Ressort
Du befindest dich hier:

Meghan & Harry: Warum wird über die zwei eigentlich so viel gelästert?

Die Ex-Royals sorgen oft für Schlagzeilen, aktuell mit Good News: Herzogin Meghan feiert ihren 40. Geburtstag. Aus diesem Anlass fragen wir uns: Wieso ist Gossip über sie überhaupt so interessant?

von

meghan markle, herzogin meghan, duchess, dutch, harry, queen, kate, william,
© Getty Images

Was bisher geschah ...

Ein kleiner Crashkurs zur Laufbahn von Kurzzeit-Royal Meghan und ihrem Liebsten Harry – für alle, die es in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht so im Detail verfolgt haben: Zu Beginn war die Hollywood-Lovestory perfekt, das Happy End schien vorgezeichnet – die amerikanische Schauspielerin & der britische Prinz.

"Meghan fegte anfangs wie ein frischer Wirbelwind durch das Königshaus. Die Presse stürzte sich nach der offiziellen Verlobung im November 2017 auf diese moderne Amerikanerin, die bereits eine Karriere als Serien-Starlet hinter sich hatte. Sie war geschieden, ist eine Woman of Colour, sie setzt sich für Frauenrechte ein. Das hätte den Royals alles sehr gutgetan, sie hätte gefeiert und geliebt werden können, wie Diana", fasst es Royal-Expertin Marion Nachtwey zusammen. "Aber es ging schief. Aus mutmaßlich weniger schwerwiegenden Gründen wie bei ihrer Schwiegermutter. Denn Meghan wird von ihrem Mann geliebt."

Nach der Traumhochzeit im Mai 2018 (sie feierten mit über 600 geladenen Gästen) kam Söhnchen Archie ein Jahr später auf die Welt. Im Jänner 2020 verkündeten Harry und Meghan ihren Ausstieg aus der Königsfamilie (Warum hieß es überhaupt "Megxit" und nicht "Haxit"?!). Ein paar Monate später zog die Familie in die USA, wirklich ruhig wurde es um die Ex-Royals aber auch dort nicht: Meghan veröffentlichte in der New York Times einen persönlichen Text über ihre Fehlgeburt, die sie Ende 2020 erlitt. Eine der bislang größten PR-Coups: Ein Interview mit Oprah Winfrey, das am 7. März diesen Jahres ausgestrahlt und weltweit diskutiert wurde. (Was die Queen zum Oprah-Interview zu sagen hatte, erfährst du hier.) Wo Meghan und Harry auftreten, gibt es eben viel zu berichten.

Die Presse ist beschäftigt: Da ist nämlich außerdem eine Netflix-Doku, in der Harry über seinen "Genetic Pain" sprach (was damit gemeint ist, erfährst du hier) und die Geburt ihrer Tochter Lilibet Diana am 4. Juni 2021. Von der Öffentlichkeit wird alles streng beäugt – gefeiert und kritisiert. Nachtwey, die alle Schritte des Couples genau verfolgt, fasst zusammen: "Sie polarisieren deshalb so stark, weil sie die Öffentlichkeit an ihren Problemen teilhaben lassen. Weil sie so frei waren, einen neuen Weg zu gehen, eine schwerwiegende Entscheidung getroffen haben. Die einen finden, es gehört sich nicht, eine perfekt inszenierte Seelenstrip-Show zu veranstalten, die anderen meinen, Recht haben sie, sie sollen sich von der Königlichen Familie nichts gefallen lassen."

royal expertin, royals, herzogin meghan, meghan markle, harry, prince harry, queen elizabeth,
Royal-Expertin Marion Nachtwey

Der nächste Skandal ist schon vorprogrammiert: Harry plant eine Autobiografie über sein Leben. Nachtwey sieht das relativ gelassen: "Große Geheimnisse werden wohl nicht zu erwarten sein, aber wenn ein Royal, der weltberühmt ist, aus seinem Leben erzählt, hängen wir einfach an seinen Lippen, weil wir alle gerne Mäuschen spielen wollen in den Palästen, um am Ende festzustellen, deren Probleme, Sorgen, Wünsche und Ängste sind gar nicht so anders als unsere."

Wir kennen Meghan & Harry nicht: Warum tratschen wir trotzdem über sie?

Warum interessiert uns dieser Gossip überhaupt? Wieso lästern wir so gerne über andere, die wir mitunter ja noch nie persönlich getroffen haben? Das haben wir Carine Anderle gefragt, die Psychotherapeutin hat sich auf Verhaltenspsychologie spezialisiert. Greifen wir noch einmal kurz die Royals auf, bevor wir klären, warum wir so gerne lästern. "Gerade über die Royal Family wird so viel medial berichtet, dass sie für viele Menschen ja fast wie Familienmitglieder oder gute Freunde erscheinen", so die Psychologin. "Die Royals erfüllen keinen politischen, sondern in erster Linie einen Unterhaltungszeck, der der Familie ja auch selbst zugute kommt. Gerade in Großbritannien ist die Berichterstattung über die Royals noch viel extremer, für viele Briten sind sie wie eine erweiterte Familie. Beispielsweise der tragische Unfalltod von Lady Diana: Unglaublich viele Menschen hat diese Tragödie damals so getroffen, als wäre eine eigene nahe Angehörige verstorben. Wer sich oft mit dem Leben anderer Menschen auseinandersetzt, baut eine emotionale Verbindung auf - unabhängig davon, ob wir diese Menschen kennen."

