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Rudas vs. Molterer: Taffes Polit-Duell

Junghupfer gegen Polit-Elefant, rebellisch gegen traditionell, rot gegen schwarz: SP-Nationalratsabgeordnete Laura Rudas, 27, trifft VP-Vizekanzler Wilhelm Molterer, 53, zum ersten Polit-Duell der Generationen (im kommenden Heft diskutieren VP-Politikerin Sylvia Fuhrmann und SP-Chef Werner Faymann).


Rudas vs. Molterer: Taffes Polit-Duell
© Claudia Bokmeier

Kann es da Konsens geben? Oder ist erneuter Zank programmiert? Im WOMAN-Gespräch diskutieren die beiden über Ungeduld, Eitelkeiten und darüber, ob sie das Zeug zum charismatischen Kandidaten haben …

Woman: Herr Molterer, Sie sitzen nun, im angeblich härtesten Wahlkampf aller Zeiten, Ihrer jungen Polit-Kontrahentin gegenüber. Worauf achten Sie bei einer Frau?
Molterer: Auf die Ausstrahlung.
Woman: Frau Rudas, was ist Ihnen bei einem Mann wichtig?
Rudas: Der Gleichberechtigungssinn.

Woman: Politik lebt von schillernden Persönlichkeiten wie Barack Obama. Würden Sie beide sich selbst als solche bezeichnen?
Rudas: … oder jeweils den anderen? (Lacht) Tun Sie sich keinen Zwang an!
Molterer: Der springende Punkt ist die Authentizität (schmunzelt). Vor kurzem hat mir eine un­bekannte Frau gesagt, dass ich fescher bin als im Fernsehen …
Rudas: Also, Obama gefällt uns als amerikanischer Präsident. Es gibt aber Themen, die ich inhaltlich nicht teile. Rhetorisch ist er natürlich toll.

Woman: Gehört es in Österreich also zur politischen Schule, Phrasen zu dreschen?
Rudas: Nein, ich bin mir aber nicht sicher, ob ein europäischer Politiker mit Obamas Stil gut ankommen würde …
Molterer: Wir sollten unsere österreichischen Stärken einer inhaltlichen Diskussion sehen. Wobei: Das rhetorische Talent des Barack Obama zu haben hat schon was. So was ist eine Gabe. Und ich glaube, die Menschen haben ein sehr gutes Gespür, ab wann etwas zur Phrase wird. Viel wichtiger finde ich da schon das Zuhörenkönnen.

Woman: Tun Sie das?
Molterer: Ich kann das sehr gut. Zuhören ist aber auch eine Frage der Zeit. Die ist im Wahlkampf knapp, da ist der Mund aktiver als das Ohr.
Rudas: Bei mir ist es das Um und Auf, rauszugehen, die Leute zu fragen, was ihre Anliegen sind, was ich richtig mache. Die Geduld der meisten Menschen, die sie in Diskussionen mit Politikern haben, begeistert mich.

Woman: Sind Sie selbst ge­duldig?
Rudas: Ich bin eher ungeduldig, sehe das aber genauso als Stärke wie auch als Schwäche.

Woman: Regt Sie auch das Parteien-Hickhack zwischen SPÖ und ÖVP auf?
Rudas: Ja, ich habe die alte ­Politik satt.
Molterer: Wenn ich die Politik satt hätte, würde ich jetzt nicht da sitzen …

Woman: Geht man nicht in die Politik, weil man etwas verändern will?
Rudas: Stimmt, Politik kann die Welt verändern. Politik muss auch diesen Anspruch haben. Leider ist das nicht immer so.
Molterer: Wir können etwas verändern, Gott sei Dank! Zum Beispiel müssen wir Politik ­generationengerecht gestalten. Da dürfen wir Wahrheiten nicht verschweigen: Pensionen sind nur dann sicher, wenn wir das System ändern …
Rudas: … aber nicht verschlechtern.

Molterer: Frau Rudas, das verstehe ich gar nicht. Dass gerade Sie als Jugendvertreterin den jungen Menschen gegenüber nicht ehrlich sind.
Rudas: Die jungen Menschen vertrete ich, da brauche ich keine Tipps. In Wirklichkeit wollen Sie den Sozialstaat abschaffen …

Molterer: Bitte lassen Sie diese Parteisekretariatsreden daheim.
Rudas: Also, ich erkläre Ihnen nicht, wie Sie zu reden haben.
Molterer: Es ist doch logisch: Unsere Lebenserwartung steigt, also müssen wir das System ­verändern, sonst kollabiert es. War­um sagt denn niemand die Wahrheit? Ich sag sie! Das ist eine Erkenntnis aus der Vergangenheit … Und wir hatten uns ja mit der SPÖ schon auf die Pensionsautomatik geeinigt.

Rudas: Nein! Und ich sage Ihnen auch, wovor wir Jungen Angst haben: Sie reden von ­einer Maschine, die Pensionen errechnet, die nur für meine Generation gelten.

Das ganze Polit-Duell finden Sie im aktuellen WOMAN