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Interview: Michaela Russmann über "rohe Küche"

Michaela Russmann ist Kochbuchautorin und betreibt im ersten Bezirk die BioWerkstatt. Im Interview verrät sie uns, warum sie sich seit Jahren "roh" ernährt und was es mit der "rohen Küche" auf sich hat.

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rohgenuss
© Photo by Russmann

Was bedeutet Rohgenuss?

ROHGENUSS bedeutet vieles … Leichtigkeit, Wohlbefinden, Schönheit, Kreativität, Phantasie, Loslassen, Nachhaltigkeit, Frische, Vitalität, Fitness, Genuss und ganz viel Gesundheit.

ROHKOST bedeutet, dass Speisen nur bis unter 42 Grad Celsius erhitzt werden dürfen, da so die Vitamine erhalten bleiben.

Wie kam es dazu, dass du dich mit diesem Thema intensiver beschäftigt hast?

Ich komme aus einer sehr gesundheitsbewussten Familie. Mein Papa war Leistungssportler und hatte einen der der ersten Bioläden in Wien. Somit war Ernährung immer ein großes Thema bei uns. Wir haben so ziemlich jede Ernährungsform durchprobiert und sind letztendlich bei Rohkost geblieben. Der Effekt auf Gesundheit und Psyche war bzw. ist sehr hoch, demnach steht viel Rohkost am Speiseplan.

Isst du selbst eigentlich auch mal warme bzw. gekochte Gerichte?

Ja, selbstverständlich. Ich bin kein Fan von „alles oder gar nichts“. Die gesunde Mischung macht es aus und wie auch schon bekannt, macht die Menge das Gift. Daher findet sich auch auf meinem Teller mal ein Kuchen oder ein Stück ungesundes Weißbrot.
Allerdings ist mein Rohkostanteil sehr hoch und schwankt je nach Jahreszeit. Das bedeutet: Im Sommer liegt der Anteil gerne mal bei 95%, im Winter bei gut 55% und kurz vor Weihnachten eher bei 5% :)
Außerdem esse ich sehr gerne heiße Suppen und ich bin ein großer Kartoffelfan - und diese sind roh nicht genießbar. Der Mittelweg ist denke ich der richtige (für mich zumindest).

Worauf muss man bei der „rohen“ Küche achten?

Ich lege großen Wert auf die biologische Qualität meiner Lebensmittel. Zudem muss man im Supermarkt darauf achten, dass z.B. Nüsse wirklich in Rohkostqualität sind. Die Kennzeichnung RAW nimmt auf den Produkten zu, da kann ich mir dann sehr sicher sein, dass alles unter 42° verarbeitet wurde - das ist auch bei Ölsaaten z.B. Kürbiskerne wichtig, um die volle Vitaminpower zu bekommen. Aber im Grunde reicht es eine Vielfalt von Obst und Gemüse zu essen und alles ist für den Körper getan.

Merkt man (beispielsweise am eigenen Körper), dass man sich "roh" ernährt?

Natürlich ist eine Gewichtsregulierung relativ schnell merkbar. Die Haut beginnt zu strahlen und Unreinheiten verschwinden. Für mich einer der wichtigsten Aspekte, ist die Auswirkung auf den Kopf. Man fühlt sich sehr klar, schläft sehr gut und hat ein rundum vital Gefühl. Verdauungsprobleme regulieren sich und man ist sehr schnell satt. Zudem bekommt man die volle Power aus der Nahrung … Vitamine und Enzyme bleiben erhalten. Das Energielevel steigt und ebenso die Konzentration.

Welche Gerichte legst du Einsteigern für ihre ersten Rohkost-Erfahrungen ans Herz?

Im Grunde alle Rezepte aus meinen Kochbüchern. (Info: Im Oktober erscheint Michaelas 11. Kochbuch!) Meine Gerichte dauern in der Zubereitung grundsätzlich unter 15 Minuten und benötigen keine außergewöhnlichen Küchengeräte. Daher empfiehlt sich jedes Rezept für den Anfang. Sonst würde ich die Gurkenröllchen empfehlen - die schmecken wie gekochtes Essen. Wenn es nicht nur Gerichte sein sollen, sondern z.B. nur Obst, würde ich eine Runde am Markt vorschlagen und dann sollte man unbedingt das kaufen, was man noch nie gegessen hat. So lernt man Neues kennen.

Was muss immer zuhause sein, wenn man sich von Rohkost ernähren will?

Der rohe Vorratsschrank sollte mit folgenden Lebensmittel immer gefüllt sein: Nüsse, Ölsaaten (Kürbiskerne, Sesam …), Trockenfrüchte, Kakaopulver, Kokosflocken, Kokosöl, Ölauswahl (Leinöl, Hanföl etc.), hochwertigen Essig, tiefgefrorene Beeren, eine ausgewählte Vielfalt an Superfoods (Weizengraspulver, Kakaonibs), Lieblingsgewürze getrocknet, Salz- und Pfefferauswahl (Kräutersalz, Zitronenpfeffer), Avocados und Bananen zum Nachreifen …. den Rest kaufe ich immer frisch ein.

Ist die "rohe Küche" auch kindertauglich?

Natürlich ist die Rohkost-Küche kindertauglich. Kinder lieben alles was bunt ist. Beim Zubereiten von rohen Essen für Kids achte ich auf mäßige Würze, kreative Aufmachung (z.B. Gemüsekaktus, Gurkenspaghetti oder Salat-Wraps). Gerne gehe ich mit Kindern über den Wochen- oder Bauernmarkt und lasse sie aussuchen und ausprobieren. Das stärkt den individuellen Geschmack und macht das Kind neugierig. Mein Kochakt selbst, soll das Kind unbedingt mit eingebunden werden - stärkt die Motorik, fördert die Selbstständigkeit und macht Lust auf das selbst zubereitete Essen.

Du gibst auch Workshops zu diesem Thema. Was erwartet die Teilnehmer?

In nur 2 Stunden wird unter dem Motto: Rohkost im Alltag, ein feines, kreatives und g'schmackiges 3-Gänge Menü zubereitet und natürlich auch in der Kleingruppe gemeinsam genossen … Hauptziel ist zu zeigen, dass Rohkost mehr ist, als banale Karottensticks und Gurkenscheiben … mit wenig Zutaten einen AHA-Effekt zu erzielen ist die größte Intention. Kosten sind mit 25,- sehr günstig und findet immer mit wenigen Leuten statt, um wirklich immer den größten Input mitnehmen zu können. Meine Workshops finden auch in Unternehmen im Rahmen der „Gesunden Tage“ statt (z.B. Ministerien)

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