Folglich interessiert es uns auch, weil wir andauernd damit konfrontiert werden, wir sie oft kennen, seit sie auf der Welt sind und ihre Entwicklung seit Jahrzehnten verfolgen, sie für viele eine Projektionsfläche darstellen. "Gossip über andere - vor allem, über berühmte oder besonders erfolgreiche Personen zu sprechen und deren Leben zu beobachten, ist so alt wie die Menschheit selbst. Pikante Informationen über die Großen und Mächtigen gab es schon im alten Ägypten - auf Hieroglyphen abgebildet - und im alten Rom", erklärt Anderle weiter. "Es ist ein urmenschliches Bedürfnis, unsere 'alltäglichen' Leben und Probleme mit denen der anderen abzugleichen und zu sehen, dass selbst die Berühmten, aber auch die Nachbarin oder Kollegin im Grunde ganz ähnliche Probleme haben wie wir selbst." Gleichzeitig bilden die Inhalte des Gossips sehr stark soziale und kulturelle Normen ab. Sie vermitteln, was aktuell sozial akzeptiert ist und was weniger.

psycholoie, lästern, megxit,
Verhaltenspsychologin Carine Anderle

Mit der Psychologie des Lästerns haben sich bereits viele WissenschaftlerInnen beschäftigt. Soziologe Max Gluckmann, der in den Sechzigerjahren dazu forschte, bezeichnete Klatsch als sozialen Klebstoff, der Gruppen zsuammenhält. "Tratschen ist meist sehr emotional und stellt so ein Gefühl von Intimität zwischen den Beteiligten her", fasst es Carina Anderle zusammen. "Es stärkt - zumindest das Gruppengefühl, und hilft uns, unser eigenes Verhalten mit sozialen Normen abzugleichen und wichtige soziale Informationen auszutauschen. Ich würde alles, was uns miteinander in Kontakt treten lässt, als 'sozialen Klebstoff' bezeichnen. Sei es das gemeinsame Hobby, Interessen oder eben über andere tratschen."

Die Expertin unterscheidet dabei klar zwischen zwei Ausmaßen:

  • Tratschen über andere im Sinne eines Informationsaustauschs und Befriedigung der Neugierde: "Das ist ein völlig natürlicher Teil menschlicher Konversation, macht Spaß und erfüllt einen sozialen Zweck. Eine Studie aus 2019 hat gezeigt, dass etwa drei Viertel unserer Konversationen so aufgebaut sind."
  • Das gemeine Ausrichten, Verurteilen und Schlechtmachen anderer: "Es schweißt die Lästerer kurzfristig als Gruppe zusammen und gibt denen, die andere abwerten für kurze Zeit ein Gefühl der Überlegenheit. Langfristig macht es uns jedoch selbst anfällig für eigene Unsicherheiten und Schamgefühle." Heißt: Wir glauben, unsere Probleme verstecken zu müssen, fühlen uns gehemmt, unser Leben nach den eigenen Vorstellungen leben zu dürfen - aus Angst vor Verurteilungen. "Wer andere verurteilt, neigt leider auch dazu, sich selbst für dieselben Dinge zu beschämen."

Wir lernen daraus also: Langfristig macht uns das Urteilen über andere uns selbst gegenüber strenger. "Weil wir unsere Empathie ausschalten, wenn wir uns über andere negativ äußern. Besonders interessant sind für uns ja jene Themen, die unsere eigenen Unsicherheiten betreffen, setzen uns so also indirekt selbst unter Druck.“ Psychologin Carina Anderle hat noch ein Beispiel dazu: "Das kleine Bäuchlein, das Kate einen Tag nach der Geburt von Prinz George präsentierte war eine 'Sensation'."

Diese Artikel könnten dich auch interessieren:

Es wurde unglaublich viel darüber geschrieben, wie mutig es sei, dass sie sich so natürlich, also ohne Mieder unter dem Kleid, zeigte. Diese Berichterstattung macht sehr viel mit unserer Körperwahrnehmung und löst unglaublich viel Druck aus." Im ersten Moment fühlt man sich gut, weil man nicht alleine mit seinen Dellen, Röllchen & Co. ist, aber durch die Tatsache, dass es überhaupt zu einem Thema gemacht wird, bekommt es in unserem Kopf eine übertriebene Relevanz, so die Expertin, und das eigene Körperbild leidet.