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Rosa-Hellblau-Falle: Wir formen unsere Kinder, selbst wenn wir es nicht merken

Als man Erwachsene bat mit zwei kleinen Kindern zu spielen, hätte die Situation nicht normaler ablaufen können, wäre da nicht ein winziges Detail vertauscht worden.

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© istockphoto.com/Rawpixel

Auf BBC läuft nun schon länger die Sendung "No More Boys And Girl: Can Our Kids Go Gender Free?" (übersetzt: Keine Jungs und Mädchen mehr: Können unsere Kinder ohne soziales Geschlecht leben?), in der ein gewisser Doctor Javid von Folge zu Folge versucht herauszufinden, wo die Konstruktion der Geschlecht anfängt und wieder aufhören kann. Denn da ist er und das Team sich sicher: Das soziale Geschlecht ist eine künstliche Erfindung unserer Gesellschaft.

Und unter sozialem Geschlecht versteht man die Zuschreibungen, die zu Männern und Frauen gemacht werden. Wie etwa, dass sich alle Frauen für Mode & Stars und alle Männer für Autos & Sport interessieren. Oder, dass Blau eine Buben-Farbe und Rosa die Farbe der Mädchen ist. Letztere Farbenaufteilung war noch bis Ende des 19. Jahrhunderts genau umgekehrt. In den Sozialwissenschaften ist es schon lange klar, dass Blau früher die Farbe der Mädchen war da sie, durch ihre Assoziation mit der Jungfrau Maria, für Reinheit stand. Und Rosa, also das abgeschwächte Rot, stand für Kampf und Soldaten, war also die Farbe der Männer und Jungen.

Dass man bestimmte Eigenschaften mit Frauen und andere mit Männern verbindet hat einen psychologischen Grund: Aufgrund der Komplexität der Welt, versucht das Gehirn seine Umwelt in Kategorien einzuteilen, um schneller darauf reagieren zu können. Dasselbe Prinzip steckt hinter den Stereotypen gegenüber den Geschlechtern. Dies bedeutet, dass Stereotype unterbewusst abgerufen werden. Und genau das geschah auch, als ein paar Erwachsene aufgefordert wurden, mit zwei kleinen Kindern zu spielen.

In einer Folge der BBC-Serie hatte Doctor Javid zwei kleinen Kindern, einem Jungen und einem Mädchen, die Kleider getauscht, so dass aus Marnie ein Oliver und aus dem süßen Edward eine Sophie wurde. Dann wurden die Kids auf eine Decke mit verschiedenem Spielzeug gesetzt und Erwachsene wurden aufgefordert mit einem der beiden Knirpse zu spielen. Es stellte sich schon nach kurzer Zeit heraus, dass die Versuchskannichen sich von klischeegerechten Vorstellungen leiten ließen.

Stereotype lauern unter der Oberfläche.

Der vermeintliche Bub wurde aufgefordert, sich mit solchen Spielsachen zu beschäftigen, die eher die motorischen Fähigkeiten ansprechen, also Bauklötzchen, ein Roboter oder das Schaukelpferd. "Sophie" hingegen wurde mit Puppen und Kuscheltieren bespaßt, wobei "sie" auch mal daran gehindert wurde mit dem Roboter zu spielen, wenn "sie" ihn in die Hand nahm.

Nachdem die Erwachsenen darüber aufgeklärt wurden, dass das Geschlecht der Kinder vertauscht worden war, gaben alle zu, mit den Spielsachen auf das Geschlecht reagiert zu haben. Sprich: Mit einem kleinen Mädchen spielt man anders, als mit einem kleinen Jungen. Das ist also das Tückische an Stereotypen: Man ist sich ihnen in den meisten Fällen nicht bewusst, es kann aber sein, dass man so Personen darin beraubt, ihr wahres Ich zu zeigen.

Die beiden Kinder nahmen, was ihnen die Erwachsenen gaben, schließlich waren sie noch wirklich sehr klein und leicht zu unterhalten. Das zeigt, dass Kinder in ihrer Entwicklung zwar eigene Vorlieben entwickeln, diese aber trotzdem von den Eltern, oder dem Umfeld, gefärbt sind. Wenn ich einem Mädchen immer nur Kuscheltiere und nie Bauklötze gebe, dann nehme ich ihr die Möglichkeit, sich vollends zu entfalten. Sie wird das Gefühl haben, dass Bauklötze nichts für sie, als Frau, sind und das wird sich auch auf ihr späteres Leben auswirken.

Ein Kind hat viele verschiedene Seiten, manche Kinder mögen Puppen, andere Autos. Es sollte egal sein, wer was lieber mag. Diese Trennung zwischen Mädchen- und Bubenspielzeug bringt nur der Wirtschaft etwas, den Kindern bringt sie nichts. Deshalb: Gebt euren Kindern die Chance ihre Persönlichkeit schon früh zu entfalten!

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