Ressort
Du befindest dich hier:

Warum die heftige Reaktion auf Renée Zellwegers neues Gesicht?

Renée Zellweger hat ihr Gesicht chirurgisch verändert. Und plötzlich urteilt die halbe Welt über ihre neuen Züge. Wir fragen uns: Warum diese übertrieben heftige Reaktion?

von

Warum die heftige Reaktion auf Renée Zellwegers neues Gesicht?

Renée Zellweger: "Ich fühle mich rundum zufrieden, so wie ich aussehe."

© 2014 Getty Images/Frazer Harrison

Ich saß gerade am Flughafen, als mein Blick auf einen der Monitore fiel. Eine unglaubliche dreiviertel Stunde lang verfolgte ich, wie eine Frauenrunde im französischen TV sich das Maul über das neue Gesicht von Schauspielerin Renée Zellweger zerriss. Nicht, dass ich irgendetwas verstanden hätte. Aber die Mienen der Talkshow-Gäste, ihre Gesten und die zahlreichen Nahaufnahmen der Mimin – das erübrigte jeden Untertitel.

Eine dreiviertel Stunde beste Sendezeit. Um über eine Schauspielerin zu urteilen, sie medial hinzurichten.

Warum, fragte ich mich, warum fällt die Reaktion auf Renée Zellwegers chirurgischen Optimierungsversuch gar so heftig aus?

Renee Zellweger: Gut – sie sieht nicht mehr wie Renee Zellweger aus. Aber was rechtfertigt die Empörung?

Gut, Zellwegers Stirn ist nun so glatt planiert wie eine Skipiste in Kitzbühel, ihre Augen sind statt schmal nun kugelrund wie Cent-Stücke.

Aber das?

24 Stunden lang beherrschte die neue Zellweger-Optik jeden zweiten Tweet, jeden dritten Blog-Eintrag und jede Klatschsendung des Universums. Ukraine-Krise, Boko Haram-Terror, Syrien-Wahnsinn. Was, das musste man sich angesichts der Berichterstattung fast fragen, ist derlei schon gegen die Schnippelei im Gesicht eines Hollywood-Stars?

Nun ist plastische Chirurgie in Hollywood nichts Neues. "Madonna in der Botox-Falle", "Was geschah mit dem Gesicht von Teri Hatcher" – all dies ist beliebtes Klatsch-Thema, all das sehen wir uns gerne mal kopfschüttelnd an und sagen innerlich "tss tss". Aber bei Frau Zellweger, so schien es, erreichte die Empörung über Sinn und Unsinn der Schönheits-Chirurgie einen neuen Peak.

Renee Zellweger im November 2013: Ein anderer Mensch. Na und?

Liegt es daran, dass Renée Zellweger Zeit ihrer Karriere eine Identifikationsfigur für uns war? Gesund, ein wenig fehlbar, hübsch, aber nicht atemabschnürend? In "Dazed und Confused" gab sie einen patscherten Teenager. In "Jerry Maguire" war sie gewinnend und nahbar. Als Bridget Jones schließlich gab sie uns die Gelegenheit, uns mit all unseren inneren Unsicherheiten im Wein- und Zigarettendunst auszusöhnen.

Sie war pummelig. Aber drollig. Wir sind pummelig. Und ebenfalls drollig. So.

Dann kam ihre Oscar-Auszeichnung für "Unterwegs nach Cold Mountain" , wo sie eine Bäuerin in den Südstaaten spielte, unprätentiös, in Schlabber-Klamotten und ungeschminkt – aber verdammt taff genug, um einem Huhn den Hals umzudrehen.

Ihre Filmrollen machten die heute 45-Jährige zur perfekten Identifikationsfigur für uns Durchschnittsfrauen.

Erschüttert uns ihr neues Antlitz auch deshalb so sehr, weil wir uns so lange Zeit in ihr wiederfinden konnten? Und nun bemerken müssen, dass sogar Renée, jener bislang so wackeren Widerstandskämpferin gegen alle Schönheits-Ideale, dieser "Apfel-und-Taschentuch"-Look nicht mehr gefallen hat?

Sieht Zellweger jetzt schlimm aus? Überhaupt nicht. Sie sieht wie eine schöne, gepflegte Dame der Gesellschaft aus. Aber wer ist sie?

Eben nicht mehr unser aller Renée.

In einem Interview mit dem People Magazin sah sich die Mimin gezwungen, über ihre Veränderung Auskunft zu geben. "Ich bin sehr froh," sagte Zellweger, "dass die Leute bemerken, dass ich anders aussehe. Ich lebe nun ein neues, ein glückliches und erfüllteres Leben. Tatsächlich bin ich begeistert, dass man dies auch sieht."

Und weiter: "Es scheint so, als müssten die Leute sich das Maul über die Entscheidungen anderer zerreißen und sie verurteilen, statt einmal vor ihrer eigenen Tür zu kehren."

Besser kann man darauf nicht mehr reagieren. Deshalb bitte: Beenden wir das Zellweger-Bashing. Es macht sie nicht wieder zur alten Renèe. Und uns nicht glücklicher.

Thema: