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Roman Polanski, wegen Missbrauch Minderjähriger seit Jahren auf der Flucht, erhält schon wieder einen Preis

Der Regisseur Roman Polanski, der sich selbst des unrechtmäßigen Geschlechtsverkehrs mit Minderjährigen schuldig bekannt hat, wurde bei den Filmfestspielen von Venedig für einen Film über einen zu Unrecht Beschuldigten ausgezeichnet. Ironie? Nun ja...

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Roman Polanski, wegen Missbrauch Minderjähriger seit Jahren auf der Flucht, erhält schon wieder einen Preis
© Getty Images

Stell dir vor, ein Mann gesteht, dass er eine Minderjährige missbraucht hat. Danach flieht er vor der Justiz. Und anstatt, dass er geächtet wird, werden ihm auch noch Oscars, Golden Globes und nun ein weiterer Preis überreicht.

1977 wurde der erfolgreiche Regisseur Roman Polanski ("Der Pianist", "Tanz der Vampire") in Los Angeles wegen „Vergewaltigung unter Verwendung betäubender Mittel“ einer 13-Jährigen angeklagt. Damit die Minderjährige nicht öffentlich vor Gericht aussagen müsse, schlug ihr Anwalt damals vor, die Anklage auf „außerehelichen Geschlechtsverkehr mit einer Minderjährigen“ zu reduzieren. Dazu bekannte sich Polanski schuldig.

Es kam danach allerdings nie zu einem ordentlichen Gerichtsverfahren, da der damals 44-Jährige sich ins Ausland absetzte und nie wieder in die USA zurückkehrte, weil ihm dort immer noch ein sofortiger Haftbefehl droht.

Statt einer Verurteilung hagelt es Auszeichnungen

Stattdessen erhält Polanski nun erneut einen Preis - in Form des Großen Preises der Jury der Filmfestspiele in Venedig für seinen neuesten Film "J’accuse" (übersetzt: Ich klage an). Der Film basiert auf der sogenannten Dreyfus-Affäre und erzählt die Geschichte eines französischen Militäroffiziers, der wegen Spionage für Deutschland zu Unrecht zu lebenslanger Haft verurteilt wird.

Zu dieser Geschichte eines zu Unrecht Verurteilten, meint Polanski ja besondere Einblicke zu haben, wie er in einem Interview mit dem Autor Pascal Bruckner angibt: „Es hilft mir sehr, so einen Film zu machen. In der Geschichte finde ich manchmal Momente, die ich selbst erlebt habe, und ich sehe die gleiche Entschlossenheit, die Fakten zu leugnen und mich für Dinge zu verurteilen, die ich nicht getan habe. Die meisten Leute, die mich belästigen, kennen mich nicht und wissen nichts über den Fall. Meine Arbeit ist keine Therapie. Ich muss jedoch zugeben, dass ich mit vielen der im Film gezeigten Funktionsweisen des Verfolgungsapparats vertraut bin, und das hat mich eindeutig inspiriert.“

Und in der Tat - die Parallelen sind frappierend (Achtung, Ironie...): Auf der einen Seite ein Mann, der ein Leben lang im Gefängnis saß, für eine Tat, die er nicht begangen hatte. Auf der anderen Seite ein Mann, der sich des Verbrechens schuldig bekannte, dann jedoch vor der Verhandlung floh, seit Jahrzehnten im Luxus lebt sowie für seine Arbeit geschätzt und gefeiert wird - inklusive mehrerer Oscars, Golden Globes und europäischer Filmpreise.

Kann Talent eine kriminelle Tat aufwiegen?

Es gibt da diesen Spruch: Man muss die Kunst vom Künstler trennen. Denn sonst kann man sich doch nie wieder die Werke von Rembrandt, Picasso oder Caravaggio ansehen. Der erste ließ seine frühere Freundin ins Gefängnis werfen, weil sie ihn erfolgreich auf Unterhalt verklagt hatte. Der zweite hatte ein Verhältnis mit einer Minderjährigen. Der dritte tötete einen Menschen.

Das ist lange her. Das sehen wir noch relativ emotionslos. Aber was ist mit R.Kelly, Bill Cosby oder Woody Allen? Können wir deren Lieder, lustige Serien oder Filme noch guten Gewissens genießen?

Seit Jahrhunderten versucht man kriminelle Taten durch großes Talent zu entschuldigen, ja sogar aufzuwiegen. Wer so Außergewöhnliches erschafft, kann aber dennoch nicht über dem Gesetz stehen und ist nur aufgrund seiner Bekanntheit oder Beliebtheit automatisch glaubwürdiger.

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