einem Abend übernachten wir in einer Lodge mit einer Gruppe aus Korea. Als Leo zu verstehen gibt, dass "Gangnam Style“ sein Lieblingslied ist, kennt die Begeisterung keine Grenzen. Smartphones werden angeworfen, und alle tanzen zusammen! Schön sind auch die Begegnungen mit den einheimischen Kindern - fast immer wird dabei gemeinsam Ball gespielt oder einfach nur rumgeblödelt.

Jeder Tag ist ein neues Abenteuer für den Knirps.

Die Woche vergeht wie im Flug - und ganz ohne kritische oder grantige Momente. Voller Neugier wacht Leo in der Früh auf und will nichts wie raus. Auch das Essen funktioniert wunderbar. Es gibt Müsli, Toast und Eier zum Frühstück sowie viel Gemüse, Pommes, Reis und vor allem Leos geliebte "Mmmmmmm Mommmmmmos!“ (tibetische Teigtaschen) zu den anderen Mahlzeiten.

Beim Trekking im Annapurnagebiet thront Leo auf den Schultern von Weltweitwandern-Guide Sonam.

Tiere und Tempel. Weiter geht es in Richtung Süden, in den Chitwan-Nationalpark mit seinen wilden Nashörnern, Tigern, Büffeln und Hirschen. Der Ritt auf dem Elefanten ist ein Erlebnis für die ganze Familie. Zurück in Kathmandu, besuchen wir ein Kinderheim, das Weltweitwandern seit vielen Jahren unterstützt. Wir freuen uns sehr über die Energie und Fröhlichkeit der Kids und auch darüber, wie gut sich das Projekt entwickelt. Allerschwersten Herzens naht nach drei Wochen die Heimreise. Wieso vergeht eigentlich die Zeit auf Reisen gefühlte 10 Mal schneller als zuhause, das ist echt unfair!

Am Marktplatz macht Leo Bekanntschaft mit einer Ziege.

Der letzte Tag in Nepal. Den letzten Tag verbringen wir beim Boudha-Stupa-Heiligtum, einem unserer Lieblingsplätze in Nepal. Hunderte Pilger kommen hierher - mit Gebetsmühlen und Räucherwerk in den Händen und heiligen Mantras auf den Lippen. Auch Leo probiert zur Freude der Gläubigen Niederwerfungen und das Mantra "Om Mani Padme Hum“ - das kann er inzwischen ganz flüssig rezitieren. Auch dafür erntet er großes Entzücken und die Menschen strahlen ihn voller Begeisterung an - so wie sie es seit unserem ersten Tag in diesem Land getan haben. Namasteeeee, Nepal - wir drei kommen ganz sicher wieder!

Christian, Leo und Carmen Hlade: Als Reiseveranstalter (Weltweitwandern.at) kennt Christian das Land seit Jahren.
Thema: Reise