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"Zweites Gehirn": Expertin erklärt, WAS unser Darm-Mikrobiom wirklich beeinflusst

Du hast ständig Bauschmerzen oder sogar ein Reizdarmsyndrom? Nicht nur dann solltest du dich besonders um dein Darm-Mikrobiom kümmern. Wie, das erklärt die Expertin Dr. Barbara Sladek im WOMAN-Interview.

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"Zweites Gehirn": Expertin erklärt, WAS unser Darm-Mikrobiom wirklich beeinflusst

Probleme mit dem Darm? Ständig Bauchschmerzen? Ihr solltet euch um euer Mikrobiom kümmern...

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Der Darm ist der Sitz unserer Gesundheit und fungiert quasi als zweites "Gehirn" in unserem Körper. Ganze 80 Prozent der Immunzellen (!) sitzen in unserer Körpermitte. Grund genug, sich mit der Darmgesundheit mehr auseinanderzusetzen. Genaugenommen mit unserem MIKROBIOM. Noch nie gehört? Das Darm-Mikrobiom besteht aus über 1000 Bakterienstämmen mit mehr als 30 Billionen Mikroorganismen, die sich im Darm befinden.

Das Mikrobiom kann sich verändern, aber auch wieder erholen

Die gute und gleichzeitig schlechte Nachricht: Das Mikrobiom kann sich verändern. Zum Guten, aber auch zum Schlechten. Das körperliche und mentale Wohlbefinden ist bei einem Ungleichgewicht in Gefahr. Eine Störung der Darmbakterien kann sogar psychische Krankheiten auslösen. Hier haben wir genauer darüber berichtet. Wie sich das Mikrobiom entwickelt, hängt vor allem von unserem Lebensstil ab. Wir haben mit einer Expertin gesprochen, um mehr über das kleine Universum in unserem Bauch zu erfahren.

"Kein Wunder, dass das Mikrobiom zu einem eigenen Organ ernannt wurde. Es spielt eine große Rolle im Hinblick auf unsere Lebensqualität", sagt Barbara Sladek, Doktor der Biochemie und diplomierte Molekularbiologin. Gemeinsam mit Dr. med. univ. Nikolaus Gasche ist sie Gründerin und Geschäftsführerin des österreichischen Darm-Mikrobiom Spezialisten myBioma. Ein Unternehmen, das sich der Untersuchung, Sequenzierung und Auswertung des Darm-Mikrobioms verschrieben hat.

WOMAN: Wie hängen Kopf und Darm zusammen?
Dr. Barbara Sladek: Letzten Sommer wurde die erste Publikation veröffentlicht, die wissenschaftlich belegt, dass die Darmbakterien das Gehirn bzw. die Psyche direkt beeinflussen. Umgekehrt wirkt sich psychischer Stress auch auf das Mikrobiom aus. Wenn wir gestresst sind, sendet der Kopf die Signale in den Darm. Die Bakterien produzieren dann bestimmte Ausscheidungsprodukte, die einen negativen Effekt auf haben können. Bauchkrämpfe können dann beispielsweise die Folge sein.

Oft ist es auch so, dass einzelne Bakterien Signale wie Hunger- oder Sättigungsgefühl an das Gehirn senden. Man hat beispielsweise auf etwas bestimmtes Lust, wobei wir intuitiv auf die Lebensmittel greifen, die die Bakterien gerade zum Wachsen brauchen. Dann erlebt man die berühmte Heißhungerattacke.

»Weißes Mehl und Fertigprodukte machen den Darm träge. Wohingegen Flohsamenschalen, Leinsamen und Ballaststoffe die Darmaktivität anregen.«

Kann sich das Darm-Mikrobiom wieder erholen?
Ja, von vielen Faktoren kann es sich tatsächlich erholen. Das ist aber sehr schwer zu sagen. Was man weiß ist, dass man oftmals ein langes Durchhaltevermögen benötigt, was den Darm betrifft. Damit sich alle Bakterien im Darm erneuern, dauert es ca. vier Monate.

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Wie wird das Darm-Mikrobiom beeinflusst?
Durch unsere Analyse bei myBioma lassen sich fünf Punkte ermitteln, die ganz allgemein das Darm-Mikrobiom beeinflussen: Allen voran die Ernährung . Die Qualität der Lebensmittel hat einen großen Einfluss auf den Darm. Aber auch WIE man isst. Hastiges Essen wirkt sich nämlich negativ auf den Darm aus. Punkt 2 ist der Stress : Oftmals kann man Stress gar nicht reduzieren. Aber man sollte lernen damit umzugehen, damit er sich nicht so extrem auf den Körper niederschlägt.

Die dritte Säule stellt die Bewegung dar. Durch Bewegung wird der Darm aktiviert. Wichtig dabei ist, dass man sich draußen betätigt. Durch die frische Luft werden die Bakterien mobilisiert. Auch der Schlaf ist für den Darm besonders wichtig: Während wir schlafen regenerieren sich die Bakterien. Die fünfte Säule stellen die Giftstoffe wie Alkohol, Nikotin, Medikamente etc. dar. Durch die Analyse der einzelnen Darmbakterien lässt sich feststellen, bei welchen Punkten man sich im Hinblick auf den Lebensstil noch verbessern kann.

»Es macht einen Unterschied, ob man ein Weckerl nebenbei während dem Gehen hastig isst oder ob man jeden Bissen genießt und förmlich in sich aufnimmt.«

Zusammenfassend: Ein gesunder Lebensstil wirkt sich positiv auf unser Darm-Mikrobiom aus. Gibt es noch andere Dinge, wie man dem Darm Gutes tun kann?
Kurkuma wirkt sich beispielsweise besonders gut auf die Darmbakterien aus, weil er entzündungshemmend wirkt. Pfefferminzöl ist bei Krämpfen gut. Avocados sind auch sehr gesund für den Darm. Und natürlich sind präbiotische Lebensmittel wie frisches Sauerkraut, Knoblauch oder Kimchi sehr gesund für den Darm.

Wie kann ich erfahren, wie es um mein Mikrobiom steht?
Durch die Analyse mit myBioma können 1000 Bakterienstämme aus über 30 Billionen Mikroorganismen des Darm-Mikrobioms identifiziert werden. Die Untersuchung hilft dabei den Einfluss der dort angesiedelten Bakterien besser zu verstehen. Mit myBioma kann man kontrollieren und steuern, in welcher Art und Weise das bakterielle Darm-Mikrobiom sich verändert oder entwickelt.

Mit der modernen 16S-Gensequenzierung (NGS) ist es uns möglich dieses Mikrobiom aufzuschlüsseln und darauf aufbauend wissenschaftlich fundierte Empfehlungen und Tipps für ein besseres Gesundenverhalten abzugeben. Das Test-Kit kommt nach Hause, man meldet sich über die Gratis-App an, schickt eine Stuhl-Probe an uns und im Anschluss wird man über die Ergebnisse informiert. Die Analyse ist jedoch sehr aufwendig und zeitintensiv, daher kann es schon passieren, dass man einige Wochen auf die Resultate waren muss. Wir richten uns damit aber nicht nur an Personen mit Darm-Beschwerden, sondern auch an jene, die gerne mehr über ihre Darmgesundheit wissen wollen.

Expertin Dr. Barbara Sladek

WOMAN wird in den nächsten Wochen myBioma testen. Den Nachbericht gibt es dann also bald auf hier auf woman.at Das Test-Kit samt Analyse kostet 169,90 Euro. Mehr Infos auf www.mybioma.com.

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