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Studie: So wirkt Fotonachbearbeitung auf die Psyche

Selfies von schlanken Frauen haben einen Einfluss auf unsere Psyche. Doch was passiert, wenn man weiß, dass ein Foto retuschiert ist? Eine neue Studie beantwortet diese Frage.

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selbstbild selfie
© Photo by Gian Cescon on Unsplash

Social Media kann ganz schön traurig machen, vor allem, wenn man nicht so aussieht, wie all die hübschen und schlanken Insta-Models. Und diese Bilder haben nachweislich einen Einfluss auf unsere Psyche. Vor allem junge Mädchen und Burschen sind empfänglich für die übertriebenen Modelkörper. Bis jetzt wurde angenommen, dass es dabei keine Rolle spielt, ob man weiß, welches Foto retuschiert und welches echt ist. Doch eine neue Studie zeigt, dass allein das Wissen um den flächendeckenden Gebrauch von Photoshop, eine positive Auswirkung auf das Selbstbild haben kann.

Das Forschungsteam der Ohio State University hat Folgendes herausgefunden: Wenn Frauen glauben, dass ein Selfie einer dünnen, sexy Frau retuschiert ist, dann haben diese Bilder einen geringeren Einfluss auf ihr Selbstbild. Dem liegt zugrunde, dass Menschen die herrschenden Schönheitsideale verinnerlichen und sich dann dementsprechend selbst bewerten. Habe ich also ein, zwei Kilo mehr auf den Hüften als die It-Girls auf Instagram, dann fühle ich mich tendenziell weniger hübsch. Doch wenn ein Bild retuschiert wird, wird es auch als weniger authentisch angesehen, so die Forschungsleiterin Megan Vendemia.

Und dies führt dazu, dass man die Bilder nicht mehr so ernst nimmt. So wird die Verinnerlichung des Schönheitsideals unterbunden. 360 Uni-Studentinnen wurden dieselben 45 Selfies gezeigt. Manche dieser Selfies waren mit Hinweisen ausgestattet, die angaben, ob ein Bild bearbeitet wurde. Es zeigte sich, dass jene Frauen, die mehr vermeintlich bearbeitete Bilder gesehen hatten, auch bei allen anderen Fotos eine Retusche vermuteten. Sie waren allgemein kritischer.

Die Studie zeigt, dass nicht nur die Menge an retuschierten Bildern, sondern auch die schiere Kennzeichnung solcher, einen positiven Einfluss haben kann. Doch hierfür muss man wissen, was Retusche überhaupt bedeutet und wie stark sie im Modebusiness angewandt wird. Vor allem Jugendlichen sollte deshalb vermittelt werden, dass fast alle großen Insta-InfluencerInnen ihre Bilder bearbeiten. Denn sie nutzen Instagram besonders gerne und wissen, dass auf der Plattform das "Schönsein" dazu gehört. Dies zeigte die Studie "Bodyshaming und soziale Medien", für die Wienerinnen zwischen 15 und 19 Jahren befragt wurden. Die Mädchen gaben an, dass Schönheit ein Kapital ist, das man aktiv steigern kann. Doch auch wenn sie die Schönheitsideale in den sozialen Medien kritisch bewerten, spüren sie trotzdem den Druck, diesen zu entsprechen. Somit reicht es nicht, die Retusche der InfluencerInnen aufzudecken, sondern es muss daran gearbeitet werden, dass viele verschiedene Körperformen in der breiten Öffentlichkeit zu sehen sind.