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Reisetipps Sardinien

Türkises Meer und eine Landschaft zum Niederknien: Trotzdem gilt Sardinien immer noch als Reiseziel für Individualisten. Reise-Tipps für die Mittelmeerinsel.


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© Privat

"Du weißt, dass du hier im Paradies lebst, Francesco?" – "Si", sagt er, spült seinen Pecorino mit einem Glas Rotwein herunter und blickt über die grünen Hügel, die sich über dem kristallklaren Meer der sardischen Costa Verde erheben.

Tatsächlich herrschen in Sardinien, nach Sizilien die zweitgrößte Insel des Mittelmeers, paradiesische Zustände. Vor allem an der Costa Verde, der Westküste der Insel. Der etwa 47 Kilometer lange Küstenstrich wird im Norden vom "Capo Frasca" und im Süden vom "Capo Pecora" begrenzt. Vor dem blassblauen, leicht grün durchscheinenden Meer setzen endlos lange, weite und golden glitzernde Sanddünen die Küstenlandschaft ins Sonnen-Scheinwerferlicht. Alte Bergbaudörfer liegen umgeben von bewaldeten Hügeln.

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Blick vom Agriturismo "Fighezia" über die Costa Verde.

Hotelbunker oder Strandbuden mit Touri-Schnickschnack sucht man hier vergeblich. Denn Sardinien versucht einen Kompromiss zwischen Naturschutz und Tourismus zu finden. Statt in großen Feriensiedlungen nächtigt man inmitten der Natur hübschen Agriturismo, kleinen Bauernhöfen mit ein paar liebevoll eingerichteten Gästezimmern. Wie der "Fighezia" von Francesco, wo man von der Terrasse einen gigantischen Panoramablick über das Tal hat. Und wo man abends mit regionalen Bio-Produkten verwöhnt wird, die Francesco und sein graumelierter Chefkoch Massimo zu kreativen 4-gängigen Menüs kochen.

Partys, Remmidemmi, Halligalli? Sucht man an der Costa Verde vergeblich. Hier findet man Natur, Stille und die schönsten Strände der Welt (ein Urteil, dass man sich als Vielreisende erlauben darf). Neben dem langgezogenen und unverbautem "Dorfstrand" von Portixeddu nahe des Ortes Fluminimaggiore, der rechts von einem Riff begrenzt wird bis hin zum etwa eine halbe Autostunde entfernten Spiaggia Scivu: Ein Bad im Meer von Sardinien ist wie ein Bad in einem endlos großen Swimmingpool – so klar und sauber ist es.

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Der Strand von Portixeddu.
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Traumhaft: Das kristallklare Wasser am Spiagga Scivu.

Vor allem aber ist man an den Stränden – zumindest in der Vorsaison Ende Mai bis Mitte Juni – nahezu alleine. Erst im August fallen die Festlanditaliener in Sardinien ein. Doch selbst dann lässt sich noch die eine oder andere Traumbucht finden, die man sich mit maximal einem zweiten Sonnenschirm teilt. Letzterer ist auf der Insel wichtig. Bis auf die Pineta, die Pinienwälder im Südosten der Insel, gibt es nur an den wenigsten Stränden Schattenplätze.

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Der Strand von Masua
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Farbenprächtige Blumen säumen die Straßen.

Wir fahren von Buggeru, einem hübsch ins Tal der Provinz Carbonia-Iglesias gebautem 1.122 Einwohner-Städtchen, entlang der Küstenstraße weiter nach Masua. Vor jeder Kurve der gewundenen Straße stellt sich die Frage: "Geht es noch schöner?" – nur um danach festzustellen: "Ja. Es geht immer noch schöner." Dort wo der Weg an der Steilküste den Blick auf das Meer freigibt liegt das malerische Belvedere mit weiten Blick auf den Golfo di Gonnesa und den Pan di Zucchero.

Mitten in dieser Einsamkeit liegt die Bar "Operaio 69", in der man ein Glas Rot- oder Weißwein genießen kann. Früher lagerte man hier die Munitionen für das nahe und mittlerweile stillgelegte Bergwerk (eine Wanderung zu den spektakulären Bauten für den Schiffstransport dauert etwa drei Stunden), heute ist die von einem atemberaubenden Blick umgebene Bar ein Geheimtipp für Liebhaber der Gemächlichkeit.

Lohnenswert ist ein Ausflug auf die Isola San Pietro (mit der von Portovesme stündlich verkehrenden Fähre etwa eine halbe Stunde entfernt). Jedes Jahr Ende Mai, Anfang Juni findet in dem dortigen Fischerstädtchen Carloforte der "Girotonno" statt, das "Fest des Thunfischs", auf das überall stolz mit Murales (Wandbildern) hingewiesen wird.

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Carloforte: Romantisches Fischerdorf auf der Isola San Pietro.
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Murales, Wandbilder, weisen auf den Girotonno hin

Unschönes Detail des "Girotonno": Die jahrhundertealte Tradition der "Mattanza", einer blutigen und brutalen Thunfischjagd, bei der die Tiere in sich verjüngende Kammern getrieben und in der engsten geschlachtet werden. Ein Schauspiel, das Tierfreunden den Magen umdreht. Wer "normal" gefischten Thunfisch – und nirgendwo schmeckt er besser – genießen will, sollte einen Mittagssnack in der kleinen Fischhandlung "Gastronomia Sandolo Mario" gegenüber des Hafens einnehmen – oder sich am Abend in einen der teureren Fischrestaurants wie die "Osteria della Tonnara da Andrea" (betrieben von einem mehrfach prämierten Fernsehkoch) setzen.

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Obst am Markt von Carloforte

Weiter geht es Richtung Baia Chia, dem beliebtesten Ferienort der Hauptstädter von Cagliari, wo sich die feinsandigen, weißen Stranddünen bis zu 30 m hoch auftürmen und das Meer kristallklar und in allen Türkis-Facetten leuchtet, glaubt man an einen karibischen Traumstrand versetzt zu sein. Mit etwas Glück sieht man auf dem angrenzenden Binnensee Flamingos. Vorgelagert vor Baia Chia ist die kleine Felseninsel Su Giudeu, zu der man durch brusttiefes Wasser hinüberwaten kann. Aber auch der gegenüberliegende Strand, mit dem nach der Insel benannten Restaurant, lädt zum Verweilen ein. Hotel-Tipp: Das familiär geführte Hotel Ill Gabbiano mit kleinen Bungalows. Von hier ist der Traumstrand in zwei Minuten Gehweite entfernt.

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Der Strand der Baia Chia
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Stille und Einsamkeit an der Südküste
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Ein sardischer Hirte treibt seine Ziegenherde ins Bergland
Thema: Reise