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Weltweit erstes Retortenbaby wird 40

Am 25. Juli 1978 erblickte Louise Brown, gezeugt im Reagenzglas, das Licht der Welt. Zu ihrem 40. Geburtstag erzählt die Engländerin, wie das ihr Leben geprägt hat.

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Louise Brown, das erste Reortenbaby der Welt, wird 40.
© 2018 Getty Images

Vor 40 Jahren hat die Geschichte der modernen In-Vitro-Fertilisation, kurz IVF, in Großbritannien begonnen. Nämlich als am 25. Juli 1978 Louise Joy Brown in Oldham bei Manchester auf die Welt kam. Ihre Eltern hatten nach jahrelangen, vergeblichen Versuchen die Hoffnung bereits aufgegeben. Doch Browns Geburt hat eine regelrechte Revolution im Bereich der künstlichen Befruchtung ausgelöst.
Heute hilft IVF vielen Paaren, ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Dafür wird bei der Frau zunächst mit Hormonpräparaten die Eizellreifung stimuliert, diese werden bei einem ambulanten Eingriff entnommen. In einer Petrischale werden die Eizellen dann mit den Spermien zusammengebracht, um miteinander zu verschmelzen. Die befruchtete Eizelle wird schließlich wieder in die Gebärmutter eingesetzt.
Im Interview erzählt Louise Brown, die heute selbst Mutter zweier Kinder ist und diese auf natürlichem Weg bekommen hat, wie die künstliche Befruchtung ihr Leben geprägt hat.

Wann haben Sie erfahren, dass Sie durch IVF entstanden sind? Wie haben es Ihre Eltern Ihnen erklärt?
Als ich vier Jahre alt war, setzten sich meine Mutter und mein Vater mit mir zusammen und zeigten mir den Film meiner Geburt. Sie sagten einfach, dass meine Mutter die Hilfe von Robert Edwards und Patrick Steptoe brauchte, damit ich geboren werden konnte. Der Film ist inzwischen auf YouTube zu sehen - schauen Sie ihn sich einfach mal an. Ich war damals kurz davor, in die Schule zu kommen, und meinen Eltern war bewusst, dass das Thema aufkommen würde. Ich glaube ich war in etwa 10 Jahre alt, als mir so langsam klar wurde, was die Sache bedeutete. Ich glaube nicht, dass meine Eltern sich je hätten vorstellen können, wie sich IVF entwickeln würde. Letzten Meldungen zufolge gibt es weltweit inzwischen etwa acht Millionen IVF-Kinder. Ich bin ein ganz normaler Mensch, mit einem Job, einem Mann, zwei Kindern und ehrlich gesagt ist es ein klein wenig erschreckend, dass mich so viele Menschen auf der ganzen Welt kennen.

Wie war das, mit dem Wissen, als erster Mensch, der durch künstliche Befruchtung entstanden ist, aufzuwachsen?
Nachdem wir einige Jahre lang zusammen um die Welt gereist waren, haben mich meine Eltern aus dem Rampenlicht genommen, um mir ein normales Leben zu ermöglichen. Die meiste Zeit verbringe ich entweder ganz normal in der Arbeit oder mit meiner Familie. Dann kommt plötzlich eine Presseanfrage oder eine Einladung einer IVF-Klinik oder ein Student, der mir ein paar Fragen stellen möchte. Inzwischen habe ich jemanden, der sich um diese Anfragen kümmert, die aus der ganzen Welt kommen. Mit dem 40. Jahrestag kamen Einladungen von vier verschiedenen Kontinenten. Ich konnte vor Ort mit eigenen Augen sehen, welch großartige Arbeit geleistet wird, um Menschen mit Fruchtbarkeitsproblemen zu helfen. Ich habe ein Buch über die ganze Geschichte von dem geschrieben, was meiner Familie passiert ist. Ich wollte, dass die Menschen von all den verrückten Dingen lesen können, die wir erlebt haben - und immer noch in Folge dessen, wie die Welt auf meine Geburt reagiert hat, erleben. Es trägt den Titel: „Vierzig Jahre IVF - Mein Leben als erstes Baby aus dem Reagenzglas“. Die meisten Leute sind freundlich und höflich, aber hin und wieder gibt es immer noch negative Kommentare zu IVF, vor allem online.

Sie engagieren sich sehr in der Aufklärung über IVF und im Empowerment für Kinderwunschpaare. Was können Sie, aufgrund Ihrer Erfahrungen, Menschen mit einem unerfüllten Kinderwunsch für ihren Weg mitgeben?
Meine Mutter hat immer fest daran geglaubt, dass sie ein Kind bekommen würde. Auch wenn die Technik nie zuvor funktioniert hatte, hat sie Hoffnung und Glauben niemals aufgegeben. Sie hat immer gesagt, das hätte ihr sehr geholfen. Ich kann den Menschen nur sagen: Behalten Sie Ihren Glauben daran, dass es auch bei Ihnen klappen wird.

Was glauben Sie? Wie hat Ihre Lebensgeschichte andere Menschen positiv beeinflusst?
Eigentlich sind es meine Mutter und mein Vater, die all das Lob und die Aufmerksamkeit verdient hätten. Ich habe doch nichts getan, außer gesund zur Welt zu kommen. Wenn über das Thema IVF gesprochen wird, fällt immer zunächst mein Name, dabei sind die wahren Pioniere dieser Geschichte Robert Edwards, Patrick Steptoe, ihr Assistent Jean Purdy und meine Eltern, Lesley und John Brown. Sie haben gemeinsam die Welt verändert.

Das Interview hat die IVF-Klinik VivaNeo woman.at zur Verfügung gestellt.
Red.: Pia Kruckenhauser

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Thema: Kinder