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"Richtig essen ist eine Typfrage!"

Wer sein Wohlfühlgewicht auf Dauer halten will, dem helfen Diäten wenig. Denn jeder Mensch is(s)t anders: Was die einen schlank macht, schlägt bei anderen an. Ernährungs-Profi Achim Sam erklärt, wie die drei Stoffwechseltypen ticken.

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"Richtig essen ist eine Typfrage!"
© istockphoto.com

Achim Sam kennt sich aus in Sachen Ernährung. Bekannt wurde der deutsche Experte und Bestsellerautor mit seiner wissenschaftlich untermauerten "24-Stunden-Diät". In einem weiteren Buch brachte er uns "Clean Eating", also Essen ohne Zusatzstoffe, näher. Sein neuester Coup ist typgerechtes Abnehmen. Die Kernaussage: Dem Stoffwechsel angepasst essen ist wichtiger als Kalorien zählen. Und seine wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass es drei grundlegende Ess-Typen gibt. Dem Verbrenner-Typ gehören die Glücklichen an, die im Grunde essen können, was sie wollen. Der Speicher-Typ dagegen isst wegen seiner instabilen Blutzuckerwerte tatsächlich deutlich mehr als andere. Dazwischen liegt die große Mehrheit des Misch-Typs. Sam weiß übrigens, wovon er spricht. Er selbst ist nämlich ein Speichertyp und muss ständig auf seine Ernährung achten, um das Gewicht zu halten. Mit seinem neuen Werk "Deutschlank" - funktioniert aber auch in Österreich gut - legt er ein Kochbuch vor, mit dem Abnehmen individuell gelingt.

WOMAN: Braucht es denn wirklich ein weiteres Abnehmbuch?

Sam: Ja, schon. Wir haben nämlich etwas getan, was es so noch nie gegeben hat. Die grundsätzliche Fragestellung des Projekts war: Reichen pauschale Empfehlungen beim Essen? Oder reagieren Menschen unterschiedlich und braucht es eine individualisierte Ernährung? Dafür haben wir 200 Menschen mit Blutzuckermessgeräten ausgestattet, um ihre Insulintoleranz zu messen. Wir haben ihr Mikrobiom im Darm untersucht. Und sie haben uns einen Katalog mit rund 200 Fragen zum Thema Ernährung und Lifestyle beantwortet. Und dabei kam ganz klar heraus: Jeder Mensch ist anders.

WOMAN: Und woran liegt das?

Sam: Das ist einerseits genetisch bestimmt. Wenn wir etwas essen, steigen unsere Blutzuckerwerte. Der Körper reagiert darauf, indem er Insulin ausschüttet. Wie stark diese Ausschüttung ist, bestimmen unsere Gene. Bei den Speicher-Typen ist sie sehr hoch, was in der Steinzeit ein eindeutiger Überlebensvorteil war. In unserer heutigen Überflussgesellschaft ist der Verbrenner-Typ gefragter. Durch seine Insulinresistenz nimmt er viel weniger Energie aus der Nahrung auf. Glücklicherweise gibt es aber nicht nur die Genetik. Mikrobiom, Lifestyle und Ernährung beeinflussen es auch sehr stark, und genau hier setzen wir an.

»Schlankrezepte sollen schmecken, einfach zu kochen und leistbar sein!«

WOMAN: Sie haben dafür einen Test entwickelt, der sich auf sehr wenige Fragen stützt. Ist der glaubwürdig?

Sam: Klar verallgemeinert dieser Test. Es gibt natürlich viele Abstufungen zwischen den drei ermittelten Ess-Typen. Aber in der Kernaussage stimmt er. Denn im Vergleich der Antworten mit den Messergebnissen haben sich bestimmte Verhaltensmuster gezeigt, die für die jeweiligen Esstypen typisch sind. 99 Prozent der Verbrenner haben etwa die Frage, ob sie in der Nacht schon einmal mit Heißhunger aufgewacht sind, mit Nein beantwortet. Das gibt es bei denen einfach nicht.

WOMAN: Und was ist jetzt das Besondere an den Rezepten?

Sam: Uns war wichtig, dass die gut schmecken, einfach zu kochen und leistbar sind. Ich wurde schon öfter gefragt, warum Diät-Rezepte immer so kompliziert sind und so exotische Zutaten haben. In großen Städten bekommt man die natürlich alle, aber auf dem Land sieht das schon ganz anders aus. Und viele mögen auch gar nicht exotisch kochen. Deshalb haben wir 100 Lieblingsrezepte kreiert. Bei denen sind, je nach Ernährungstyp, nur ein paar Zutaten in der Zusammensetzung oder der Menge angepasst. Alles bekommt man im normalen Supermarkt. Und kein Gericht kostet über fünf Euro. Das war uns extrem wichtig!